Vor 50 Jahren: Flammen-Drama in der Formel 1

Niki Lauda überlebt 30 Sekunden im brennenden Ferrari, 42 Tage später fährt er wieder

Eines der größten Wunder der Sportgeschichte: Formel-1-Legende Niki Lauda erlebte am 1. August 1976 am Nürburgring die Feuerhölle in seinem Ferrari.

Author - Wolfgang Heise
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Am 1. August 1976 überlebte Formel-1-Legende Niki Lauda auf dem Nürburgring einen Unfall in seinem brennenden Ferrari. 42 Tage später fuhr er wieder.
Am 1. August 1976 überlebte Formel-1-Legende Niki Lauda auf dem Nürburgring einen Unfall in seinem brennenden Ferrari. 42 Tage später fuhr er wieder.Montage: Youtube/screenshot/Imago

Er war 27, amtierender Weltmeister der Formel 1 aus Österreich– und er saß vor 50 Jahren im Feuer-Inferno. Länger als eine halbe Minute. Was Niki Lauda († 70) am 1. August 1976 auf dem Nürburgring erlebte und überlebte, ist heute genau ein halbes Jahrhundert her. Entkommen aus einem Flammen-Drama. Es gilt bis heute zu den größten Wundern in der Sportwelt.

Laudas Ferrari brennt, Formel-1-Fahrer ziehen ihn heraus

Ein Defekt, ein Crash wegen einer kaputten Radaufhängung in die Streckenbegrenzung, dann Flammen. Der Ferrari des Wieners brannte lichterloh. Als der nachfolgende Brett Lunger (80) in das Wrack krachte, verlor Lauda seinen Helm und das Bewusstsein. Und was dann passierte, gehört zum Größten, was dieser Sport je hervorgebracht hat: Konkurrenten sprangen aus ihren Autos und rannten zum Feuer. Arturo Merzario (83) zog den Weltmeister heraus und rettete ihm das Leben.

Im Rettungswagen wartete der damals 31-jährige Notarzt Wolfgang Gruh. Bei der Erstversorgung im Krankenhaus Adenau war Lauda so klar, dass er Rennleiter Daniele Audetto sagte, wo der Schlüssel seines Mietwagens lag – und ihn bat, seine Frau Marlene anzurufen.

Ärzte kämpfen in vier Krankenhäusern um Laudas Leben

Dann kam der Hubschrauber. Lauda erinnerte sich später: „Ein weiß gekleideter Arzt sitzt links neben mir und hält den Tropf in der Hand. Ich wollte von ihm nur wissen: Wie lange fliegen wir. Er sagt 45 Minuten. Dann war wieder alles weg.“

Erst Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, dann Unfallkrankenhaus Ludwigshafen mit Schwerverbranntenzentrum. Dort zeigte sich: Nicht die verbrannte Haut war das größte Problem, sondern die Lunge, verätzt vom giftigen Rauch der Kunststoffkarosserie und vom Löschschaum. Noch am selben Tag ging es weiter ins Klinikum Mannheim. Lauda fiel ins Koma, ein Priester spendete ihm die Krankensalbung.

Niki Lauda in seinem Ferrari in der Boxengasse. Nur 42 Tage nach dem Feuerunfall am Nürburgring startete er wieder in Monza.
Niki Lauda in seinem Ferrari in der Boxengasse. Nur 42 Tage nach dem Feuerunfall am Nürburgring startete er wieder in Monza.imago/Hoch Zwei/Ronco

42 Tage später setzt sich Lauda wieder in seinen Ferrari

Und dann? 42 Tage. Nur 42 Tage nach dem Feuer stand Lauda in Monza wieder am Start – und fuhr auf Rang vier. „Die schnelle Rückkehr gehörte zu meiner Strategie, nicht lange daheimzusitzen und darüber nachzugrübeln, warum und wieso mir das Ganze widerfahren ist“, hat er später erklärt.

Ein Jahr nach dem Inferno holte er den zweiten WM-Titel. 1979 hörte er auf, mit einem Satz, den in Österreich jedes Kind kennt: „Ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren.“ Drei Jahre danach saß er wieder im Auto, 1984 wurde er bei McLaren zum dritten Mal Champion – mit einem halben Punkt Vorsprung auf Alain Prost (71).

Danach die Luftfahrt, so erfolgreich wie aufreibend, mit dem Absturz einer Maschine der Lauda Air 1991 in Thailand als dunkelster Stunde. Der Formel 1 blieb er treu: Berater bei Ferrari, Teamchef bei Jaguar Racing, schließlich Aufsichtsratsvorsitzender bei Mercedes, wo er mit seinem Landsmann Toto Wolff (54) den dominierenden Rennstall formte. Und immer war da die rote Kappe. Sie machte ihn zur Weltmarke, Hollywood lieferte 2013 mit „Rush“ den Kinohit über das Nürburgring-Drama von 1976 und das Duell mit James Hunt († 45).

Niki Lauda in seinem Ferrari in der Boxengasse. Nur 42 Tage nach dem Feuerunfall am Nürburgring startete er wieder in Monza.
Niki Lauda in seinem Ferrari in der Boxengasse. Nur 42 Tage nach dem Feuerunfall am Nürburgring startete er wieder in Monza.Imago/Weckelmann

Lauda starb vor sieben Jahren an den Spätfolgen

Der Überlebenswille und der Kampf gegen sich selbst haben Lauda in der Sportwelt unsterblich gemacht. Doch am Ende waren es die Spätfolgen des Unfalls, an denen er starb. Nach einer Transplantation ging es Lauda gesundheitlich immer schlechter, am 20. Mai 2019 schlief er im Alter von 70 Jahren im Kreis seiner Familie ein.

Bleibt die Frage, die an einem 1. August wie heute nicht aus dem Kopf geht: Wer hält 30 Sekunden im Feuer aus – und gewinnt danach noch zwei Weltmeisterschaften?