Augenzeugen schildern den Wahnsinn

„Plötzlich rannten die Leute los“: So erlebten Anwohner das Todes-Unwetter

Das verheerende Gewitter in Rathen kam innerhalb weniger Minuten. Augenzeugen berichten von Panik, umstürzenden Bäumen und einer weißen Wand aus Regen und Hagel.

Author - Florian Thalmann
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Das Unwetter in Kurort Rathen hinterließ schwere Schäden. Der Imbiss am Amselsee und der dortige Bootsverleih sind komplett mit Bäumen bedeckt.
Das Unwetter in Kurort Rathen hinterließ schwere Schäden. Der Imbiss am Amselsee und der dortige Bootsverleih sind komplett mit Bäumen bedeckt.Sebastian Kahnert/dpa

Das schwere Gewitter vom Freitagabend in der Sächsischen Schweiz: Es ist eine Tragödie für den kleinen Kurort Rathen. Bei dem Unwetter im Gebiet rund um die berühmte Felsenbühne Rathen wurde ein 28 Jahre alter Mann von einem Baum erschlagen, etliche Menschen wurden verletzt. Bis in die Nacht suchten die Rettungskräfte nach Vermissten. Und das Unwetter hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Augenzeugen schildern, wie sie es erlebten, während die ersten Maßnahmen für den Wiederaufbau laufen.

Mann (28) wurde im Unwetter von einem Baum erschlagen

Am Freitagabend gegen 18 Uhr hatte das furchtbare Unwetter die Gegend rund um den Kurort Rathen heimgesucht. Am Abend sollte auf der Felsenbühne Rathen, einer der schönsten Naturbühnen Europas, eine Aufführung des Musicals „Der kleine Horrorladen“ stattfinden.

Zum Glück waren zum Zeitpunkt des Unwetters nur wenige Menschen auf dem Wanderweg in Richtung Theater unterwegs. Doch sie erwischte es umso verheerender. Ein Mann wurde von einem umstürzenden Baum so schwer verletzt, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte. Laut aktuellen Informationen gab es außerdem drei Schwerverletzte und mindestens zehn Verletzte in dem Sturm.

Auf der Felsenbühne selbst mussten die Besucher zusammen mit den Schauspielern in den Gebäuden Schutz suchen. Videos zeigen, mit welcher Wucht das Gewitter über die Gegend hereinbrach.

Noch schlimmer sind die Bilder vom Tag danach: Überall umgestürzte Bäume und Äste, am im Tal liegenden Amselsee liegt auch die dortige Wanderrast unter Stämmen und Baumkronen begraben. Die Betreiber von Imbiss und Bootsverleih haben schon am Samstag verkündet, dass sie nicht wissen, ob sie in dieser Saison wieder öffnen können.

Die Felsenbühne Rathen ist eine der schönsten Naturbühnen in Europa. Nun ist der Spielbetrieb unterbrochen, im Zuschauerraum liegen abgebrochene Bäume.
Die Felsenbühne Rathen ist eine der schönsten Naturbühnen in Europa. Nun ist der Spielbetrieb unterbrochen, im Zuschauerraum liegen abgebrochene Bäume.Sebastian Kahnert/dpa

Das Unwetter brach ganz plötzlich los

Aber: Was war das für ein Höllengewitter, das hier entlangfegte? In der Sächsischen Zeitung berichten Augenzeugen, wie schnell aus ein paar Regentropfen eine Katastrophe wurde. „Das war extrem“, sagte ein Anwohner dem Blatt. Sturm, Regen und Hagel habe es gegeben, geblitzt habe es aber kaum.

Der Inhaber eines Restaurants berichtet, es habe erst etwas getröpfelt. Er habe sich noch gefreut, weil die Natur den Regen gebraucht habe. Dann sei „das Trommeln losgegangen“. Plötzlich toste der Sturm. „Blitzschnell kam eine weiße Wand, und die Leute rannten.“

Rettungskräfte der Feuerwehr und der Bergwacht kümmerten sich nach dem verheerenden Unwetter um die Verletzten. Ein Mann kam bei dem Sturm ums Leben, er wurde von einem umstürzenden Baum getroffen.
Rettungskräfte der Feuerwehr und der Bergwacht kümmerten sich nach dem verheerenden Unwetter um die Verletzten. Ein Mann kam bei dem Sturm ums Leben, er wurde von einem umstürzenden Baum getroffen.Jonas Schubert/xcitepress/dpa

Es wird lange dauern, bis nach dem Sturm alles wieder beräumt ist. Besonders schwer erwischt hat es die schon erwähnte Wanderrast und den Bootsverleih am Amselsee. Hier läuft inzwischen eine Spendenkampagne, die den Wirten helfen soll. „Am Nachmittag war der Amselsee noch voller Leben“, heißt es auf der Seite der Kampagne bei GoFundMe. „Familien ruderten über das Wasser, Besucher genossen die Natur, und niemand hätte sich vorstellen können, dass nur wenige Stunden später kaum noch etwas davon übrig sein würde.“

Gewitterfolgen sind eine Katastrophe für den Ort

Die Folgen sind eine Katastrophe. „Der See ist nahezu vollständig mit Baumstämmen bedeckt, unsere Boote wurden von den herabstürzenden Bäumen zerdrückt und unsere Hütte ist so schwer beschädigt, dass sie nach aktuellem Stand vermutlich komplett abgerissen und neu aufgebaut werden muss.“ Über viele Jahre habe man hier mit Herzblut etwas aufgebaut, das innerhalb von Minuten zerstört wurde.

„Besonders schwer trifft uns, dass diese Katastrophe mitten in unserer Hauptsaison passiert ist. Nach aktuellem Stand werden wir den Bootsverleih in diesem Jahr nicht mehr öffnen können.“ Um den Wirtsleuten zu helfen, wurden bereits rund 180.000 Euro gesammelt – und es gehen beinahe im Minutentakt neue Spenden ein.

Unklar ist derzeit auch, wann der Spielbetrieb auf der berühmten Felsenbühne Rathen wieder aufgenommen werden kann. Laut dem Bericht der SZ sind Bäume in die Zuschauerränge gestürzt. Ein Beleuchtungsturm sei beschädigt worden und alles sei mit einer zehn Zentimeter dicken Sandschicht bedeckt. Bevor hier wieder Musicals und Theaterstücke laufen können, muss vermutlich auch das umliegende Waldgebiet untersucht und gesichert werden, damit nicht angeknackste Bäume plötzlich umstürzen. Die Landesbühnen Sachsen wollen zeitnah darüber informieren, wann es hier weitergehen kann.