Rätsel im Mordprozess

Toter Fabian aus Güstrow: Großer Wunsch von Mama Dorina! Das sagt sie jetzt

Im Mordprozess um Fabian aus Güstrow hoffte seine Mutter vor allem auf Antworten. Drei Zeugen standen dabei besonders im Fokus.

Author - Florian Thalmann
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Dorina L. ist die Mama des toten Fabian aus Güstrow. Sie erhoffte sich vor allem von den Aussagen der Tümpel-Zeugen wichtige Antworten.
Dorina L. ist die Mama des toten Fabian aus Güstrow. Sie erhoffte sich vor allem von den Aussagen der Tümpel-Zeugen wichtige Antworten.Bernd Wüstneck/dpa, Polizei

Noch mehr als eine Woche, dann wird der Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow fortgesetzt. Wochenlang wurde schon vor der großen Sommerpause verhandelt, jetzt soll es noch einmal spannend werden. Welche Zeugen kommen noch zu Wort? Was wird die Angeklagte Gina H. sagen, wenn sie sich zu Wort melden sollte? Und werden alle Fragen von Fabians Mama Dorina L. beantwortet? Eine war ihr schon vor Wochen besonders wichtig – und ein Grund, warum sie den Prozess trotz der seelischen Strapazen auf sich nahm. Wurde ihr größter Wunsch erfüllt?

Tümpel-Zeugen von Gina H. zu totem Fabian geführt

Fabians Mama Dorina L. hat an den meisten der Verhandlungstage teilgenommen, kämpft vor Gericht um Gerechtigkeit für ihren getöteten Sohn. Vor allem drei Zeugenaussagen waren ihr ganz besonders wichtig: jene der sogenannten Tümpel-Zeugen, die von Gina H. zur Leiche des kleinen Fabian geführt wurden. Es handelte sich um zwei Bekannte von Gina H. – Christian D. und Olaf K. wurden von der Angeklagten laut ihrer Aussagen schon am Tag vor dem offiziellen Leichenfund zu Fabians sterblichen Überresten geführt.

Die dritte Tümpel-Zeugin war Heike M., eine langjährige Freundin von Gina H. Sie sollte mit ihren Hunden am Morgen des 14. Oktober mit zum Tümpel kommen. Der Grund: Gina H. wollte die Leiche der Polizei melden, ohne sich selbst verdächtig zu machen – und brauchte deshalb einen Plan. Ihre Idee laut Heike M.: Der Hund sollte die Leiche von Fabian bei einem zufälligen Spaziergang finden.

Doch Heike M. erklärte später schon den Polizeibeamten am Tatort, dass die Version von Gina H., der Fund der Leiche sei ein Zufall gewesen, nicht stimme – und dass sie alles geplant habe.

Gina H. wurde an jedem der Verhandlungstage mit Fußfesseln zu ihrem Platz geführt. Ihr wird vorgeworfen, Fabian aus Güstrow getötet zu haben.
Gina H. wurde an jedem der Verhandlungstage mit Fußfesseln zu ihrem Platz geführt. Ihr wird vorgeworfen, Fabian aus Güstrow getötet zu haben.Stefan Sauer/dpa

Fabians Mama Dorina L. wollte die Aussagen der Tümpel-Zeugen unbedingt hören. Ihr großer Wunsch: „Bei den ersten beiden wollte ich verstehen, warum man nicht die Polizei gerufen hat.“ Die Männer, die bereits am Abend des 13. Oktober mit Gina H. am Tümpel waren, griffen danach nicht zum Telefon, um die Behörden zu informieren. „Ich wollte es verstehen. Ich kann es noch immer nicht verstehen.“ Doch ihre Sichtweise zu hören und im Prozess zu erfahren, wie sie sich fühlten, habe bei Dorina L. Verständnis für ihre Situation geweckt.

Zeugen im Fall Fabian: Angst, verdächtigt zu werden

Christian D. schilderte, dass er nach dem Fund von Fabians Leiche selbst große Angst hatte, verdächtigt zu werden. Zu Gina H. habe er gesagt: „Was wollen wir denen denn erzählen?“ Er habe außerdem nur noch vom Tümpel weggewollt, sagte er. Es habe sich angefühlt, als habe er Scheuklappen gehabt. Er habe nach der Nacht den Kontakt zu Gina H. abgebrochen.

Der zweite Tümpel-Zeuge, Olaf K., hatte ebenfalls Angst – und gab noch dazu vor Gericht an, er sei von Gina H. manipuliert worden. Für Dorina L. ist klar: Auch wenn sie etwas Verständnis für die Situation der Zeugen hatte: „Nachvollziehen kann ich es aber immer noch nicht“, sagte sie in einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“.

Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow verantworten. Seit Monaten muss sie sich im wichtigsten Mordprozess des Jahres vor Gericht verantworten.
Gina H. soll den kleinen Fabian aus Güstrow verantworten. Seit Monaten muss sie sich im wichtigsten Mordprozess des Jahres vor Gericht verantworten.Bernd Wüstneck/dpa

Denn es geht auch anders: Die dritte Tümpel-Zeugin sagte der Polizei noch vor Ort, dass der scheinbar harmlose Spaziergang ein Plan von Gina H. war. Fabians Mama sei dankbar, dass mit dem Vorgehen von Heike M. die Ungewissheit ein Ende hatte. „Dass wenigstens ein Mensch den Mut hatte und gesagt hat: Wir rufen da jetzt an.“

Und dass sie dann direkt gegenüber einem Polizisten vor Ort ihre wahren Eindrücke schilderte. Sie zeigt sich sogar dankbar, dass Heike M. mit zum Tümpel fuhr. Die große Angst von Fabians Mama: Wenn sie nicht mitgefahren wäre, hätte es vielleicht noch länger gedauert, bis Fabian gefunden worden wäre.

Fabians Mama „froh, dass Heike so gehandelt hat“

„Ich bin froh, dass Heike so gehandelt hat“, sagt Dorina L. Im Landgericht Rostock, wo der Prozess im Mordfall Fabian stattfindet, hätten sie und die Tümpel-Zeugin sich auch schon kurz unterhalten. „Ich habe ihr Danke gesagt und wir haben kurz über Fabi gesprochen.“

Heike M. habe nicht über die Auffindesituation sprechen wollen. Aber: Sie habe sich gewünscht, dass sie beide zusammen zu Fabian auf den Friedhof fahren und ihn besuchen, wenn alles überstanden ist. „Wir haben gesagt: Wir machen das – wenn alles überstanden ist.“

Der kleine Fabian aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025 aus dem Haus seiner Mutter in Güstrow. Erst wurde tagelang nach dem Jungen gesucht, dann tauchte seine Leiche an dem besagten Tümpel bei Klein Upahl auf. Die Ermittler gehen davon aus, dass Gina H. die Täterin ist. Sie soll Fabian unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt haben und mit ihm zum Tümpel gefahren sein.

Dort habe sie ihn, so die Anklage, mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers getötet und seine Leiche anschließend verbrannt. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am 6. August am Landgericht Rostock fortgesetzt.