München

Rentner verschenkt Haus und Grundstück im Wert von zehn Millionen Euro

Otto Gugger hätte sein Münchner Grundstück zum Höchstpreis verkaufen können. Stattdessen hat er es verschenkt. 25 bezahlbare Wohnungen sollen hier entstehen.

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Ein Wohnhaus mit großem Grundstück in München ist ein Vermögen wert. (Symbolbild)
Ein Wohnhaus mit großem Grundstück in München ist ein Vermögen wert. (Symbolbild)Wolfgang Maria Weber / Imago

Ein Haus mit einem Grundstück fast so groß wie ein halbes Fußballfeld – das ist schon ein Glück. Wenn es dann in München steht, dem teuersten Immobilienpflaster Deutschlands, ist es ein Schatz. Otto Gugger besitzt so ein Anwesen. Rund zehn Millionen Euro ist es wert. Und er hat es verschenkt.

Der Architekt, 90 Jahre alt, hat sein Elternhaus samt Garten im Münchner Stadtteil Großhadern der gemeinnützigen Stiftung Daheim im Viertel überschrieben. Ohne einen Cent Gegenleistung. „Ich habe das alles noch nie als meinen Besitz empfunden“, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Schon als Bub habe sich das Haus eher geliehen angefühlt als besessen.

Bezahlbare Wohnungen statt Rendite für Miethaie

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in München ist dramatisch. Durchschnittlich mehr als 23 Euro kostet der Quadratmeter Miete. Und kaufen können sich die meisten dort schon längst nichts mehr. 

Zu den Grundstückspreisen hat Gugger gegenüber der Süddeutschen Zeitung klare, harte Worte gefunden: Dass man verlangen könne, was man wolle, nur weil Boden sich nicht vermehren lässt, sei „an der Grenze des Kriminellen“.

Mit seiner Schenkung will er auch ein Zeichen gegen diesen Trend setzen. Auf dem Grundstück sollen 25 Wohnungen entstehen, die dauerhaft bezahlbar bleiben – für Familien, Studierende, Pflegekräfte des nahen Klinikums. Weiterverkaufen darf die Stiftung sie nicht. Damit ist das Areal dem Immobilienmarkt für immer entzogen.

Auch die Eltern hatten eine soziale Ader

Gebaut haben das Haus die Eltern von Otto Gugger im Jahr 1934. Sein Vater war der erste Arzt in Hadern, das damals noch ein Dorf am Stadtrand von München war. Die Praxis war im Haus. Und immer wieder nahmen die Eltern Leute auf, die es gerade schwer hatten, für Tage, manchmal Wochen. Diese Haltung hat sich auch der Sohn zu eigen gemacht.

Sein Leben lang hat Otto Gugger in dem Haus gewohnt, unterbrochen nur von zwei Jahren in den USA in den 1960ern – dort lernte er, wie die Süddeutsche berichtet, in Florida Condominiums kennen: Wohnanlagen, in denen man Pool und Gemeinschaftsraum teilt.

Auswandern wollte er eigentlich. Er kam zurück, weil seine verwitwete Mutter Haus und Garten nicht mehr allein schaffte. Den Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen holt er sich nun nach München.

Haus verschenkt, Wohnrecht behalten

Mit seiner älteren Schwester – beide sind kinderlos – hat Otto Gugger jahrelang beraten, was aus dem Anwesen werden soll. Über einen Bekannten kam der Kontakt zur Stiftung. Vertraglich zugesichert ist: Beide dürfen bis an ihr Lebensende hier wohnen bleiben.

Fertig sein sollen die neuen Wohnungen bis 2028, gebaut am liebsten rings um das alte Haus herum. Dach und Fassade hat Gugger vor der Übergabe noch erneuern lassen. Er wollte seinen Anteil zum Erhalt des Hauses tun. Denn der Vertrag erlaubt einen Abriss, falls sich die Sanierung nicht rechnet.

Im August stellen drei Architekturbüros ihre Entwürfe vor. Gugger, der ja selbst Architekt ist, hat da längst eine eigene Vorstellung: Das Grundstück soll sich zur Straße hin öffnen.

Münchner vermachten der Stiftung ihren Besitz

Daheim im Viertel wurde 2021 von der GIMA München gegründet, einem Zusammenschluss von Wohnungsgenossenschaften und sozial orientierten Wohnungsunternehmen. Wer sein Haus überträgt, kann sicher sein: Die Stiftung behält es. Verkaufen darf sie nicht, vermietet wird zu Preisen, die sich Normalverdiener leisten können.

Weil die Stiftung gemeinnützig ist, fällt keine Schenkungs- und Erbschaftssteuer an. Dutzende Eigentümer hat das schon überzeugt – eine Münchnerin vermachte ihr Elternhaus, ein anderer übertrug sein Mietshaus, um seine Mieter zu schützen, eine Frau schenkte ihre Wohnung und blieb mit lebenslangem Wohnrecht darin.

Im Garten von Otto Gugger sollen alle zusammenkommen

Otto Gugger freut der Gedanke, dass auf seinem Grundstück Familien mit Kindern wohnen werden. Gerne auch mit Inklusionsbedarf, wie er der Augsburger Allgemeinen sagte. Er vertraue darauf, „dass die Leute von der Stiftung ein Gefühl dafür entwickeln, wer hier gut herpasst“.

Vor seinem inneren Auge sieht er „eine kleine Oase“ – einen Ort, an dem nicht nur die Menschen aus dem Wohnprojekt, sondern auch die Nachbarn gerne zusammenkommen. Er hofft, dass sie in dem schönen Garten beisammensitzen und dann „ihre Geschichten erzählen“.

Liebe Leserinnen und Leser, was sagen Sie zu dem Münchner, der Haus und Grund an eine Stiftung schenkt? Ihre Meinung interessiert uns. Bitte schreiben Sie uns an leser-bk@berlinerverlag.com