Stilles Örtchen wird kühles Örtchen

Bis zu 37 Grad! Wieder Hitze in Berlin – Senat empfiehlt: „Ab aufs Klo!“

Es wird wieder heiß! Da empfiehlt der Berliner Senat tatsächlich öffentliche Toiletten als Schutz vor der Hitze. Warum die Klos jetzt als „kühle Orte“ gelten.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Blick in die Herrenabteilung einer öffentlichen Toilette in Berlin. Dort soll man sich auch künftig bei Hitze abkühlen.
Blick in die Herrenabteilung einer öffentlichen Toilette in Berlin. Dort soll man sich auch künftig bei Hitze abkühlen.Heiko Kueverling/imago

Die nächsten Hitzetage steuern auf uns zu. In Berlin soll es am Donnerstag (30. Juli) bis zu 37 Grad Celsius heiß werden. Da ist dringend Abkühlung notwendig – und auch der Besuch von kühlen Orten. Der Berliner Senat weiß auch, wo wir diese finden. Er rät uns Berlinern: Wir sollen ab aufs Klo!

Toiletten als Hitzeschutz

Das stille Örtchen wird zum kühlen Örtchen bei heißem Wetter. So sieht es der Berliner Senat. Und das ist kein Scherz. Gemeint sind allerdings nicht unsere Toiletten daheim oder in der Firma, in die wir an heißen Tagen flüchten sollen. Der Senat meint die öffentlichen Bedürfnisanstalten im Stadtgebiet. Insgesamt 472 soll es dort laut der Senatsverwaltung für Klima- und Umweltschutz geben.

Warum sie nun an sehr heißen Tagen zum kühlen Zufluchtsort für die Berliner werden sollen? Das steht jetzt in einer Antwort auf eine parlamentarische Frage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux. Der wollte nämlich wissen, was die Kühle-Orte-Karte des Berliner Senats eigentlich taugt.

Kühle-Orte-Karte? Was ist das denn? Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege hat seit einem Jahr auf ihrer Internetseite ein sogenanntes Hitzeschutz-Portal. Und dort befindet sich auch die Kühle-Orte-Karte. Darauf sind Tausende von Orten im Berliner Stadtgebiet aufgezeichnet, die Berliner zum Schutz vor zu starker Hitze aufsuchen sollen.

Eine öffentliche Toilette in Oberschöneweide. Insgesamt gibt es 472 öffentliche Bedürfnisanstalten in Berlin.
Eine öffentliche Toilette in Oberschöneweide. Insgesamt gibt es 472 öffentliche Bedürfnisanstalten in Berlin.STPP/imago

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux wollte nun vom Senat wissen, nach welchen Kriterien diese Orte für diese Karte ausgesucht werden. Die Antwort: Es werden die Orte in Berlin abgebildet, „die nach Einschätzung des Senats der Abkühlung oder Erfrischung bei Sommerhitze dienen.“

Warum Klos als Abkühlung bei Hitze?

Und dann wird die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege konkret und zählt die kühlen Orte auf, die den Berlinern Schutz vor Hitze geben sollen. „Dazu gehören bspw. Trinkwasserbrunnen der Berliner Wasserbetriebe, Parks, Badestellen oder auch Schwimmbäder der Berliner Bäder-Betriebe.“

Also alles Orte, auf die die Berliner auch selber gekommen wären. Bis auf einen. Ganz ehrlich, wer wäre denn wirklich darauf gekommen, dass auch ein öffentliches WC Schutz gegen Hitze bieten kann? Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege ist es jedenfalls.

Stellte eine Frage nach kühlen Orten: Benedikt Lux (Grüne).
Stellte eine Frage nach kühlen Orten: Benedikt Lux (Grüne).Britta Pedersen/dpa

So teilt die Behörde im Zusammenhang mit der Frage nach der Kühle-Orte-Karte dem Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux mit: „Zudem wird bei Hitze empfohlen, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Deshalb werden auch die öffentlichen Toiletten auf der Karte aufgeführt.“

Ob das jetzt gut ist oder nicht, darüber kann sich nun jeder Berliner eine eigene Meinung bilden. Das öffentliche Klo als Schutzraum vor Hitze: Nach jedermanns Geschmack dürfte das jedenfalls nicht sein. Abgesehen davon, dass ein Teil der 472 öffentlichen Toiletten sogar kostenpflichtig ist. Die Benutzung kostet 50 Cent.

Vielleicht ist diese Senatsantwort auch nur als Hinweis gedacht. Nach dem Motto: „Wundern Sie sich nicht, wenn in den kommenden Hitzetagen das eine oder andere stille Örtchen in der Stadt dauerbesetzt ist.“ Nicht weil jemand ein dringendes Problem zu erledigen hat, sondern nur, weil er Schutz vor Hitze sucht.

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