Nach viel Hohn und Spott

Dardai gegen Internet-Rowdys: Papa Pal ist für Hertha-Youngster Scherhant da

Herthas Cheftrainer stärkte dem Stürmer nach seinem kuriosen Fehlschuss in Kiel den Rücken. 

Author - Sebastian Schmitt
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Für Hertha-Trainer Pal Dardai (2. v. l.) war klar, dass er Derry Scherhant (M.) nach seinem Fehlschuss in Kiel gegen den FC St. Pauli bringen muss. 
Für Hertha-Trainer Pal Dardai (2. v. l.) war klar, dass er Derry Scherhant (M.) nach seinem Fehlschuss in Kiel gegen den FC St. Pauli bringen muss. Andreas Gora/dpa

Dieses Tor war sooo wichtig! Klar, der Treffer von Derry Scherhant (20) leitete eine Aufholjagd ein, für die sich Hertha beim 1:2 gegen den FC St. Pauli in einer dramatischen Schlussphase zwar nicht belohnte. Für den jungen Stürmer war der Moment dennoch Gold wert. Der Grund liegt eine Woche zurück.

Angenehm war das sicherlich nicht, was da zuletzt auf Scherhant einprasselte. In den sozialen Medien wurde seine Aktion 100-mal geteilt, die Videos liefen rauf und runter. Hohn und Spott waren ihm sicher, teilweise ging es aber, wie so häufig heutzutage, auch unter die Gürtellinie.

Wegen dieses Fehlschusses auf das leere Tor beim Spiel in Kiel musste Herthas Stürmer Derry Scherhant (20) viel Spott ertragen. 
Wegen dieses Fehlschusses auf das leere Tor beim Spiel in Kiel musste Herthas Stürmer Derry Scherhant (20) viel Spott ertragen. MIS/imago

Dardai weiß das. Herthas Cheftrainer: „Es gibt viele Internet-Rowdys. Auch die Mannschaft war wegen des letzten Spiels und dieser Torchance nicht ganz so nett zu ihm.“

Herthas Derry Scherhant musste nach Kiel viel einstecken

Was war passiert? Beim wilden 3:2 in Kiel in der Vorwoche hatte Scherhant das 4:2 auf dem Fuß, lief in der Nachspielzeit alleine auf das leere Tor zu und schob den Ball meterweit vorbei. Nach einem langen Sprint war dem Berliner das Leder über den Spann gerutscht. Eine Szene, die in sportlichen Rückblicken sicherlich noch oft zu sehen sein wird. 

Derry Scherhant traf für Hertha BSC gegen den FC St. Pauli zum 1:2. Balsam für die Seele des jungen Berliners. 
Derry Scherhant traf für Hertha BSC gegen den FC St. Pauli zum 1:2. Balsam für die Seele des jungen Berliners. Contrast/imago

Nun könnte man sagen, damit muss ein Profifußballer klarkommen. Doch Scherhant ist 20 Jahre jung und erst seit vergangenem Sommer bei den Profis dabei. Zum Glück gewann Hertha in Kiel, wenngleich Scherhant und Co nach der vergebenen Megachance noch zittern mussten. Ansonsten wäre aus Hohn vermutlich mal wieder schnell Hass geworden. Aber auch so hatte der Angreifer die Woche über an der Szene zu knabbern.

Dardai stärkt Hertha-Stürmer Scherhant den Rücken

Wohl dem, der einen Trainer wie Pal Dardai hat. Nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli und Scherhants Treffer erklärt der Ungar, der jahrelang Nachwuchstrainer war und dreifacher Familienvater ist: „Ich lasse nie einen jungen Spieler hängen. Deswegen war klar, dass ich Derry einwechseln muss – egal wie das Spiel läuft.“

Scherhant ließ sich von seiner harten Woche auf dem Platz nichts anmerken, wirbelte nach seiner Einwechslung (71.) und belohnte sich nur zwölf Minuten später mit seinem Treffer. Pal Dardai: „Er ist ein guter, talentierter Junge. Das war ein schönes Tor, sein erstes in der Zweiten Liga. Jetzt arbeiten wir weiter mit ihm und alles ist gut.“