Bei allen Dingen, die im Mordprozess um den toten Fabian aus Güstrow bereits auf den Tisch kamen, werden manche Ereignisse rund um das Verschwinden des Jungen vermutlich immer ein Rätsel bleiben. Dazu gehört auch die Frage, wie die Angeklagte Gina H. mit dem Jungen am Tag seines Verschwindens in Kontakt kam – und wie sie ihn dazu brachte, mit ihr auf das Feld bei Klein Upahl zu fahren. Die Ermittler glauben, dass die 30-Jährige den Jungen dort ermordete und seine Leiche später verbrannte. Doch: Was geschah in den Stunden davor? Und: Wurde dem kleinen Fabian seine liebe Art zum Verhängnis?
Fall Fabian: Zeugen belasteten Gina H. schwer
Fabian wurde am 10. Oktober an einem Tümpel bei Klein Upahl mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers ermordet, anschließend wurde seine Leiche verbrannt. Eine grauenhafte Tat, die die Justiz weiter beschäftigt. Die Ermittler glauben, dass die heute 30-jährige Gina H. die Täterin ist. Für sie gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung. Viele Zeugen sagten im Prozess bereits aus und belasteten die junge Frau aus Reimershagen schwer. Doch manche Dinge sind bisher unklar.
Etwa die Frage, wie es am Tag von Fabians Verschwinden überhaupt zum Zusammentreffen der beiden gekommen sein könnte. Lange hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft nur, Gina H. habe Fabian unter einem Vorwand aus dem Haus gelockt.
Der damals acht Jahre alte Junge sollte an jenem Tag eigentlich zu Hause bleiben, denn er hatte am Tag zuvor an Nasenbluten gelitten und sollte sich weiter erholen. Doch als seine Mutter am Abend von der Arbeit kam, war er weg.

Welchen Vorwand könnte Gina H. genutzt haben, um Fabian aus dem Haus zu locken? Dazu äußerte sich der zuständige Staatsanwalt schon lange vor dem Prozess. Denn die Frage sollte im Prozess um den Mordfall eigentlich geklärt werden. „Den Vorwand kannten vermutlich nur zwei Personen“, sagte Harald Nowack in einem Interview. „Die eine will ihn nicht nennen, und der andere kann ihn nicht mehr nennen.“
Trafen sich Gina H. und Fabian schon vorher?
Vor Gericht wurde auch zum Thema, ob Gina H. und Fabian sich bereits vorher getroffen haben könnten – und zwar am 9. Oktober. Ein Ermittler schilderte am 14. Prozesstag, dass es beim Vergleich der Bewegungsprofile von Fabian und Gina H. Überschneidungen gegeben habe. Die Angeklagte soll sich nach einem Treffen mit einem Bekannten in der Nähe von Fabians Wohnung aufgehalten haben.

„Es gab zwei Zeitfenster, in denen Gina H. Fabian getroffen haben könnte. Das zweite Zeitfenster ist besonders wahrscheinlich.“ Verabredeten sie sich also schon am Tag zuvor? „Auf dem Weg von seinem Freund zum Jugendclub“ habe es zu einem Treffen kommen können, so der Ermittler. „Fabian geht um 14.20 Uhr los. Er fährt dann eventuell um 14.25 Uhr bei Gina H. vorbei.“ Nur eine Hypothese – aber eine, die auch Fabians Mutter Dorina L. beschäftigte.
Treffen von Gina H. und Fabian für Mutter „plausibel“
Für sie hört sich die Hypothese, dass es schon vorher zu einem Zusammentreffen kam, plausibel an, sagte sie in einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“. Sie und ihre Freunde hätten sich die ganze Zeit die Frage gestellt, wie die beiden an jenem Tag in Kontakt kamen. Es könnte auch an Fabians lieber Art gelegen haben. „Fabi hat sich von Menschen, die er kannte, auch aufhalten lassen.“

Wenn der Junge jemanden gesehen habe, habe er mit Personen, die er kannte, gern auch gesprochen. „Dann hat er kurz angehalten und mit denen geredet – bei Personen, die er gekannt hat“, sagt seine Mama. „Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass es zu diesem Treffen kam. Was genau dort dann gewesen ist, was da gesagt worden ist, das kann natürlich nur noch eine beantworten. Aber es ist für mich plausibel.“
Nicht ganz überzeugt sei sie von der Idee gewesen, dass Gina H. einfach an der Tür klingelte und ihn herauslockte. „Nur dieses Klingeln an der Tür: Fabi, komm runter, ich habe eine Überraschung – daran habe ich Zweifel gehabt.“


