Es war der größte Erfolg in der Geschichte des DDR-Fußballs und ein Triumph, den viele Menschen in der Heimat damals verschliefen. Als am 31. Juli 1976 gegen 5.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Montreal der Schlusspfiff ertönte, hatte die Fußball-Nationalmannschaft der DDR Geschichte geschrieben.
Bis heute einziger Olympiasieg der Männer-Fußballer
Mit einem 3:1 (2:0) gegen Polen gewann sie olympisches Gold. Bis heute ist es der einzige Olympiasieg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei den Männern.
Dresdner Spieler prägen das Olympia-Finale gegen Polen
„Das 3:1 war unsterblich für unsere Nationalmannschaft. Es ist etwas, von dem man geträumt hat“, sagte der Dresdner Dieter Riedel 50 Jahre nach dem Finalerfolg. „Es ist wunderbar, Olympiasieger 1976 zu sein.“

Vor mehr als 71.000 Zuschauern traf die DDR auf Polen, das mit vielen Stars der WM-Mannschaft von 1974 als Favorit ins Finale gegangen war. Zu den bekanntesten Spielern gehörte Grzegorz Lato, Torschützenkönig der Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik.
Traumstart für die Olympia-Auswahl der DDR
Die Mannschaft von Nationaltrainer Georg Buschner erwischte auf dem durch Regen schwer bespielbaren Platz einen Traumstart. Hartmut Schade von Dynamo Dresden brachte die DDR bereits in der 7. Minute in Führung. Nur sieben Minuten später erhöhte Martin Hoffmann vom 1. FC Magdeburg auf 2:0.
Buschner war ein absoluter Profi, was den Fußball anbelangte, und wie er uns anleitete, professionell Fußball zu spielen.
Nach dem Anschlusstreffer von Lato wurde es noch einmal spannend. Doch anstatt sich zurückzuziehen, suchte die DDR die Entscheidung. „Wir waren läuferisch gut drauf und hätten jedes Spiel über 120 Minuten gehen können“, erinnerte sich Gerd Weber, damals mit 20 Jahren der jüngste Spieler des Kaders.
Reinhard Häfner sorgt für die Entscheidung
Die Entscheidung fiel schließlich in der 84. Minute. Reinhard Häfner setzte mit seinem Treffer zum 3:1 den Schlusspunkt unter den größten Abend des DDR-Fußballs.
Der Erfolg kam nicht von ungefähr. Unter Trainer Buschner galt die Auswahl als außergewöhnlich fit. Die intensive Vorbereitung ist bis heute legendär.
Georg Buschner macht die DDR-Kicker fit
„Buschner war ein absoluter Profi, was den Fußball anbelangte, und wie er uns anleitete, professionell Fußball zu spielen“, sagte Verteidiger Lothar Kurbjuweit: „Täglich sechs Stunden auf dem Platz.“
Dabei hatte das olympische Turnier alles andere als optimal begonnen. Nach einem enttäuschenden 0:0 gegen Brasilien geriet die Mannschaft intern unter Druck. DDR-Sportchef Manfred Ewald soll über den schwachen Auftakt alles andere als begeistert gewesen sein.
Fußballer sind nur Anhängsel bei Olympia in Montreal
Doch Buschner hielt an seinem Kurs fest. „Schorsch hat die richtigen Schlüsse gezogen und gesagt: Wir machen unser Ding“, erinnerte sich Gerd Weber. „Wir waren nicht die große Liebe, sondern das Anhängsel der gesamten Olympia-Mannschaft. Die waren nicht erfreut, als wir dann sogar die Goldmedaille geholt haben.“

Der Weg ins Finale war außergewöhnlich schwer. Nach dem 1:0 gegen Spanien zog die DDR ins Viertelfinale ein. Dort folgte ein beeindruckendes 4:0 gegen Frankreich mit dem damals aufstrebenden Michel Platini. Im Halbfinale setzte sich die Buschner-Elf mit 2:1 gegen die Sowjetunion um Superstar Oleg Blochin durch.
Sowjetunion verärgert über die Niederlage gegen die DDR
Der Sieg über die UdSSR sorgte im Ostblock für Aufmerksamkeit. Der große Bruder Sowjetunion reagierte laut Zeitzeugen verärgert auf das Ausscheiden und blieb der Siegerehrung weitgehend fern.
1976 waren wir aufgrund der Zusammensetzung besser und erfolgreicher als 1974. Es war eine harmonische Einheit, dazu haben die Dresdner toll beigetragen. Wir waren unglaublich effektiv und hatten nicht so viele Egoisten.
Abseits des Rasens erinnern sich viele Spieler bis heute an die besondere Atmosphäre in Montreal. Anders als bei der Weltmeisterschaft 1974 standen die Fußballer nicht permanent unter Beobachtung.
DDR-Spieler genießen ungewohnte Freiheit
„So viel Zeit hatten wir gar nicht“, sagte Gert Heidler. „Privat wollten wir auch in die Stadt, U-Bahn fahren und in die großen Einkaufszentren.“
Auch Gerd Kische genoss die ungewohnte Freiheit. „Wir waren oft im Kino, da liefen die neuesten Filme. Wir waren sehr stolz und glücklich, dass wir die Medaillen der anderen Athleten beklatschen konnten“, sagte der frühere Hansa-Rostock-Spieler.
Das schwerste Spiel findet vor Olympia statt
Rückblickend sehen viele Spieler die größte Hürde nicht im olympischen Turnier selbst, sondern auf dem Weg dorthin. In der Qualifikation setzte sich die DDR gegen die Tschechoslowakei durch und löste das Ticket für Montreal. Nur wenige Wochen später gewann die Tschechoslowakei die Europameisterschaft gegen die Bundesrepublik.
Obwohl Olympiagold bis heute als Höhepunkt des DDR-Fußballs gilt, bewerten einige Spieler ihre Karriere rückblickend anders. Für Gerd Kische bleibt die Weltmeisterschaft 1974 mindestens ebenso bedeutend.







