Klarer Fall von denkste! Hertha BSC wollte gegen den FC St. Pauli den dritten Sieg in Folge und den Anschluss an die Spitzengruppe herstellen. Stattdessen bekommt das Team von Trainer Pal Dardai bei der 1:2-Pleite vom neuen Tabellenführer der Zweiten Liga klipp und klar die (derzeitigen) Grenzen aufgezeigt. Der Fluch des Transfermarkts hält an: Hertha leidet weiter!
Die Hoffnung war groß. Pal Dardai und seine Spieler wähnten sich bereits einen Schritt weiter. Auf den miesen Start nach dem Abstieg folgten ja zwei Erfolgserlebnisse, die die blau-weiße Brust breiter werden ließen. So breit, dass man auch dem spielstarken FC St. Pauli Paroli bieten wollte. „Wir haben Lösungen“, versprach Pal Dardai vor dem Duell – und musste danach einsehen, dass sein Team doch noch keine hatte.
Sicher, Kampfgeist und Einstellung stimmten. Herthas Profis, angepeitscht von mehr als 66.000 Zuschauern, wollten. „Von der Moral gebe ich den Jungs in der zweiten Halbzeit die Note eins“, erklärt Pal Dardai.
FC St. Pauli beeindruckt Hertha BSC
Dass der Ungar dennoch Frust schiebt, liegt vor allem an der ersten Hälfte, die komplett an Hertha vorbeilief. „Wir waren nicht da. Von unserem Plan hat man nicht viel gesehen“, ärgert sich Herthas Trainer. „Wir hatten die Chance, in der Tabelle nach vorne zu rutschen. Aber die Mannschaft war wie gelähmt und der Gegner sehr gut eingestellt. Damit kamen wir nicht klar.“

Auch Torhüter Tjark Ernst blies nach Abpfiff in den Katakomben bei der Frage nach der Stärke des Gegners die Backen auf. „Das müssen wir anerkennen. Sie haben den Ball sehr gut laufen lassen und uns das Leben dadurch schwer gemacht. St. Pauli war ein sehr guter Gegner.“
Hertha BSC leidet weiter unter dem krassen Umbruch
Warum die Kiezkicker reifer, stärker und somit besser waren, ist für Abwehrchef Toni Leistner klar: „Die spielen seit fast einem Jahr unter dem Trainer das gleiche System, die Mannschaft ist eingespielt.“
Zwei Dinge, die man über Hertha BSC bekanntlich nicht sagen kann. Vielmehr stecken der krasse Umbruch im Kader nach dem Bundesliga-Abstieg und der Fluch des lange offenen Transfermarktes, der erst am 1. September und damit kurz vor dem fünften Spieltag schloss, Hertha tiefer in den Knochen als gedacht.
Hertha-Kapitän Leistner will auf Schalke gewinnen
Kapitän Leistner erklärt: „Wenn ich morgens zum Training gekommen bin, wusste ich lange nicht, welcher Spieler noch da ist und wer dazugekommen ist. Das hat es dem Team und auch dem Trainerteam extrem schwer gemacht, konstant zu arbeiten.“
Leistner macht aber allen Hertha-Fans Hoffnung, dass das Auf und Ab bald ein Ende hat: „Wir sind als Team mittlerweile so gefestigt, dass uns so eine Niederlage nicht mehr umhauen wird. Die Saison ist ein Marathon, kein Sprint. Wir arbeiten konzentriert weiter und haben jetzt mit Schalke wieder ein schönes Spiel vor der Brust.“
Hertha-Spieler spüren die Unterstützung der Fans
Der 33 Jahre alte Dresdner, von den Fans mal wieder für seine vielen Grätschen gefeiert, weiß um die Rivalität mit dem Revierklub. „Da geht es um einiges, auch für die Fans. Da wollen wir wieder gewinnen und unseren Anhängern einen Sieg bescheren.“
Apropos Fans: Anders als so oft, stehen die bisher bedingungslos hinter der Mannschaft. Pfiffe nach der dürftigen ersten Halbzeit? Fehlanzeige. Dafür minutenlanger Applaus nach Abpfiff. Das kommt bei den Spielern an. Abwehrspieler Jeremy Dudziak: „Das Stadion war voll. Das ist ein gutes Gefühl und mit dem müssen wir nach Schalke fahren.“



