Mord-Urteil in Frankfurt

Mann will sich die Scheidung sparen und stürzt Ehefrau von Hotelbalkon in den Tod

Der Abend im Hotel sollte ein Neuanfang sein – so glaubte die Frau. Doch ihr Mann hatte das Zimmer im 22. Stock für ihren Tod gebucht.

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Das Leonardo Royal Hotel im Stadtteil Sachsenhausen in Frankfurt/Main
Das Leonardo Royal Hotel im Stadtteil Sachsenhausen in Frankfurt/Mainbrennweiteffm/Imago

Sie hoffte, ihre Ehe zu retten. Der Abend im Frankfurter Hotel sollte ein Neuanfang werden, ihr Mann hatte ihr versichert, die Affäre mit seiner Geliebten sei vorbei. Tatsächlich hatte der 60-Jährige das Zimmer im 22. Stock gezielt gebucht – für ihren Tod. Kurz nach der Ankunft stieß er die 40-Jährige über das Balkongeländer rund 60 Meter in die Tiefe. Nun wurde er wegen Mordes verurteilt. Das Opfer hinterlässt zwei minderjährige Kinder.

Ehemann erzählt von Unfall beim Sex

Es sollte wie ein tragischer Unfall aussehen. Der Ehemann erzählte den Ermittlern, seine alkoholisierte Frau sei beim Sex von der Balkonbrüstung gestürzt. Doch die Spurenlage passte nicht zu seiner Schilderung – und knapp drei Jahre später steht fest, was in jener Nacht wirklich passierte.

Die Tat geschah am Vatertag im Mai 2023 im Leonardo Royal Hotel in Frankfurt-Sachsenhausen – einem 100 Meter hohen Hochhaus mit rund 450 Zimmern mit Balkon. Die Frau war sofort tot.

Das Landgericht Frankfurt hat den 60-Jährigen am Freitag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Schwurgerichtskammer sah einen Mord aus niedrigen Beweggründen als erwiesen an.

Hotelgäste hörten Schreie

Was in den letzten Minuten im Zimmer geschah, konnte die Kammer nicht vollständig aufklären. Andere Hotelgäste berichteten laut Welt von einem lauten Schrei und von Rufen: „Nein, nein.“ Als die 40-Jährige unten gefunden wurde, war sie kaum bekleidet. An ihren Armbeugen entdeckten die Ermittler Verletzungen, die bereits vor dem tödlichen Sturz entstanden waren.

Das Leonardo Royal Hotel im Stadtteil Sachsenhausen, eine Aufnahme aus dem Jahr 2016. Hier stürzte aus dem 22. Stock die 40-jährige Frau in den Tod.
Das Leonardo Royal Hotel im Stadtteil Sachsenhausen, eine Aufnahme aus dem Jahr 2016. Hier stürzte aus dem 22. Stock die 40-jährige Frau in den Tod.brennweiteffm/Imago

Sein Motiv: Die Scheidung hätte ihn ruiniert

Elf Jahre war das Paar verheiratet, es lebte mit den beiden Kindern in einem Einfamilienhaus in Rodgau im Kreis Offenbach. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau arbeitete der Diplom-Betriebswirt als Manager beim Flughafenbetreiber Fraport, war ehrenamtlicher Fußballtrainer.

Und er hatte eine Geliebte. Die mehr als 20 Jahre Jüngere drängte auf eine Trennung. Doch eine Scheidung hätte ihn nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft finanziell ruiniert. Laut Anklage setzte er stattdessen darauf, vom Erbe seiner Frau und von einer Lebensversicherung zu profitieren.

Im Internet recherchierte er nach unauffälligen Tötungsarten. Einen Tag vor der Tat buchte er das Hotelzimmer, wie die Welt berichtet. Den Vatertag verbrachte das Paar dann gemeinsam in Frankfurt – seine Frau ahnte nichts von seinem Plan, sie glaubte an den Neuanfang. Der Geliebten wiederum erzählte er, er habe sich längst von seiner Frau getrennt.

Spendenkampagne nach dem Tod der Ehefrau

Nach dem brutalen Tod seiner Frau baute sich der 60-Jährige mit seiner neuen Partnerin und den beiden Kindern ein gemeinsames Leben auf. Über eine Spendenkampagne im Netz nahm er mehr als 10.000 Euro ein – 74 Menschen überwiesen Geld für den vermeintlich vom Schicksal getroffenen Witwer.

Die Polizei blieb misstrauisch und ermittelte weiter. Im April 2025, fast zwei Jahre nach der Tat, klickten die Handschellen. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

„Wie einen Müllsack entsorgt“

Der aufwendige Indizienprozess dauerte fast vier Monate, etliche Zeugen und mehrere Sachverständige wurden gehört. Der Angeklagte schwieg vom ersten bis zum letzten Verhandlungstag – auch die Urteilsverkündung nahm er regungslos auf.

Der Vorsitzende Richter fand deutliche Worte: Der Mann habe seine Ehefrau zum Objekt degradiert und aus dem Weg geschafft, um ungestört mit seiner Affäre leben zu können. „Wie einen Müllsack“ habe er sie über das Geländer entsorgt. Sein Verhalten stehe „sittlich auf niedrigster Stufe“.

Der Anwalt, der im Prozess die beiden kleinen Kinder und die Mutter der Getöteten vertrat, sprach vom fast perfekten Verbrechen.

Mit dem Schuldspruch folgte die Kammer den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und Zweifel an der Schuld ihres Mandanten geltend gemacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.