Noch rollt die DDR durch Berlin, vor allem im Untergrund. Gelb, kantig, mit Tempo 60 unterwegs. Es sind die U-Bahn-Züge der Baureihe „Gisela“, die letzten, die noch aus dem einstigen Arbeiter- und Bauernstaat stammen. Doch ihre Zeit läuft ab. Die BVG schiebt im Rahmen ihrer Flottenerneuerung die U-Bahn-Züge aus der DDR auf das Abstellgleis. Schon in vier Jahren soll es so weit sein.
U-Bahn aus der DDR: Berliner nannten sie „Gisela“
Die Baureihe heißt offiziell GI/1, nach dem Umbau GI/1E. Das Kürzel GI sorgte offenbar dafür, dass man die Züge im Volksmund „Gisela“ nannte. Gebaut wurden sie zwischen 1978 und 1989 im VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler in Hennigsdorf.
„Gisela“ ist die einzige Baureihe, die die DDR jemals für Berlins enges Kleinprofil konstruiert hat. Die sowjetischen Metrowagen passten schlicht nicht in die schmalen Tunnel der Ost-Berliner U-Bahn-Linie A (jetzt U2) zwischen Pankow/Vinetastraße und der damaligen Otto-Grotewohl-Straße (heute Anton-Wilhelm-Amo-Straße) in Berlin-Mitte.

Insgesamt 123 Doppeltriebwagen (also 246 Wagen) wurden damals ausgeliefert. Ihren größten Auftritt hatten sie am 5. November 1989. Vier Tage vor dem Mauerfall wurden dank „Gisela“ die letzten Vorkriegswagen in der Ost-Berliner U-Bahn ausgemustert. Die ältesten davon waren mehr als 80 Jahre im Dienst.
U-Bahn aus der DDR: Feuer bei Love Parade
Nun geht es „Gisela“ an den Kragen. Nach und nach verschwindet die letzte U-Bahn der DDR aus dem Berliner Untergrund. Heute sollen bei der BVG noch rund 100 Wagen im Einsatz sein. Unterwegs auf U1, U2 und U3, ganz selten mal auf der U4.
Dabei stand „Gisela“ schon vor 26 Jahren komplett vor dem Aus. Am 8. Juli 2000, mitten in der Love Parade, brannte im U-Bahnhof Deutsche Oper ein GI-Zug aus.

Die BVG stellte die komplette Baureihe ab – bis Dezember 2001. Danach: Ertüchtigung. Zwischen 2005 und 2009 folgte die große Kur: neues Design, Mehrzweckbereich, neue Steuerung. Kostenpunkt: 250.000 Euro pro Doppelwagen. Kurios: Eingebaut wurden dabei teils fast 40 Jahre alte Bauteile aus abgestellten West-Berliner Zügen.
U-Bahn aus der DDR: BVG mustert „Gisela“ aus
Seit dem 8. September 2025 fährt die neue Baureihe JK von Stadler auf der U2 – Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner durfte den ersten Zug höchstpersönlich steuern. Bis zu 1500 neue Wagen kann die BVG bis 2035 abrufen, Volumen: bis zu drei Milliarden Euro. Die größte Flottenerneuerung, die dieses Unternehmen je gestemmt hat.

Wer nun glaubt, die BVG räume zuerst mit dem Osten auf, irrt. Auf den Schrott wandern zuerst rund 100 andere Wagen – darunter ausgerechnet die Baureihe A3L92, geliefert von 1993 bis 1995, also nach der Wende und aus dem Westen. Ihre Aluminium-Wagenkästen haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Die DDR-Bahn dagegen gilt in der Fachwelt schlicht als unverwüstlich.

Ein offizielles Enddatum für „Gisela“ nennt die BVG nicht – aber sie hat sich festgelegt. In einer Antwort an das Berliner Abgeordnetenhaus vom Juli 2025 teilte das Unternehmen mit, dass bis Anfang der 2030er-Jahre auch die Baureihe aus der DDR aus dem Berliner Untergrund verschwunden sein soll.


