Forscher finden DAS heraus

Studie enthüllt: Wer in diesem Alter in Rente geht, stirbt früher

Ein Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommt nach 40 Versicherungsjahren 1370 Euro Rente im Monat. Das reicht aber vielen zum Leben nicht. 

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Länger arbeiten? Das könnte unter bestimmten Umständen die Lebenszeit verkürzen, sagen Forscher.
Länger arbeiten? Das könnte unter bestimmten Umständen die Lebenszeit verkürzen, sagen Forscher.Sebastian Kahnert/dpa

Arbeiten bis 67? Für die meisten Menschen unvorstellbar. Viele träumen davon, schon eher in Rente zu gehen, wollen aber auch den Ruhestand ohne finanzielle Sorgen genießen. Doch nicht alle können es. Laut Bundesarbeitsministerium bekommt ein Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach 40 Versicherungsjahren bundesweit im Durchschnitt 1370 Euro Rente im Monat. Das reicht vielen zum Leben aber nicht. Daher entscheidet sich der eine oder andere, die Rente nach hinten zu verschieben. Aber das ist laut einer neuen Studie keine gute Idee: Wer später in Rente geht, lebt potenziell kürzer.

Arbeiten über das Rentenalter hinaus kann möglicherweise tödlich enden. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Studie von Forscherinnen und Forschern aus Deutschland und Spanien.

Das Team um Cristina Bellès-Obrero, Sergi Jiménez-Martìn und Han Ye von den Universitäten Mannheim und Barcelona hat die Sozialversicherungsdaten vor und nach der Rentenreform von 1967 in Spanien analysiert. Im Zuge dieser Reform wurde damals das Renteneintrittsalter für Spanierinnen und Spanier von 60 auf 65 Jahre angehoben, beginnend ab dem 1. Januar 1967.

Als die Forscher die Daten analysierten, fanden sie Folgendes heraus: Hatte eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer den Renteneintritt um ein Jahr nach hinten verschoben, war das Risiko, zwischen 60 und 69 Jahren zu sterben, um 4,2 Prozentpunkte höher als bei einem regulären Renteneintritt.

Nach einem langen Berufsleben steht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die <a href="https://www.mainpost.de/ueberregional/rente/rente-das-muessen-sie-zur-ihrer-rente-wissen-art-11168636">Rente</a> vor der Tür.
Nach einem langen Berufsleben steht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Rente vor der Tür.Marijan Murat/dpa

Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen sind stärker gefährdet

Doch nicht nur ein späterer Renteneintritt kann die Lebenserwartung mindern. Eine wichtige Rolle spielte auch, wie körperlich anstrengend die Arbeitsbedingungen in den letzten Beschäftigungsjahren waren. Dazu schreiben die Studien-Autoren: „Merkmale wie die körperliche und psychosoziale Belastung, der Selbstwert bei der Arbeit und das Qualifikationsniveau haben jeweils einen Einfluss.“

Menschen, die in den letzten Arbeitsjahren schwer körperlich arbeiteten oder hohem psychischen Druck ausgesetzt waren, erwartete ein verfrühter Tod. „Die Ergebnisse lassen erkennen, dass der Verlust des Rechts auf Frühverrentung zum früheren Tod von Personen führen kann, die in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten und zudem hohen psychosozialen Belastungen ausgesetzt sind“, heißt es in der Studie weiter.

Anerkennung auf der Arbeit kann Gesundheit fördern

Wer also zufrieden in seinem Job ist und dazu noch ein hohes Maß an Anerkennung erfährt, konnte sein Sterberisiko deutlich verringern. Denn das Arbeitsumfeld kann die Gesundheit deutlich fördern. So schreiben die Wissenschaftler: „Für Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz Erfolgserlebnisse und Anerkennung spüren, hat ein späterer Renteneintritt häufig keine negativen Auswirkungen auf die Sterblichkeit.“

Auswirkung auf unser Rentensystem

Was bedeutet diese Studie also nun für Menschen, die kurz vor dem Eintritt in die Rente stehen? Für die Forschungsgruppe gibt es keine „Pauschallösung“. So heißt es: „Wir stellen fest, dass eine Politik, die den Zugang zum Vorruhestand generell abschafft, die sozioökonomischen Ungleichheiten bei der Lebenserwartung verschärfen kann. Unsere Ergebnisse zeigen zudem, dass die Spanierinnen und Spanier sich nicht in vollem Umfang an die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters hielten. Vor der Beantragung einer regulären Rente nutzten sie andere Wege, um den Arbeitsmarkt zu verlassen, indem sie beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Teilrente beantragten.“

Aus diesem Grund plädiert das Forscherteam für flexible Rentenregelungen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel die Teilrente.