Marode Halle

Pankow: Jetzt sollen Geflüchtete in altem Baumarkt unterkommen

Zwischen Autobahn und Neubau-Baustelle soll ein maroder Baumarkt zur Flüchtlingsunterkunft ertüchtigt werden.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Pankow braucht Unterkünfte für Flüchtlinge, in der Idunastraße soll ein ehemaliger Baumarkt umgebaut werden.
Pankow braucht Unterkünfte für Flüchtlinge, in der Idunastraße soll ein ehemaliger Baumarkt umgebaut werden.Volkmar Otto

Pankow ist der Bezirk, der berlinweit den größten Anteil an Unterkünften für Geflüchtete bereitstellt. Wie überhaupt die Ostbezirke überdurchschnittlich viele Unterkünfte vorhalten (Pankow beherbergt laut LAF-Statistik 15,94 Prozent der Geflüchteten in Berlin, Marzahn-Hellersdorf 13,48 Prozent, Lichtenberg 12,57 Prozent und Treptow-Köpenick 8,41 Prozent.) In den Innenstadtbezirken werden erwartungsgemäß weniger Geflüchtete untergebracht (Mitte 4,85 Prozent, Friedrichshain-Kreuzberg 3,11 Prozent, Charlottenburg-Wilmersdorf 3,59 Prozent). Aber auch in den Westbezirken sind die Prozentzahlen bis auf Tempelhof-Schöneberg mit 12,76 Prozent einstellig: Reinickendorf 4,02 Prozent, Spandau 7,33 Prozent, Steglitz-Zehlendorf 8,43 Prozent, Neukölln 5,51 Prozent.

Pankow: Neue Unterkunft für Flüchtlinge in altem Baumarkt

Nun soll in Pankow, dem Bezirk, in dem die Stimmung wegen eines umstrittenen Neubaus im Schlosspark-Kiez eh schon kippt, und der bereits 16 Unterkünfte bereitstellt, eine weitere Unterkunft entstehen, berichtet die Morgenpost. Ausgerechnet ein alter, maroder Baumarkt zwischen Autobahnauffahrt und Neubaugebiet an der Idunastraße in Heinersdorf soll als Unterkunft ertüchtigt werden.

Die Not, ankommende Menschen in Berlin unterzubringen, ist groß. Nun müssen Senat und LAF (Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten) zu drastischen Mitteln greifen. Denn eigentlich war die seit langem leer stehende Liegenschaft schon von der Liste der geeigneten Gebäude aussortiert worden. Der Bezirk verneinte jüngst, dass die mit Graffiti beschmierten, hohen Hallen als Unterkunft infrage kommen.

Ein ehemaliger Baumarkt ist vom Ideal, wohnungsähnliche Unterkünfte für geflüchtete Menschen zu schaffen, weit entfernt. 
Ein ehemaliger Baumarkt ist vom Ideal, wohnungsähnliche Unterkünfte für geflüchtete Menschen zu schaffen, weit entfernt. Volkmar Otto

Nun sollen mittelfristig bis zu 300 Bewohner einziehen, berichtet die Morgenpost. Bilder, auf denen Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht werden, wie 2015 will man um jeden Preis vermeiden. 

Man habe das Berliner Immobilienmanagement (BIM) mit der Umsetzung des Projekts beauftragt, berichtet ein LAF-Sprecher gegenüber der Morgenpost. Die meisten Detailfragen könne man noch nicht beantworten, weil sich das Vorhaben erst in der Planungsphase befinde. „Daher kann noch kein Zeitplan genannt werden“, heißt es.

Gleich nebenan errichtet die Gesobau ein neues Stadtquartier mit 14 Häusern und 424 Wohnungen, nebst zwei Seniorenwohnhäusern und – immerhin einer Kindertagesstätte. Die restliche soziale Infrastruktur ist überschaubar. 

In Sachen Schulplätzen sieht die Situation im Bezirk weiter katastrophal aus. Weil in Pankows Schulen immer mehr Kinder beschult werden sollen, ist die Warteliste für Geflüchtete lang. Allein in Pankow gibt es 83 Willkommensklassen mit 1081 Schülern. Besonders lang sind die Wartelisten in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Pankow sowie wegen der großen Unterkünfte beziehungsweise Ankunftszentren in Tempelhof und Tegel. In den besonders betroffenen Bezirken überlegt man nun, Unterricht in den Unterkünften anzubieten. Bis das im Falle des verlassenen Baumarkts gelingt, wird noch einige Zeit vergehen. Der Einzug von Geflüchteten ist noch nicht absehbar. Der Leerstand, Brände und Vandalismus haben Spuren hinterlassen.