Die Ostsee gehört noch immer zu den beliebtesten Urlaubszielen in Deutschland – doch wer kein Auto hat, der muss bei der Anreise mit der Deutschen Bahn aus vielen Regionen in Deutschland gleich mehrfach umsteigen. Früher war das anders: Zu DDR-Zeiten gab es die sogenannten Bäderzüge, die etwa aus den Bezirken direkt nach Stralsund fuhren, von wo es Anschluss an die bekannten Ostseebäder gab. Wäre es bei der anhaltenden Begeisterung für Urlaub an der Ostsee nicht an der Zeit, die Bäderzüge zurückzubringen? Nein, sagt die Deutsche Bahn.
Zu DDR-Zeiten fuhren die Bäderzüge direkt an die Ostsee
In der Ostsee baden, die Nase auf der Seebrücke in den Wind halten oder einfach nur im Strandkorb sitzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen – das war schon zu DDR-Zeiten beliebt. Und auch heute ist die Lust auf Ostseeurlaub ungebrochen.
Schade nur, dass man aus einigen Regionen in Deutschland nicht mehr so gut hinkommt wie zu DDR-Zeiten: Damals gab es die sogenannten Bäderzüge, die für die Menschen aus der Mitte oder dem Süden der DDR eine direkte Verbindung an die Küste schufen – und die sehr gut angenommen wurden.
„Der Vorteil bestand darin, dass die Züge – ohne umzusteigen – bis an diese Ostseebäder heranfuhren“, sagte der Eisenbahnhistoriker Wolf-Dietger Machel dem MDR. Man wollte damit die Menschen vor allem aus dem Süden der DDR direkt an die Ostsee bringen. Ein Beispiel: Die Sächsische Zeitung berichtete, dass es etwa eine Direktverbindung von Zittau nach Stralsund gab, sogar über Nacht. Heute müsste man von Zittau nach Cottbus fahren, von Cottbus nach Berlin, dann von Berlin nach Rostock und von Rostock nach Stralsund.

Wer damals über Nacht fahren wollte, konnte um 20.44 Uhr in Zittau einsteigen und kam am Morgen um 5.43 Uhr in Stralsund an. Von dort ging es dann mit Anschlusszügen weiter, beispielsweise ins Ostseebad Binz. Der Bericht erinnert aber auch daran, dass es in den Zügen keine Liegewagen gab, obwohl diese über Nacht fuhren. Der Grund: Von diesen Wagen gab es zu DDR-Zeiten nicht viele – und die, die es gab, wurden im internationalen Reiseverkehr eingesetzt.
Nach der Wende ging das Interesse am Bäderzug zurück
Trotzdem: Auch mit Sitzplatz war eine Fahrt mit dem Bäderzug einfacher als heute. Und die Bahnen brachten bis zum Ende der DDR reibungslos die Urlauber an die Küste! Bis September 1990 fuhren die Züge, dann wurde der Service nach und nach eingestellt. Der Grund liegt auf der Hand: Als die Mauer fiel, stand den DDR-Bürgern plötzlich die ganze Welt offen. Weshalb sollten sie dann noch an die Ostsee fahren?

Doch heute ist die Ostsee wieder beliebt wie eh und je. Vor allem im Sommer ist es gar nicht so einfach, überhaupt ein Hotelzimmer oder eine andere Unterkunft zu bekommen. Wäre es da nicht prima, wenn es die Züge noch gäbe? Die Deutsche Bahn lehnt ab.
Der Grund: Das Reisen habe sich sehr verändert – man könne die Situation heute nicht mehr mit der DDR vergleichen. Während es damals viele gezwungenermaßen an die gleichen Orte zog, ist heute der individuelle Reiseverkehr viel wichtiger. Für Reisende werde deshalb „ein breites Angebot an Zugverbindungen auch aus Mitteldeutschland“ bereitgehalten, heißt es.
Bahn sieht keinen Bedarf für Bäderzüge zur Ostsee
So gebe es Züge von Erfurt, Halle, Magdeburg, Stendal oder Dresden – und mit denen könne man verschiedene Ziele an der Ostsee erreichen. Weitere Ostseebäder seien mit einem Umstieg in den Nahverkehr erreichbar. Es gibt die Züge also laut Deutsche Bahn, auch wenn man sie heute nicht mehr als Bäderzüge bezeichnet.
Dass es keinen weiteren Bedarf gibt, sehen manche anders: Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel von den Grünen setzt sich etwa dafür ein, den saisonalen Verkehr wie früher wieder einzuführen. Ob die Bäderzüge aus der DDR also irgendwann ihr großes Comeback erleben – und Menschen ohne Umsteigen an die Ostsee bringen?


