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Vegetarier leben gesünder – stimmt das? Fünf Ernährungs-Mythen im Check

Seit Jahren ist Vegetarismus ein Aufregerthema in Deutschland. Aber wie gesund ist es eigentlich, sich vegetarisch zu ernähren? Und schützt das wirklich Tiere und Umwelt?

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Wichtigste Gründe dafür, sich vegetarisch zu ernähren, sind einer Umfrage zufolge der Umweltschutz, das Tierwohl und die eigene Gesundheit.
Wichtigste Gründe dafür, sich vegetarisch zu ernähren, sind einer Umfrage zufolge der Umweltschutz, das Tierwohl und die eigene Gesundheit.Silas Stein/dpa

Für die einen ist es ein bewusster Lebensstil: vegetarische Ernährung! Andere können sich unter keinen Umständen vorstellen, auf ihr geliebtes Fleisch zu verzichten. Und wieder andere könnten sich vorstellen, es zumindest mal zu versuchen, auf Steak und Wurst zu verzichten. Für alle Unentschlossenen hier ein paar Tipps rund um vegetarische Ernährung – und ein paar Mythen auf dem Prüfstand.

Mythos 1: Vegetarische Ernährung ist besser für Klima und Tiere.

„Es ist tatsächlich so, dass vegetarische Ernährung besser ist für das Klima und auch für viele andere Umweltkategorien, wie zum Beispiel die Nitratbelastung in Gewässern“, erklärt Hyewon Seo vom Umweltbundesamt (UBA). Es gibt sogar konkrete Zahlen. Demnach könnte man „den Klimafußabdruck unserer Ernährung durch rein vegetarischen Lebensmittelkonsum um 47 Prozent reduzieren“, erklärt Elisa Kollenda, Referentin für Nachhaltige Ernährung beim World Wildlife Fund (WWF).

Das Problem bei tierischen Erzeugnissen: Allein die derzeit rund 33 Milliarden Hühner, 1,6 Milliarden Rinder und jeweils knapp eine Milliarde Schweine und Schafe, die zur Nahrungsgewinnung gehalten werden, benötigen riesige Flächen und Futtermengen, wodurch Klima und Umwelt nachhaltig geschädigt werden. Speziell Wiederkäuer erzeugen zudem auch Methan, das die Erderwärmung beschleunigt.

Bewertung: Stimmt!

Mythos 2: Fleischersatzprodukte schaden dem Planeten genauso.

Diese Aussage ist so nicht haltbar. Es stimmt zwar, dass Millionen Hektar einmaliger Lebensräume durch den Sojaanbau in den letzten Jahren vernichtet worden sind, wie der WWF angibt. Allerdings essen nicht nur Vegetarier Soja. 70 Prozent des weltweit angebauten Sojas gehen demnach auf den Fleischverzehr zurück, weil das Soja anstatt für den direkten menschlichen Verzehr für Tierfutter eingesetzt wird.

Bewertung: Irreführend!

Mythos 3: Vegetarische Ernährung schützt Tiere.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2022 in Deutschland mehr als 750 Millionen Nutztiere für die Lebensmittelproduktion geschlachtet – darunter Schweine, Rinder, Schafe, Hühner und Puten. Das sind mehr als zwei Millionen pro Tag. Zwar ging die Fleischproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 8,1 Prozent zurück.

Aber dennoch: Die vegetarische Ernährung sei „bereits ein erster wichtiger Schritt für mehr Tierschutz“, sagt Lea Schmitz vom Tierschutzbund. Zwar wurden die Haltungsbedingungen in den letzten Jahren verbessert. Aber: „In ihrer beengten Umgebung haben sie weder ausreichend Platz oder Rückzugsmöglichkeiten noch können sie ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben. All das führt zu Krankheiten, Stress, Frustrationen und Verhaltensstörungen“, so Schmitz weiter.

Doch die Tierschützerin geht noch weiter: „Leider verursachen aber auch die Milch- und Ei-Produktion großes Tierleid. Zum Beispiel müssen Milchkühe und Legehennen in der Regel ebenfalls in jungen Jahren sterben, sobald sie keine Höchstleistungen mehr erbringen.“ Konsequent wäre es in dieser Hinsicht also nur, vegan zu leben, sodass auch auf tierische Produkte wie Eier, Käse oder Honig verzichtet wird.

Bewertung: Stimmt nur zum Teil.

Auch vegane oder vegetarische Aufstriche sind leicht und lecker.
Auch vegane oder vegetarische Aufstriche sind leicht und lecker.imago/Roman Möbius

Mythos 4: Vegetarische Ernährung ist gesünder und hilft beim Abnehmen.

Den Verbraucherzentralen zufolge hat eine vegetarische Ernährung „nachweislich gesundheitliche Vorteile“. Es heißt: „Wer auf Fleisch verzichtet und sich vielfältig und abwechslungsreich ernährt, ist gut versorgt mit allen wichtigen Nährstoffen.“ Wichtig sei es aber, Milchprodukte zu konsumieren.

Doch nicht das Fleisch als solches ist grundsätzlich ein Problem – sondern die Menge. Empfohlen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind 300 bis 600 Gramm pro Woche. Deutsche verzehren aber im Durchschnitt eher rund ein Kilo Fleisch.

Fakt ist auch: Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft verarbeitetes Fleisch als „krebserregend“ und unverarbeitetes rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Und auch beim Thema Körpergewicht leben Vegetarier gesünder. Einer Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften aus dem Jahr 2020 zufolge haben Menschen durchschnittlich einen geringeren Body-Mass-Index, wenn sie weniger tierische Produkte zu sich nehmen.

Bewertung: Grundsätzlich richtig.

Mythos 5: Vegetarisch ernährte Kinder können sich nicht gesund entwickeln.

„Eine gut zusammengesetzte, gemischt vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milchprodukten und Eiern kann gesundes kindliches Wachstum und Entwicklung auch ohne Fleischverzehr ermöglichen“, sagt Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Es bestehe jedoch ein „etwas höheres Risiko für eine nicht optimale Versorgung mit einigen Nährstoffen wie Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3 DHA.“ DHA steht für Docosahexaensäure, eine Omega-3-Fettsäure. Deshalb können für Kinder, die sich vegetarisch ernähren, Nahrungsergänzungsmittel in Betracht kommen.

Auch WWF-Referentin Kollenda ist überzeugt: „Eine vegetarische Ernährung, die abwechslungsreich ist und außerdem pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte und Nüsse und tierisches Protein aus Milchprodukten enthält, ist auch für Kinder und Jugendliche geeignet.“

Bewertung: Falsch!