Der Bezirk Mitte hat einen neuen Plan für den Hauptbahnhof, der nicht bei allen gut ankommt! Die An- und Abreise mit E-Scootern und Fahrrädern soll leichter werden. Dafür müssen aber die Taxis vom Vorplatz verschwinden, was ihren Fahrern natürlich überhaupt nicht passt.
Das ist der neue Plan für den Hauptbahnhof
Das Bezirksamt Mitte will zusammen mit den Berliner Verkehrsbetrieben auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs einen Jelbi-Stützpunkt errichten – einen festen Stellplatz für E-Bikes, -Roller und -Mopeds. Rund um den Hauptbahnhof sollen zudem insgesamt 140 Fahrradstellplätze entstehen, heißt es in einer Pressemitteilung des Bezirksamtes. Schrottfahrräder würden entfernt. So wolle man „klimafreundliche Mobilität“ stärken.
Dafür müssen die Taxis, die hier bisher Fahrgäste eingesammelt und abgeliefert haben, weichen! „Die Taxi-Abfahrt erfolgt zukünftig ausschließlich auf dem Washingtonplatz südlich des Bahnhofs“, lautet der Plan. Der Taxi-Ausstieg sei in der Tiefgarage möglich. „Von dort aus ist mit kurzen Fußwegen ein barrierefreier Zugang zur passenden Ebene im Bahnhof gewährleistet“, argumentiert das Bezirksamt.
Die Verkehrsinformationszentrale zeigt hier die geplante neue Aufteilung am Hauptbahnhof:
Das @BA_Mitte_Berlin verbessert die An- und Abreisemöglichkeiten am Berliner #Hauptbahnhof. Die Taxi-Abfahrt erfolgt zukünftig ausschließlich auf dem Washingtonplatz. Für das Abstellen von E-Scooter, E-Bikes und E-Mopeds werden insgesamt 6 Abstellflächen ein. https://t.co/tR63cnUTZx pic.twitter.com/uD2ZuTaEsp
— Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ Berlin) (@VIZ_Berlin) September 25, 2023
Taxifahrer sind sauer
Den Taxifahrern gefällt der Plan überhaupt nicht! Richard Leipold von der Berliner Taxivereinigung vertritt etwa 50 Unternehmen und betont gegenüber RBB: Zu einem funktionierenden Bahnhof in einer Großstadt wie Berlin würden auch Taxihalteplätze gehören – und zwar zentral: „Ein Taxihalteplatz vor einem Hauptbahnhof ist die Visitenkarte einer Stadt“, betont Leipold. Diese Visitenkarten „das Klo runterzuspülen“, hält der Taxiunternehmer für unklug.
Auch Danielo Baltrusch von der Berliner Taxi-Innung argumentiert gegen die Neuerung: „In der Tiefgarage kann man schon seit Jahren Fahrgäste absetzen.“ 15-minütige Halts seien zwar kostenlos – aber er rechnet mit Staus in der Tiefe, „wenn das massenweise passiert“. Auch, weil Privatpersonen künftig die Tiefgarage für das Absetzen von Reisenden nutzen sollen. Ein weiteres Problem: Großraumtaxen passen nicht durch die Einfahrt! „Man müsste das Taxischild abbauen“, erklärt Baltrusch. Damit würden die Taxifahrer aber gegen Vorschriften verstoßen.
Die Taxen auf die Rückseite des Hauptbahnhofs zu verbannen, nutze nur der Konkurrenz, ärgert sich Baltrusch weiter. „Wir werden immer weiter weggeschoben. Für uns kommen die Uber vorgefahren, die nicht auf Taxenordnung und Vorschriften Rücksicht nehmen müssen.“

Was sagen die Berliner?
Auch die Berliner sind nicht gerade begeistert vom neuen Taxi-Konzept: „Viele Fahrgäste laufen doch automatisch Richtung Europaplatz, weil dort die Tram und die Busse abfahren … und zum Taxi, weil es der kürzeste Weg ist. Ein Wegfall wäre unsinnig und nicht kundenfreundlich“, argumentiert ein Nutzer des Kurznachrichtendienstes X (ehemals Twitter).
„So ein Schwachsinn! Lasst bitte alles, wie es ist. Keiner wird die Taxis mehr finden und wirklich niemand braucht noch mehr E-Scooter irgendwo!“, ärgert sich ein weiterer Berliner. Eine andere Userin ergänzt: „Als Frau finde ich die Nummer mit der Tiefgarage unmöglich! Darf ich dann immer Angst haben, wenn ich ein Taxi brauche?“
Es gibt aber auch ein paar Stimmen pro „klimafreundliche Mobilität“: „Typisch Berliner, immer erst mal meckern! Wartet doch mal ab, wir werden uns schon daran gewöhnen. Und den Schritt in Richtung grünerer Hauptbahnhof finde ich super.“




