Kaum ist der traurige Timmy-Krimi halbwegs verarbeitet, sorgt der nächste Buckelwal an der Ostsee für Aufregung. Wieder schwimmt ein Meeressäuger viel zu nah an der Küste, wieder rätseln Experten über seinen Zustand und wieder hoffen viele Menschen, dass sich die Geschichte nicht so tragisch wiederholt.
Hartwins Verletzungen geben Experten Rätsel auf
Der Wal, der inzwischen den Namen Hartwin trägt, wurde in den vergangenen Tagen gleich an mehreren Orten entlang der Ostseeküste gesichtet. Seine Reise führte ihn unter anderem vor Kiel, in die Flensburger Förde, nach Wismar und zuletzt bis vor Wustrow sowie an die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Selbst Paddler und Spaziergänger konnten das Tier aus nächster Nähe beobachten.

Nach Einschätzung der Umweltministerien von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein handelt es sich sehr wahrscheinlich um denselben Buckelwal, der bereits im Juni vor Schottland und Dänemark aufgefallen war. Auffällig ist eine helle Verfärbung auf dem Rücken, an der das Tier wiedererkannt werden konnte.
Noch mehr Sorgen bereiten allerdings mehrere Verletzungen vor der Rückenflosse. Meeresbiologin Lisa Klemens erklärt: „Anhand des Bildmaterials lässt sich jedoch nicht feststellen, wodurch die Verletzungen verursacht wurden. Für eine verlässliche Einschätzung wären weitere Aufnahmen oder eine Untersuchung erforderlich.“
Erinnerungen an den traurigen Timmy-Krimi
Für viele Ostsee-Fans weckt Hartwins Odyssee unangenehme Erinnerungen. Erst vor wenigen Monaten verfolgten Tausende Menschen gespannt das Schicksal von Buckelwal Timmy Hope.
Auch Timmy Hope tauchte damals im Hafen von Wismar auf und fand anschließend nicht mehr aus den flachen Ostseegewässern heraus. Nach mehreren Strandungen versuchten Helfer in einer aufwendigen und nicht unumstrittenen Rettungsaktion, ihn mit einem Transportkahn zurück in Richtung Nordsee zu bringen. Die Hoffnung war groß, doch sie erfüllte sich nicht. Wenige Wochen später wurde Timmy Hope tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt und anhand eines Senders identifiziert.

Genau das wollen Experten nun verhindern. Buckelwale gehören eigentlich in den Nordatlantik. Gerät ein Tier in die Ostsee, wird die Rückkehr schnell zum Problem: Das flache Binnenmeer bietet kaum geeignete Nahrung und zahlreiche Hindernisse wie Häfen, Schiffsverkehr und enge Fahrwasser.
Aber es wird noch verrückter: Vor einigen Tagen haben Tierschützer zwei Proben, die angeblich vom Timmy Hope gewesen sein sollen, untersucht. Laut einer neuen DNA-Analyse könnte das Tier, das im Mai tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden worden war, möglicherweise gar nicht Buckelwal Timmy Hope gewesen sein. Verglichen worden seien Gewebeproben, die bei der Anbringung eines Trackers an Timmy Hope sowie später am toten Wal entnommen worden seien.



