Neue Zahlen

So abhängig ist Deutschland von ausländischen Pflegekräften

Eine neue Analyse zeigt: Fast vier von zehn registrierten Pflegekräften kommen aus dem Ausland. Berlin ist bundesweiter Spitzenreiter.

Author - Mariella Mandurino
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Im bundesweiten Durchschnitt haben rund 39 Prozent des Pflegepersonals keinen deutschen Pass.
Im bundesweiten Durchschnitt haben rund 39 Prozent des Pflegepersonals keinen deutschen Pass.Waltraud Grubitzsch/dpa

Der Pflegenotstand in Deutschland ist längst Realität. Eine neue Analyse zeigt, wie sehr Krankenhäuser und Pflegeheime inzwischen auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind. Fast vier von zehn auf einer Jobplattform registrierten Pflegekräften besitzen keinen deutschen Pass. In Berlin kommt sogar mehr als jede zweite Kraft aus dem Ausland.

Berlin liegt bundesweit an der Spitze

Der Hintergrund: Deutschland fehlen nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahr 2034 rund 350.000 Pflegekräfte. Schon heute lässt sich der Personalbedarf vielerorts kaum noch ohne ausländische Fachkräfte decken. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Jobportals Pflegia hervor. Grundlage sind die anonymisierten Daten von mehr als 55.000 registrierten Pflegekräften. Rund 23.000 von ihnen haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, das entspricht 39 Prozent.

Das erste multikulturelle Seniorenheim Deutschlands ist das DRK-Multikulturelles Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Duisburg.
Das erste multikulturelle Seniorenheim Deutschlands ist das DRK-Multikulturelles Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Duisburg.Petra Steuer/Imago

Besonders hoch ist der Anteil internationaler Pflegekräfte in Berlin. Hier besitzen 55 Prozent der registrierten Bewerber keinen deutschen Pass. Dahinter folgen Baden-Württemberg mit 53 Prozent und Bremen mit 52 Prozent. Deutlich niedriger fällt der Anteil dagegen in Mecklenburg-Vorpommern (20 Prozent), Sachsen-Anhalt (22 Prozent) und Brandenburg (28 Prozent) aus. Insgesamt liegt der Anteil in den alten Bundesländern einschließlich Berlin bei mehr als 44 Prozent, in den neuen Bundesländern dagegen bei 25 Prozent.

Die große Mehrheit der internationalen Pflegekräfte könnte sofort eingesetzt werden. Knapp 83 Prozent verfügen bereits über eine gültige Arbeitserlaubnis. Rund zehn Prozent besitzen noch keine, bei etwa sechs Prozent läuft das Verfahren noch. Berlin schneidet auch hier besonders gut ab: Mehr als 85 Prozent der internationalen Bewerber verfügen bereits über eine Arbeitserlaubnis.

Diese Länder stellen die meisten Pflegekräfte

Die meisten internationalen Pflegekräfte stammen laut der Analyse aus Syrien. Es folgen die Ukraine und die Türkei. Weitere wichtige Herkunftsländer sind Afghanistan, Indien, Polen, Rumänien, Marokko, Irak und Iran.

Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal warnt deshalb davor, das Potenzial internationaler Fachkräfte zu unterschätzen. Bereits heute sei die Versorgung ohne sie kaum noch aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig verfüge der überwiegende Teil dieser Beschäftigten bereits über die nötigen Voraussetzungen, um kurzfristig in Deutschland zu arbeiten. Angesichts der prognostizierten Personallücke müsse Deutschland internationale Pflegekräfte gezielt gewinnen und langfristig halten.

Sollte Deutschland mehr internationale Pflegekräfte anwerben? Und haben Sie selbst Erfahrungen mit internationalen Pflegekräften gemacht? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com