Menschen heimlich gefilmt

Angst vor „Perversling-Brillen“: Diese App soll Smart Glasses erkennen

Smart Glasses sorgen immer häufiger für Diskussionen. Eine neue App soll Nutzer künftig warnen, wenn sich Kamerabrillen in der Nähe befinden.

Author - Florian Thalmann
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Smart Glasses, abwertend auch als „Perversling-Brillen“ bezeichnet, lassen sich immer schwerer erkennen. Deshalb wird es leichter, mit den Geräten heimlich Menschen zu filmen. (Symbolfoto)
Smart Glasses, abwertend auch als „Perversling-Brillen“ bezeichnet, lassen sich immer schwerer erkennen. Deshalb wird es leichter, mit den Geräten heimlich Menschen zu filmen. (Symbolfoto)Renate Feil/M.i.S./imago

Haben Sie schon einmal etwas von sogenannten Perversling-Brillen gehört? Nein? Dann können Sie jetzt etwas lernen: Diese spöttische Bezeichnung hat sich im englischsprachigen Raum für Smart Glasses etabliert – also Brillen voller Technik, mit denen man seine Umgebung filmen kann. Denn sie werden immer wieder genutzt, um andere Menschen ohne deren Erlaubnis zu filmen. Doch damit soll nun Schluss sein: Laut Berichten entwickelt sich eine App, die uns vor diesen „Perversling-Brillen“ schützen soll, gerade zum Trend.

„Perversling-Brillen“: Das steckt hinter der Bezeichnung

Das Problem an den Brillen: Oftmals kann man nicht mehr erkennen, dass es sich um eine solche Brille handelt – denn die Geräte werden wie in allen Bereichen der Technik immer besser. Außerdem versuchen viele Nutzer, die Brillen so zu verwenden, dass man gar nicht erkennen kann, dass überhaupt gefilmt wird. So gibt es beispielsweise Modelle, bei denen ein Licht leuchtet, wenn mit der Brille etwas aufgenommen wird. Doch die „Perversling-Brillen“ lassen sich leicht manipulieren. Die entsprechende Leuchte wird abgeklebt oder übermalt.

Manche Hersteller haben damit bereits gerechnet. So gibt es bei der Ray-Ban von Meta eine Funktion, die die Aufnahme verhindert, wenn das Licht überklebt wird. Sie hat mehrere Lichtsensoren an der Kamera und an der eingebauten Aufnahmeleuchte. Wird einer der Sensoren überklebt, funktioniert die Aufnahme nicht mehr.

Allerdings gibt es Videos, in denen gezeigt wird, wie einfach man den Schutzmechanismus umgehen kann: Werden beim Start der Aufnahme alle Sensoren zugehalten, denkt die Kamera, dass es dunkel ist – und filmt. Wer mit den Geräten Unfug machen möchte, findet also Wege.

Vor Jahren noch Zukunftsmusik, heute schon im Laden: In den Smart Glasses verstecken sich kleine Kameras. Nicht jede smarte Brille wird aber natürlich zur „Perversling-Brille“.
Vor Jahren noch Zukunftsmusik, heute schon im Laden: In den Smart Glasses verstecken sich kleine Kameras. Nicht jede smarte Brille wird aber natürlich zur „Perversling-Brille“.Renate Feil/M.i.S./imago

Berichten zufolge werden die Brillen immer wieder eingesetzt, um Menschen ohne ihr Einverständnis zu filmen. So gibt es beispielsweise Videos, die Flirtversuche von Männern zeigen, wobei die Reaktionen der Frauen aufgenommen werden.

Und es gibt noch viele weitere unschöne Anwendungsgebiete: Diesen Sommer wurde bereits darüber diskutiert, ob es ein Verbot der Smart Glasses in Freibädern braucht. Denn mit den „Perversling-Brillen“ werden auch hier Fremde gefilmt. Und laut Berichten gibt es auf Pornoseiten Videoclips, bei denen nicht klar ist, ob diese mit dem Einverständnis der gefilmten Person oder heimlich angefertigt wurden.

Neue App soll gegen „Perversling-Brillen“ helfen

Doch nun soll es eine App dagegen geben: Das Programm „AntiZuck Smart Glasses Scanner“ ist im amerikanischen App Store für iPhones bereits unter den Top 3 der Apps angekommen. Die App erkennt Bluetooth-Signale in der Umgebung und soll in der Lage sein, verschiedene Brillenmodelle anzuzeigen – darunter Meta Ray-Ban, Snap Spectacles, Amazon Echo Frames und die RayNeo Glasses.

Wenn sie eines der Geräte entdeckt, wird automatisch eine Warnung an den Nutzer verschickt. Allerdings kann die App laut den Berichten nicht erkennen, ob die jeweilige Brille gerade filmt. Dafür kann der Nutzer bekannte Geräte speichern, damit nicht immer ein Alarm kommt, weil der Nachbar eine solche Brille verwendet. Die App kostet 2,99 Euro.

Die Brillen sorgen immer wieder für Diskussionen – denn es gab auch diesen Sommer schon mehrere Vorfälle, bei denen Menschen in Schwimmbädern etwa heimlich gefilmt wurden. Erkennbar sind die Nutzer solcher Brillen unter anderem auch daran, dass sie sich an den Bügel der Brille tippen oder heimlich Befehle wie „Hey, Meta“ murmeln, mit denen manche der Geräte gesteuert werden.

Grundsätzlich ist das Filmen in der Öffentlichkeit übrigens nicht verboten. Prekär wird es aber, wenn Menschen erkennbar und ohne ihre Zustimmung ins Bild geraten – und wenn Aufnahmen in besonders geschützten Räumen, etwa in Umkleidekabinen und Toiletten, angefertigt werden. In der Sauna ist die rechtliche Lage schwieriger.