Gehen Sie gern mal auf den Flohmarkt? Dann werden Sie bestimmt das eine oder andere Mal an Objekten vorbeigelaufen sein, die Ihnen einfach zu unscheinbar vorkamen, richtig? Ein aktueller Fall aus „Bares für Rares“ zeigt, wie schnell man sich beim Schlendern über den Trödel doch irren kann. Die Kandidaten, die hier mit einer ziemlich schnöden Porzellanfigur ins Studio kommen, haben aber alles richtig gemacht. Sie haben ein paar Euro investiert. Und gehen nach dem Besuch bei Horst Lichter mit einer riesigen Summe heim!
Porzellanfigur bei „Bares für Rares“ ist kein Plunder
Monika und Rafael Nowak aus Simmerath kommen mit einer Porzellanfigur, einer Schnecke, zur Expertise – die meisten würden sich dieses altertümlich aussehende Stück vermutlich nicht hinstellen. Stand sie bei den Eheleuten auf dem Regal? Das bleibt offen.
Doch die Zuschauer von „Bares für Rares“ ahnen schon, wohin die Reise geht, als Horst Lichter die beiden nach ihren Hobbys fragt. „Auf den Flohmarkt gehen“, sagt Rafael Nowak wie aus der Pistole geschossen. Handelt es sich hier etwa um einen Zufallsfund, der ihnen jetzt das große Geld bringt?
Tatsächlich hat Rafael das Stück auf dem Flohmarkt gefunden – mehr verrät er zunächst nicht. Dafür ist Experte Colmar Schulte-Goltz zuständig. Es handelt sich um das Stück „Schneckenreiter“ – die Figur zeigt ein Kind, das eine Blumengirlande nutzt, um die Schnecke zu einem Reittier zu machen.
„Es gibt diese Schneckenreiter immer mal wieder. Es gibt auch Reiter, kleine Kinder, die auf Schildkröten reiten“, sagt der Kunstkenner. Das Stück habe eine Bedeutung: Es verkörpere die stillstehende Zeit, verbinde die Kindheit, die eigentlich schnell vorbeigeht, mit der Langsamkeit der Schnecke.

Entworfen wurde das Stück von Michael Powolny, einem österreichischen Keramikdesigner, Bildhauer und Medailleur. Er gründete im Jahr 1906 die Wiener Keramik und schuf dort laut dem „Bares für Rares“-Experten besondere Kunstwerke.
Der Schneckenreiter sei eine Seltenheit, antik und rar, vermutlich bis 1912 entstanden und gut erhalten. Allerdings zeige die Oberfläche Risse. „Damit müssen wir leben“, sagt Schulte-Goltz. „Das Stück ist in einem jetzt noch sehr schönen Zustand.“
Wie viel ist die Schnecke bei „Bares für Rares“ wert?
Dann geht es auch schon um den Wunschpreis. Horst Lichter fragt – und „Bares für Rares“-Kandidat Rafael antwortet. „Ich habe an 1500 Euro gedacht“, sagt er. „Ich habe schon mal recherchiert und gesehen, dass welche für über 3000 Euro verkauft wurden.“ Das sei aber ein paar Jahre her – er wisse nicht, wie es im Moment aussieht.

Was sagt Colmar Schulte-Goltz? „Es gibt den Schneckenreiter in sehr vielen Ausführungen“, sagt er. Er legt die Preisspanne auf 1000 bis 1500 Euro fest. „Und ich gehe mal davon aus, ihr habt bedeutend weniger bezahlt“, sagt Lichter. „Viel weniger“, sagt Rafael. Wie viel? Das sagt er noch nicht. „Man muss nicht alles verraten.“
„Bares für Rares“-Händler streiten sich um Schnecke
Direkt geht es zu den Händlern, die den Wert des Schneckenreiters sofort erkennen. „Ist das Powolny?“, fragt Fabian Kahl. Und Wolfgang Pauritsch stellt klar: „Das ist österreichischer Jugendstil vom Feinsten.“ Es bahnt sich ein Bietergefecht an. Los geht es mit 400 Euro von Fabian Kahl. Schnell gehen die Gebote in die Höhe, die 1000 Euro sind rasch erreicht. Fabian Kahl und Wolfgang Pauritsch liefern sich einen wahren Kampf um die Schnecke. Plötzlich fällt sogar die 2000-Euro-Marke. Das letzte Gebot: 2100 Euro. Verkauft an Fabian Kahl!
Doch der will nicht nur die Schnecke haben, sondern auch die wichtigste Frage beantwortet wissen. Was hat „Bares für Rares“-Kandidat Rafael für die Schnecke bezahlt, als er sie auf dem Flohmarkt entdeckte? Seine Antwort fällt kurz und knapp aus: „Zehn Euro.“


