Was wann geschah

Der letzte Tag von Fabian aus Güstrow: Das passierte am Tag des Mordes

Im Prozess um Fabian aus Güstrow wurde der Tattag detailliert rekonstruiert. Besonders ein Zeitraum von knapp 90 Minuten beschäftigt die Ermittler.

Author - Florian Thalmann
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Hat Gina H. etwas mit dem Tod des kleinen Fabian aus Güstrow zu tun? Das soll im Prozess vor Gericht geklärt werden. Dafür ist die Rekonstruktion des Tattages besonders wichtig.
Hat Gina H. etwas mit dem Tod des kleinen Fabian aus Güstrow zu tun? Das soll im Prozess vor Gericht geklärt werden. Dafür ist die Rekonstruktion des Tattages besonders wichtig.Helmut Reuter/dpa, Polizei

In der kommenden Woche wird der Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt – neue Zeugen sollen gehört werden, außerdem ist für Ende August eine Einlassung von Gina H. geplant. Die 30-Jährige will sich zu den Vorwürfen äußern und ihre Sicht auf die Dinge darlegen, kündigten ihre Anwälte an. In den Verhandlungen sagten bereits zahlreiche Zeugen aus – und der Tag der Tat wurde rekonstruiert. Wir fassen zusammen, was bekannt ist.

Fabians Todestag: Was geschah am 10. Oktober 2025?

Der Mord an dem kleinen Fabian aus Güstrow beschäftigt noch immer ganz Deutschland. Viele warten darauf, dass der Prozess fortgesetzt wird: Aktuell ist das Landgericht Rostock in der Sommerpause, doch am 6. August geht es weiter.

Viele Informationen rund um die Tage im Oktober, an denen Fabian verschwand, starb und tot aufgefunden wurde, wurden bereits zusammengetragen. Der Fokus lag dabei mehrfach auf dem Tag seines Verschwindens: Am 10. Oktober 2025 sollte der Junge eigentlich zu Hause bleiben, weil er am Tag zuvor an Nasenbluten gelitten hatte.

Doch als seine Mama Dorina L. von der Arbeit kam, war er nicht mehr da. Am gleichen Abend wurde der Junge als vermisst gemeldet, es startete eine große Suchaktion. Die Polizei durchkämmte die Stadt Güstrow, Wälder, Felder und umliegende Gemeinden. Erst vier Tage später wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt, etwa 15 Kilometer entfernt von zu Hause.

Vor Gericht muss sich Gina H. verantworten, die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater Matthias R. Die Ermittler sind sicher, dass sie den Jungen getötet hat. Bis zu einer Verurteilung gilt für Gina H. allerdings die Unschuldsvermutung.

Gina H. muss sich im Prozess um den Mord an Fabian vor Gericht verantworten. Sie soll den acht Jahre alten jungen getötet und seine Leiche anschließend verbrannt haben.
Gina H. muss sich im Prozess um den Mord an Fabian vor Gericht verantworten. Sie soll den acht Jahre alten jungen getötet und seine Leiche anschließend verbrannt haben.Bernd Wüstneck/dpa

Die spannende Frage: Was genau passierte am 10. Oktober? Wir haben alle wichtigen Informationen aus dem Prozess zusammengetragen: die Rekonstruktion von Fabians Todestag. 

10. Oktober 2026: Rekonstruktion von Fabians Todestag

10.43 Uhr: Gina H. soll ein Foto von ihrem Auto gemacht haben. Die Positionsdaten verraten: Laut Ermittlern befindet sie sich zu dem Zeitpunkt etwa 120 Meter entfernt von Fabians Haus in Güstrow.

10.45 Uhr: Das Auto von Gina H. fährt stadteinwärts auf der Schweriner Straße in Güstrow. Zehn Minuten später fährt es in die entgegengesetzte Richtung. Zwischendurch sieht ein Zeuge den Wagen auf einem Parkplatz, etwa eine Gehminute vom Haus entfernt, in dem Fabian und seine Mutter leben.

10.50 Uhr: Das Handy des kleinen Fabian aus Güstrow ist zum letzten Mal aktiv. Bekannt ist inzwischen, dass er das Gerät zu Hause ließ, als er an jenem Tag aus dem Haus ging. Warum? Das ist vollkommen unklar.

Fabian starb zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr

Zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr: Dieses Zeitfenster nennt die Staatsanwaltschaft in der Anklage für den Tod des kleinen Fabian aus Güstrow – in diesem zeitlichen Rahmen sei der Junge am 10. Oktober 2025 verstorben, laut Ermittlern „durch die Handlungen der Angeklagten“.

11 Uhr: Ein Zeuge beobachtet das auffällige Auto von Gina H. in Zehna, etwa zehn Minuten Autofahrt von Güstrow entfernt.

11.10 Uhr: Das Handy von Gina H. loggt sich in einer Funkzelle nahe Lohmen ein.

Das Auto von Gina H. wurde durch die Polizei beschlagnahmt. Es spielt bei der Rekonstruktion des Tattages eine wichtige Rolle, denn es wurde am 10. Oktober 2025 mehrfach gesehen.
Das Auto von Gina H. wurde durch die Polizei beschlagnahmt. Es spielt bei der Rekonstruktion des Tattages eine wichtige Rolle, denn es wurde am 10. Oktober 2025 mehrfach gesehen.Philip Dulian/dpa

Um 11.22 Uhr schaltet Gina H. ihr Handy aus

11.19 Uhr: Gina H. entsperrt ihr Handy und schickt ein Foto von einem Waldweg an einen Bekannten. Es zeigt sie mit ihrem Hund Leo beim Spaziergang im Wald. Das Bild wird später der Region zugeordnet – es wurde in einem Waldstück in Lohmen aufgenommen, ganz in der Nähe des späteren Fundortes der Leiche. Ein Förster gab das laut einer Polizistin zu Protokoll.

11.22 Uhr: Gina H. schaltet ihr Handy aktiv aus oder versetzt es in den Flugmodus, aus der Zeit danach existieren keine Verbindungsdaten. „Dies ist ein besonderes Ereignis, weil das sonst überhaupt nicht stattfindet“, sagte ein Polizist vor Gericht dazu. Der Grund: Die 30-Jährige nutzte das Gerät sehr intensiv. Nur dreimal soll sie es abgeschaltet haben. Einmal, nachdem sie das Gerät eingerichtet hatte, einmal am Tag von Fabians Verschwinden und einmal drei Tage später, als sie abends am Tümpel bei Klein Upahl laut Zeugen nach der Leiche suchte.

Gegen 12 Uhr: Wieder wird das Auto von Gina H. gesehen. Mehrere Männer, die auf einem Acker arbeiten und gerade ihre Mittagspause machen, sehen den markanten Wagen. Er fährt in Richtung Klein Upahl und kommt aus der Richtung, in der der Tümpel liegt, an dem später die Leiche von Fabian gefunden wurde.

Am Nachmittag des 10. Oktober fotografiert eine Zeugin dieses kleine Feuer an einem Tümpel bei Klein Upahl. Hier wird die Leiche von Fabian verbrannt.
Am Nachmittag des 10. Oktober fotografiert eine Zeugin dieses kleine Feuer an einem Tümpel bei Klein Upahl. Hier wird die Leiche von Fabian verbrannt.Polizei

Was geschah zwischen 11.22 Uhr und 12.43 Uhr?

12.43 Uhr: Gina H. schaltet ihr Handy wieder ein, ruft den Bekannten an, an den sie ein Foto vom Waldweg geschickt hatte, und verschickt eine Sprachnachricht. Laut einem Polizisten klang sie in dieser Nachricht gestresst. Gina H. verabredet sich mit einem Bekannten am Bolzsee, laut Anklage fand dieses Treffen anschließend zwischen 13 Uhr und 13.40 Uhr statt. Das Handy soll sich dort in einen Funkmast eingeloggt haben.

Was in dem Zeitraum zuvor und danach passierte, ist vollkommen unklar. Über das lange Abschalten des Handys wunderte sich aber nicht nur die Polizei. So sagte die Tierärztin von Gina H. im Prozess aus, dass die Pferdewirtin immer innerhalb von maximal acht Minuten auf eine Nachricht geantwortet habe. An jenem Tag dauerte es bis zur Antwort eine Stunde. Die Ermittler glauben, dass Gina H. nach dem Treffen am Bolzsee mit Grillanzünder an den Tatort zurückkehrte und die Leiche des kleinen Fabian anzündete – mutmaßlich, um Spuren zu verwischen.

Um 14.59 Uhr wird Fabians brennende Leiche fotografiert

Gegen 14.15 Uhr: Eine Zeugin sieht das Auto von Gina H., als sie mit ihrem eigenen Wagen unterwegs von der Arbeit in Güstrow nach Lohmen ist. Der orangefarbene Geländewagen fällt ihr auf, das Fahrzeug mit der besonderen Lackierung habe sie beeindruckt. Das Auto sei ihr auf Höhe Klein Upahl entgegengekommen.

14.59 Uhr: Eine Frau fotografiert ein brennendes Lagerfeuer auf einem Feld bei Klein Upahl. Sie denkt zuerst, dass dort Gartenabfälle verbrannt werden oder dass ein Landwirt das Schilf am Tümpel entfernen wollte. Später stellt sich heraus: Hier verbrennt gerade die Leiche von Fabian aus Güstrow.

15 Uhr: Das Handy von Gina H. loggt sich in einer Funkzelle in Krakow am See ein. Dort geht ihr Sohn in die Schule. Womöglich holte sie ihn ab.

15.22 Uhr: Gina H. googelt auf ihrem Handy das Stichwort „Polizei“. Später sollten ihre Suchanfragen noch auffälliger werden: Am Abend des gleichen Tages suchte sie unter anderem nach „Polizei Güstrow aktuell“ und „Vermisste Person Güstrow“. Zu den späteren Suchanfragen gehört: „Fressen Wildschweine tote Menschen?“

Kurz vor 3 Uhr nachts: Gina H. tauscht Nachrichten mit Fabians Vater Matthias R. aus. Er ist noch immer auf der Suche nach seinem Sohn und fährt mit dem Auto durch Güstrow. Sie sagt ihm: „Es bringt nichts, Matthias, nicht jetzt. Fahr nach Hause und leg dich ein bisschen hin. Ich bin auch pitschnass geschwitzt aus Sorge und Gedanken.“ Am nächsten Morgen schickt sie ihm eine Sprachnachricht: „Ich will einfach nur, dass Fabian gefunden wird.“

Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung durch das Gericht die Unschuldsvermutung.