Sie spionierten die eigene Bevölkerung aus, machten vielen Menschen in der DDR das Leben schwer. Doch auch die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) brauchten Erholung von ihrer schweren Arbeit! In der Geheimpolizei der DDR gab es deshalb einen eigenen Bereich, der sich darum kümmerte, dass die Mitarbeiter der Stasi vernünftig Urlaub machen konnten – und dafür betrieb das Ministerium zahlreiche eigene Ferienheime in den beliebtesten Ecken der DDR. Wir verraten, wo die Stasi-Spione Urlaub machten.
Stasi betrieb Ferienobjekte in der gesamten DDR
Wer viel spioniert, der muss sich in seiner Freizeit auch mal richtig entspannen dürfen: Die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR konnten deshalb in verschiedenen Ferienobjekten der Stasi Urlaub machen.
Wie aus den Stasi-Unterlagen hervorgeht, gab es im gesamten Gebiet der DDR Ferienheime, die der Erholung der Geheimpolizei diente. Darum kümmerte sich laut Bundesarchiv die Abteilung Versorgungsdienste in der Verwaltung Rückwärtige Dienste. Die Mitarbeiter waren dafür zuständig, die Ferienplätze zu verteilen und die Ferienheime zu unterhalten.
Die Ferienheime lagen an allen Urlaubsorten, die auch bei den DDR-Bürgern beliebt waren. So gab es an der Ostsee beispielsweise das Ferienheim Erwin Fischer in Prerow und das Ferienheim Rosa Luxemburg in Graal-Müritz. Im Harz konnten die Mitarbeiter des MfS im Ferienheim Ernst Thälmann in Schierke Urlaub machen. Im Bezirk Halle gab es das Ferienheim Habichtstein in Alexisbad und das Ferienheim Kapellmühle in Günserode. Und auch am berühmten Rennsteig in Thüringen befand sich ein Objekt: Das Ferienheim „Am Rennsteig“ in Masserberg im Bezirk Suhl.

Hinzu kamen mehrere Objekte im Bezirk Dresden, das Zeughaus bei Ottendorf in der Sächsischen Schweiz, das Ferienobjekt „Am Lift“ in Bärenburg. Bekannt ist auch das Objekt „Am Lugstein“ in Zinnwald, das erst im vergangenen Jahr plötzlich wieder in ganz Deutschland bekannt wurde, weil hier eine Folge des Erzgebirgskrimi gedreht wurde. „In diesem Haus werden sich unsere Genossinnen und Genossen, dessen bin ich mir sicher, stets wohlfühlen und neue Kräfte schöpfen für den erfolgreichen Kampf gegen den Klassenfeind“, schrieb ein Generalmajor zu DDR-Zeiten.
- Liegenschaften „Arbeitsgruppe Baabe“ in Baabe/Rügen
- MfS-Ferienheim „Rosa Luxemburg“ in Graal-Müritz
- MfS-Ferienheim „Erwin Fischer“ in Prerow
- MfS-Ferienheim „Artur Becker“ in Kuhlmühle
- MfS-Ferienheim „Ernst Thälmann“ in Schierke
- MfS-Ferienheim „Habichtstein“ in Alexisbad
- MfS-Ferienheim „Kapellmühle“ in Günserode
- MfS-Ferienheim „Magnus Poser“ in Friedrichroda
- MfS-Ferienheim „Am Rennsteig“ in Masserberg
- MfS-Ferienheim „Katzenstein“ in Zella/Rhön
- MfS-Ferienheim „Zeughaus“ in Ottendorf
- MfS-Ferienheim „Am Lugstein“ in Zinnwald
- MfS-Ferienheim „Am Lift“ in Bärenburg
- MfS-Ferienheim „Dr. Richard Sorge“ in Oberwiesenthal
Laut Bundesarchiv konnten in den Ferienobjekten vor allem die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Urlaub machen – und natürlich auch ihre Familien mitbringen.
Aber auch die sogenannten Inoffiziellen Mitarbeiter (IMs) der Stasi und Vertreter der „sozialistischen Bruderdienste“ – also etwa Mitarbeiter des KGB – konnten hier die Ferien verbringen. Und man arbeitete ständig am Ausbau! Ein Dokument, das noch heute im Archiv schlummert, zeigt den Zuwachs an Ferienplätzen über wenige Jahre.
In Stasi-Ferienheimen in der DDR gab es 23.700 Betten
Während es im Jahr 1968 noch insgesamt rund 16.600 Betten in den Ferienunterkünften der Stasi gab, waren es vier Jahre später schon knapp 23.700! „Der hohe Bedarf an Ferienplätzen konzentriert sich insbesondere auf die Durchgänge, in denen die Schulkinder Ferien haben, vor allem aber auf die Hauptsaison Juli / August“, heißt es in dem Aktenblatt.
Weil die Ostsee besonders beliebt war, schuf man in Prerow im Jahr 1969 einen Zeltplatz, der später bis zu 180 Plätze hatte. Hintergrund des Ausbaus war auch die Tatsache, dass das MfS immer mehr Mitarbeiter einstellte – und auch immer mehr Mitarbeiter mit Familien und eben auch Kindern dazugehörten.

Klar ist heute: Für die Ferienheime der Stasi galten andere Regeln als für viele DDR-Bürger. Zum einen, weil sich die Mitarbeiter in so mancher Einrichtung über allen Luxus freuen konnten, der dafür sorgte, dass sie unter sich blieben. Beispiel Ferienheim „Am Lugstein“ in Zinnwald: hier erklärte der ehemalige Chef Jochen Löbel schon vor Jahren, wie gut die Stasi-Mitarbeiter umsorgt wurden.
Wer hier Urlaub machte, erhielt Vollverpflegung und hatte alles, was das Herz begehrte. „Frisör, Arzt, Schwimmhalle, Sauna, Kegelbahn. Sie mussten also das Gelände nicht groß verlassen“, sagte Löbel. „Um beide Heime war ein Zaun errichtet, selbst die Schneise 30 von der Wetterwarte bis zum Kahleberg wurde verlegt, um die Abgeschiedenheit nicht zu stören.“




