Besonders heiß auf St. Pauli

Vom Feind zum Vorbild: Ex-Unioner Toni Leistner staunt über Hertha-Fans

Der Abwehrchef der Blau-Weißen hatte auf die Frage nach seiner Vergangenheit nur gewartet ...

Author - Sebastian Schmitt
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Selbst in Rot mittlerweile ein beliebter Blau-Weißer: Hertha-Kapitän Toni Leistner (r.). 
Selbst in Rot mittlerweile ein beliebter Blau-Weißer: Hertha-Kapitän Toni Leistner (r.). Jan Huebner/imago

Toni Leistner hat in seiner Karriere schon so einiges erlebt. Seine Vergangenheit lässt ihn auch bei Hertha BSC nicht los. Zum einen, weil er als Ex-HSVler besonders heiß auf das Duell gegen den FC St. Pauli (Sonnabend, 20.30 Uhr) ist. Andererseits, weil er sich als Ex-Unioner in kürzester Zeit in die Herzen der Herthaner gespielt hat. Darüber staunt jedoch auch Leistner selbst. 

Locker, offen, ehrlich. Keine Show, keine Floskeln. Der 33 Jahre alte Dresdner punktet nicht nur mit seiner kompromisslosen Spielweise, sondern auch mit seiner Art. Entsprechend cool pariert der Verteidiger auch die Frage nach seinem kometenhaften Aufstieg zum Abwehrchef und Kapitän bei Hertha BSC – trotz seiner eisernen Vergangenheit und teils heftigen Anfeindungen nach seinem Wechsel. 

„Die Frage musste ja kommen“, schmunzelt Leistner und erklärt: „Mir war von Anfang an klar, dass von den Fans irgendwas kommen wird.“

Toni Leistner staunt über die Fans von Hertha BSC

Zur Erinnerung: Leistner spielte von 2014 bis 2018 für den 1. FC Union, bezeichnete damals Berlin als „Rot-Weiß“. Entsprechend groß war die Ablehnung einiger blau-weißer Ultras, die Leistner mit einem aufgehängten Banner vor dem Trainingsgelände beleidigten und nicht als Hertha-Spieler akzeptieren wollten. 

Nicht mal drei Monate ist das her. Gefühlt sind es jedoch bereits Jahre. Leistner versprach, seine Kritiker mit Leistung zu überzeugen – und hielt Wort. 

Herthas Cheftrainer Pal Dardai (47) schätzt Toni Leistner (33) sehr, machte den Ex-Unioner zum Abwehrchef und Kapitän. 
Herthas Cheftrainer Pal Dardai (47) schätzt Toni Leistner (33) sehr, machte den Ex-Unioner zum Abwehrchef und Kapitän. Nordphoto/imago

Leistner ist mittlerweile Hertha-Kapitän und wird von vielen Fans für seine Leistungen, vor allem für seinen unermüdlichen Einsatz gefeiert. Darüber staunt er selbst: „Mir war nicht klar, dass es so schnell geht, dass die Fans mir meine Vergangenheit, ich sag mal: ,verzeihen‘.“

Hertha-Kapitän Toni Leistner besonders heiß auf St. Pauli

Leistner verspricht, sich nicht auf den Lobeshymnen auszuruhen: „Es zählt nur, was auf dem grünen Platz passiert, und da kann ich immer nur Vollgas geben. Ich glaube, wenn ich Halbgas spiele, dann mach ich meine schlechtesten Spiele. Deswegen will ich einfach nur vorangehen und den jungen Spielern helfen, um so viele Punkte wie möglich einzufahren.“

Das gelingt von Woche zu Woche besser. Zuletzt fuhr Hertha zwei Siege in Folge ein. Gegen den ungeschlagenen Tabellenzweiten St. Pauli ist Leistner besonders heiß auf den dritten Streich: „Natürlich, mit meiner HSV-Vergangenheit (2020–2021, Anm. d. Red.) bin ich extra motiviert und freue mich, mich mit so einer starken Mannschaft wie St. Pauli messen zu können. Ich möchte mit meinem Team als Sieger vom Platz gehen. Dafür haben wir uns diese Woche gut vorbereitet.“

Toni Leistner schwärmt von Hertha-Stimmung im Olympiastadion

Neben der Tatsache, dass sich Herthas Mannschaft nach dem krassen Umbruch nach dem Abstieg immer besser findet („Der Teamspirit ist extrem gut. Das wollen wir beibehalten.“), setzt Leistner gegen St. Pauli auch auf die Hertha-Fans.

Wie sehr Leistner im Westen der Stadt angekommen ist, unterstreicht er, indem er über die Stimmung im Olympiastadion schwärmt: „Es gibt nicht viele Stadien, in die 60.000 Zuschauer und mehr passen. Das pusht uns als Mannschaft extrem.“