Trumpf auf den Weltmeeren

27 Jahre außer Dienst: Das größte Kampfschiff der Welt – jetzt kehrt Putins Mega-Kreuzer zurück

Testfahrten laufen: Nach Milliarden-Umbau kehrt die „Admiral Nakhimov“ zurück. Putins größtes Kriegsschiff bald wieder für Russlands Marine im Einsatz.

Author - Stefan Henseke
Teilen
In den letzten Monaten tauchte die „Admiral Nakhimov“ immer wieder auf und wurde bei den Probefahrten fotografiert.
In den letzten Monaten tauchte die „Admiral Nakhimov“ immer wieder auf und wurde bei den Probefahrten fotografiert.VK.com

Russlands Marine steht offenbar kurz vor der Rückkehr eines ihrer prestigeträchtigsten Kriegsschiffe. Der atomgetriebene Schlachtkreuzer „Admiral Nakhimov“ ist Putins Mega-Kreuzer. Das 251 Meter lange Schiff, nach jahrelanger Modernisierung mit neuen Waffen und modernster Technik ausgestattet, hat eine weitere Phase seiner Seeerprobungen abgeschlossen und ist in den Hafen von Sewerodwinsk zurückgekehrt. Damit rückt die Wiederindienststellung eines Schiffs nach 27 Jahren außer Dienst näher, das als das größte, teuerste und am stärksten bewaffnete Überwasserkampfschiff der Welt gilt.

„Admiral Nakhimov“: Der Supertrumpf im Quartettspiel

In einem Quartettkartenspiel „Kriegsschiffe“ wäre die „Admiral Nakhimov“ der Supertrumpf. Länge: 251,5 Meter, Breite: 28,5 Meter, Verdrängung: bis zu 28.000 Tonnen, Reichweite unbegrenzt, Geschwindigkeit: 32 Knoten (ca. 56 km/h), Besatzung: ca. 710 Offiziere und Matrosen. Dazu kommen Hangar und Landedeck für bis zu drei Hubschrauber, 80 universelle Senkrechtstartanlagen für Marschflugkörper, Torpedorohre zur U-Boot-Abwehr, Zirkon-Hyperschallraketen, Flak und 96 VLS-Zellen für das S-400-Luftverteidigungssystem.

Größtes Kriegsschiff der Welt vor der Rückkehr

Die „Admiral Nakhimov“ gehört zur sowjetischen Kirov-Klasse und ist ein Gigant der Meere. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird der Kreuzer umfassend modernisiert. Die Arbeiten gingen dabei weit über eine gewöhnliche Überholung hinaus. Russische Militärexperten sprechen inzwischen eher von einem nahezu neu aufgebauten Kriegsschiff als von einer einfachen Modernisierung.

Bei den jüngsten Tests auf See wurden zahlreiche Systeme überprüft. Dazu zählen neue Sensoren, Kommunikationstechnik, modernisierte Antriebskomponenten sowie die umfangreich erneuerte Bewaffnung. Nach der Rückkehr in den Hafen sollen nun Ingenieure und Marineexperten die gewonnenen Daten auswerten, bevor weitere Testfahrten folgen.

Warum die „Admiral Nakhimov“ praktisch neu gebaut wurde

Das Sanierungsprogramm der „Admiral Nakhimov“ gilt als eines der ambitioniertesten Rüstungsprojekte Russlands. Große Teile der ursprünglichen Bordtechnik wurden ausgebaut und durch moderne Systeme ersetzt. Auch die Energieversorgung, die interne Infrastruktur und die Führungs- und Waffensysteme wurden vollständig erneuert.

Der enorme Umfang der Arbeiten führte allerdings immer wieder zu Verzögerungen. Technische Herausforderungen, steigende Kosten und der Komplexitätsgrad eines solch gewaltigen Kriegsschiffs sorgten dafür, dass sich die Fertigstellung deutlich länger hinzog als ursprünglich geplant.

Seweromorsk: Hier soll Putins Mega-Kreuzer stationiert werden

Inzwischen scheint das Projekt jedoch auf der Zielgeraden zu sein. Berichten zufolge stehen die Probefahrten kurz vor dem Abschluss. Nach Jahrzehnten außerhalb des regulären Dienstbetriebs könnte die „Admiral Nakhimov“ schon bald wieder ein fester Bestandteil der russischen Nordflotte werden.

Das Schiff wurde schon 1988 in Dienst gestellt und hieß bis 1992 „Kalinin“ (Foto). In den vergangenen Jahren wurde es für mehrere Milliarden Euro umgebaut.
Das Schiff wurde schon 1988 in Dienst gestellt und hieß bis 1992 „Kalinin“ (Foto). In den vergangenen Jahren wurde es für mehrere Milliarden Euro umgebaut.Wikimedia Commons

Künftig soll der Kreuzer in Seweromorsk stationiert werden. Der Hafen auf der russischen Kola-Halbinsel ist Hauptquartier der Nordflotte und zählt zu den wichtigsten Marinebasen des Landes. Besonders wertvoll ist der Standort wegen seines ganzjährig eisfreien Zugangs zum Meer.

Dort sind bereits zahlreiche atomgetriebene U-Boote stationiert, darunter jene Einheiten, die zum strategischen Nukleararsenal Russlands gehören. Experten gehen davon aus, dass die modernisierte „Admiral Nakhimov“ künftig eine wichtige Rolle beim Schutz dieser U-Boot-Flotte übernehmen soll.

28.000 Tonnen Verdrängung: Ein Gigant auf den Weltmeeren

Beeindruckend sind vor allem die Dimensionen des Kriegsschiffs. Mit einer Verdrängung von rund 28.000 Tonnen ist die „Admiral Nakhimov“ größer als manche Flugzeugträger und etwa dreimal so schwer wie moderne Großzerstörer westlicher Marinen.

Hinzu kommt eine Besonderheit, die weltweit nahezu einzigartig ist: Der Kreuzer verfügt über einen Kernantrieb. Dadurch besitzt das Schiff theoretisch eine nahezu unbegrenzte Reichweite und kann über lange Zeiträume hohe Geschwindigkeiten halten, ohne auf regelmäßige Tankstopps angewiesen zu sein.

Russlands Marine setzt auf ein Symbol der Seemacht

Während viele Kriegsschiffe bei hoher Fahrt enorme Mengen Treibstoff verbrauchen, kann die „Admiral Nakhimov“ nach Angaben russischer Experten dauerhaft Geschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten erreichen. Das entspricht rund 56 Kilometern pro Stunde.

Der russische Präsident Wladimir Putin setzt auf Kampfkraft auf dem Wasser. Hier besichtigt er Kriegsschiffe vor der großen Marine-Parade zum Tag der russischen Marine im Finnischen Meerbusen in St. Petersburg.
Der russische Präsident Wladimir Putin setzt auf Kampfkraft auf dem Wasser. Hier besichtigt er Kriegsschiffe vor der großen Marine-Parade zum Tag der russischen Marine im Finnischen Meerbusen in St. Petersburg.Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Besonders aufgerüstet wurde die Bewaffnung. Ältere Waffensysteme wurden entfernt und durch moderne vertikale Startanlagen ersetzt. Diese ermöglichen den Einsatz verschiedener Lenkwaffentypen gegen See-, Luft- und Landziele.

Auch finanziell bewegt sich das Projekt in außergewöhnlichen Dimensionen. Während die Modernisierung 2012 noch auf umgerechnet rund 1,24 Milliarden Euro geschätzt wurde, gingen Fachmedien zuletzt von Gesamtkosten von bis zu fünf Milliarden US-Dollar aus.