Mindestens 26 Verletzte, große Schäden und neue Angst: Am Freitag hat es im Süden von Italien ein Erdbeben gegeben – mit einer Stärke von 4,7 eines der stärksten, die in der Region der sogenannten Phlegräischen Felder seit langem gemessen wurden. Von Rissen in Gebäuden bis hin zu massiven Sperrungen: Die Folgen für den Alltag der Menschen sind verheerend. Und sie könnten erst der Anfang sein. Denn die Phlegräischen Felder sind ein Supervulkan – und tief in der Erde brodelt es. Ein Professor warnt jetzt vor dem Ausbruch des unterirdischen Giganten und macht klar, dass man sich auf alles einstellen muss, auch auf die schlimmste Katastrophe.
Erdbeben bei Neapel war das stärkste seit Jahrzehnten
Das Erdbeben in der Vulkanregion nahe Neapel war das stärkste, das seit Jahrzehnten in der Gegend gemessen wurde. Laut den zuständigen Behörden hat es deutliche Spuren hinterlassen: Mehrere unbewohnte Gebäude in der Region sind eingestürzt, außerdem gab es Schäden durch Erdrutsche und abstürzende Teile von Gebäuden.
Rund 300 Menschen mussten aus ihren Häusern evakuiert werden, mindestens 26 Personen wurden nach jüngsten Erkenntnissen verletzt. Das Beben hatte eine Stärke von 4,7, erschütterte die Gegend am Freitagabend um 19.46 Uhr.
Das Problem: Die Phlegräischen Felder sind ein sogenannter Supervulkan. Das bedeutet: Unter der Erde liegt ein Vulkan, der das Potenzial hat, bei einem Ausbruch mehr als 1000 Kubikkilometer Magma und Asche auszustoßen. Das ist um ein Vielfaches mehr als bei gewöhnlichen Vulkanausbrüchen.
Besonders prekär ist, dass es sich hier um ein sehr dicht besiedeltes Gebiet handelt, in dem Hunderttausende Menschen leben. War das Erdbeben ein Zeichen, dass es bald zu einem Ausbruch kommen könnte – und ist jetzt Gefahr im Verzug?

Professor Giuseppe De Natale, Vulkanologe und Forschungsleiter am staatlichen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV), hat das Potenzial für eine Katastrophe im Interview mit dem italienischen Portal fanpage.it beleuchtet. „Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, was passieren wird, weder hinsichtlich weiterer Erdbeben noch möglicher Vulkanausbrüche“, sagt er. Doch er warnt: Man setze darauf, dass neben den Erdbeben schon nichts passieren wird – und daran habe man sich bereits gewöhnt.
Supervulkan: Folgen des Ausbruchs wären katastrophal
Dadurch sei man schon deutlich zu spät dran, die Region auf alle möglichen Szenarien vorzubereiten. Und zu den möglichen Szenarien gehöre auch ein Ausbruch des Supervulkans. „Dessen Wahrscheinlichkeit mag kurzfristig gering sein, doch sie ist keineswegs zu vernachlässigen. Katastrophale Ereignisse sind per definitionem selten, aber eben nicht ausgeschlossen.“
Es könnte also sein, dass es irgendwann zu einem Ausbruch kommt – und die Folgen wären katastrophal. Käme es wirklich zu einem Superausbruch, wären Millionen Menschen in Gefahr, weite Teile Italiens mit Asche bedeckt und der Flugverkehr in Europa möglicherweise wochenlang eingeschränkt.

Der Professor merkt außerdem an, dass die jüngsten Ereignisse einer Phase aus dem 15. Jahrhundert ähneln: 1430 begannen seismische Aktivitäten, die sich immer weiter entwickelten und dann 1538 im Ausbruch des Monte Nuovo gipfelten, eines Vulkans in den Phlegräischen Feldern. In 3000 Jahren habe es solche Aktivitäten nur diese beiden Male gegeben.
Trotzdem könne man nicht mit Sicherheit sagen, „dass auch die jetzige Phase in einem Vulkanausbruch enden wird“. De Natale kritisiert dennoch, dass nichts für den Schutz der Bevölkerung getan wird. „Dabei leben die Menschen seit mehr als drei Jahren mit der Angst vor immer stärkeren Erdbeben.“

