Erstes Eta-Training

Frau im Fokus: Die Welt schaut auf Union Berlin

Marie-Louise Eta startet in Köpenick: Erstes Training, klare Ansagen, weltweites Interesse. Die Nachfolgerin von Steffen Baumgart setzt sofort ein Zeichen.

Author - Sebastian Schmitt
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Gibt ab sofort beim 1. FC Union Berlin die Richtung vor: Baumgart-Nachfolgerin Marie-Louise Eta (34) während ihrer ersten Trainingseinheit als Cheftrainerin.
Gibt ab sofort beim 1. FC Union Berlin die Richtung vor: Baumgart-Nachfolgerin Marie-Louise Eta (34) während ihrer ersten Trainingseinheit als Cheftrainerin.O.Behrendt/IMAGO

Ein Dienstagvormittag in Köpenick – und plötzlich steht der 1. FC Union Berlin im Zentrum der Fußballwelt. Marie-Louise Eta leitet ihr erstes Training als Cheftrainerin, Kameras klicken im Sekundentakt. Es ist ein historischer Moment, der weit über die Bundesliga hinausstrahlt. Und mittendrin: eine Trainerin, die sich von all dem Rummel nicht beirren lässt.

Historischer Moment in Köpenick

Um 10.57 Uhr betritt Marie-Louise Eta (34) den Trainingsplatz. 1,65 Meter groß, schwarzer Union-Trainingsanzug, die Haare streng nach hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden. Kein großes Theater, kein Pathos. Ein kurzes „Hallo“ in Richtung der Journalisten, dann richtet sich der Blick sofort aufs Wesentliche.

Die neue Trainerin des 1. FC Union Berlin spricht mit ihrem Trainerteam, trommelt die Spieler zu Beginn im Halbkreis zusammen, formuliert eine erste klare Botschaft. Kurz, direkt, ohne Schnörkel. Dann rollt der Ball.

Neue Kommandos in Köpenick: Marie-Louise Eta leitet ihr erstes Training als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin.
Neue Kommandos in Köpenick: Marie-Louise Eta leitet ihr erstes Training als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin.O.Behrendt/IMAGO

Die Szene wirkt ruhig, fast unspektakulär – und ist doch historisch. Fotografen drängen sich am Rand, Bilder gehen binnen Minuten um die Welt. Die Sächsin ist die erste Cheftrainerin in einer der Top-Five-Ligen Europas. Entsprechend groß ist das Interesse, auch international, sogar bis in die USA. Ganz klar: In Köpenick beginnt etwas, das größer ist als ein Trainerwechsel.

Erste Ansage sitzt sofort

Auf dem Platz wird schnell klar, wie Eta, die von allen „Louie“ genannt wird, tickt. Sie beobachtet, baut Übungen auf, greift dann aktiv ein. Kaum läuft die erste Passform, wird sie laut. „Hey Jungs!“, ruft sie, fordert Tempo, fordert Kommunikation. „Ein Kontakt! Sprecht miteinander!“ Ihre Stimme schneidet durch den Nieselregen. Eta coacht, korrigiert, lobt. Ständig. Präsenz pur.

Ihre erste Botschaft sitzt: mehr Aktivität, mehr Kommunikation, schnelleres Positionsspiel. Worte, die hängen bleiben. Die Spieler hören zu, setzen um, reagieren. Eta wirkt wach, klar, fokussiert. Keine Sekunde Leerlauf.

Eta coacht, korrigiert, treibt an

Dabei trägt sie die Aufgabe mit sich, die größer kaum sein könnte: fünf Spiele, Klassenerhalt sichern. Nach der Trennung von Steffen Baumgart soll sie Union in den letzten fünf Bundesligaspielen als Interimstrainerin stabilisieren und den Klassenerhalt sichern. Der Druck ist da, die Bühne riesig. Doch Eta lässt sich davon nichts anmerken.

Gelöst statt angespannt: Marie-Louise Eta scherzt mit Union-Verteidiger Diogo Leite.
Gelöst statt angespannt: Marie-Louise Eta scherzt mit Union-Verteidiger Diogo Leite.O.Behrendt/IMAGO

Ihr Weg hierher war kein Zufall. Geboren in Dresden, mit sechs Jahren der erste Ballkontakt, später der Sprung zu Turbine Potsdam. Champions-League-Siegerin, deutsche Meisterin, U20-Weltmeisterin. Eine Karriere, die von Erfolg geprägt ist. Und von Klarheit.

Eta als Cheftrainerin bei Union Berlin kein Experiment

Auch als Trainerin überzeugt sie. 2023 macht sie die Pro-Lizenz, die höchste Ausbildung im Fußball. Bei Union arbeitet sie im Nachwuchs, wird Co-Trainerin der Profis, hilft 2024 beim Klassenerhalt. Intern gilt sie als präzise, direkt, menschlich stark. Eine, die Spieler erreicht.

Dass ihr die Union-Bosse jetzt diese Rolle anvertrauen, ist kein Experiment. Es ist Überzeugung. Vertrauen in ihre Qualität, in ihren Blick, in ihre Führung. Eta selbst sagt: „Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut.“ Und: „Wir bündeln alle Kräfte.“

Marie-Louise Eta: Fünf Spiele, eine Mission

Und während überall Kameras klicken und Schlagzeilen entstehen, geht es für sie längst um mehr. Um jeden Zweikampf, jeden Pass, jeden Meter. Der große Moment beginnt nicht am Samstag gegen Wolfsburg (15.30 Uhr, Sky). Er hat längst begonnen – hier, auf dem Trainingsplatz in Köpenick.