Millionenklage gegen Google

Angehörige klagen: Google Maps schickte Familienvater in den Tod

Philip Paxson verließ sich bei einer Autofahrt vor einem Jahr wie viele Autofahrer auf sein Navi – doch der Familienvater bezahlte es mit dem Leben.

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Philip Paxson hinterlässt eine Frau und zwei kleine Töchter.
Philip Paxson hinterlässt eine Frau und zwei kleine Töchter.Facebook

Eine Schadensersatzklage gegen Google in einem Bezirksgericht in North Carolina könnte weltweite Auswirkungen haben. Die Familie von Philip Paxson (†47), Vater von zwei kleinen Mädchen und liebender Ehemann, macht den Tech-Giganten für den tödlichen Autounfall des Familienvaters im letzten Jahr verantwortlich. Der 47-Jährige wurde von Google Maps über eine Brücke geleitet – die bereits 2013 eingestürzt war.

Am 30. September 2022 war Paxson abends nach der Geburtstagsfeier seiner neunjährigen Tochter durch eine ländliche Gegend nach Hause gefahren. Laut Klage kannte sich der Ex-Soldat der U.S. Navy nicht gut in der Gegend aus, außerdem war es schon dunkel. Also ließ er sich im Regen von Google Maps navigieren.

In diesem Autowrack ertrank Philip Paxson.
In diesem Autowrack ertrank Philip Paxson.Wade County Superior Court

Kurz vor der Kleinstadt Hickory schickte sein Navi ihn dann via Landstraße über die Snow-Creek-Brücke, deren Trümmer bereits seit neun Jahren im Wasser lagen. Weil die Straße dort keine Absperrungen oder Warnschilder hatte, rauschte Paxson sechs Meter in die Tiefe. Sein Wagen landete mit dem Dach zuerst im Wasser, der eingeklemmte Fahrer ertrank.

Familienvater ertrank in seinem Wagen

Die Familie erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen Google, im Laufe der Jahre fahrlässig mehrere Anträge von Fahrern ignoriert zu haben, die die Brücke als „nicht passierbar“ gemeldet hatten. Selbst am 6. April 2023 habe Google Maps die Snow-Creek-Brücke noch als „passierbar“ angezeigt.

Laut eines Statements der Anwaltskanzlei Saltz, Mongeluzzi & Bendesky, die die Ehefrau Alicia und deren beiden kleinen Töchter vertritt, habe „Philip Paxson wie Millionen andere Fahrer sein Vertrauen in Google Maps gesteckt – was ihm das Leben gekostet hat.“

Die besagte Brücke war bereits 2013, vor zehn Jahren, eingestürzt.
Die besagte Brücke war bereits 2013, vor zehn Jahren, eingestürzt.Wade County Superior Court

Wie viel Schadensersatz die Hinterbliebenen von Google und von den Brückenbesitzern (sie sind in der Klage ebenfalls wegen fahrlässiger Missachtung von Menschenleben aufgeführt) verlangen, soll erst später festgesetzt werden.

Die Witwe Alicia in der New York Post: „Meine Girls fragen mich, wie ihr Daddy gestorben ist. Und mir fehlen die Worte, es ihnen zu erklären. Dass die Leute, die für das GPS-System verantwortlich sind, mit so wenig Rücksicht auf menschliches Leben gehandelt haben.“

Ein Google-Sprecher sprach den Paxsons sein „tiefstes Mitgefühl“ aus – man wolle die Klage nun prüfen.

Bei Google Maps haben angemeldete Nutzer die Möglichkeit, gesperrte Straßen oder Brücken zu melden und Korrekturen vorzuschlagen. Google prüft die Vorschläge der Nutzer und gibt Änderungen frei – oder verwirft sie.