Immer mehr Flüchtlinge

KURIER kennt Zahlen: So viel verdienen Schleuser mit Not der Flüchtlinge

Ein Bericht aus dem Flüchtlingszentrum in Eisenhüttenstadt: Die Hälfte der Flüchtlinge wird illegal über Russland geschleust.

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Bei Fahrzeugkontrollen findet die Bundespolizei immer wieder Flüchtlinge, die illegal nach Deutschland  eingeschleust werden sollen. Mit diesem aus Polen kommenden Audi A4 mit polnischem Kennzeichen wollte bei Frankfurt (Oder) ein estnischer Fahrer  drei syrische Staatsangehörige einschmuggeln, einer davon lag im Kofferraum.
Bei Fahrzeugkontrollen findet die Bundespolizei immer wieder Flüchtlinge, die illegal nach Deutschland eingeschleust werden sollen. Mit diesem aus Polen kommenden Audi A4 mit polnischem Kennzeichen wollte bei Frankfurt (Oder) ein estnischer Fahrer drei syrische Staatsangehörige einschmuggeln, einer davon lag im Kofferraum.Bundespolizei

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, versuchen vor allem über die deutsch-polnische Grenze illegal einzureisen. Allein am Wochenende hat die Polizei 173 unerlaubte Einreisen in der Grenzregion aufgedeckt. In Forst (Spree-Neiße) wurden von der Bundespolizei 115 Menschen aufgegriffen,  überwiegend syrische und türkische Staatsangehörige im Alter zwischen einem und 46 Jahren. Gewinner des miesen Spiels sind skrupellose Schleuser. KURIER erklärt, wie viel sie dabei verdienen.

Direkt hinter der polnischen Grenze liegt in Eisenhüttenstadt eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Hundert Menschen kommen in der ehemaligen Kaserne in Brandenburg täglich an, Tendenz steigend. Ihr Weg nach Deutschland führt sie teils über die Balkanroute, aber inzwischen auch immer häufiger über Russland und Belarus. Schleuser verlangen für die Reise nach Deutschland Tausende Euro.

Täglich kommen 100 Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt an

„Täglich kommen hier sieben Tage die Woche etwa um die 100 Personen“, sagt Olaf Jansen, Leiter der Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt, wo in der Erstaufnahmeeinrichtung bis zu 1550 Menschen untergebracht werden können. Jansen rechnet damit, dass es bald 120 täglich sein werden.

Er sieht von der Auslastung der Kapazitäten inzwischen eine ähnliche Lage wie zu Zeiten der Flüchtlingskrise von 2015/2016, wenn auch Geflüchtete aus der Ukraine einbezogen werden, die ohne Asylantrag in Deutschland bleiben können. Gleichzeitig wurden aber von Januar bis August deutschlandweit über 220.000 Asylanträge anderer Nationalitäten registriert. Das ist schon jetzt mehr als in jedem Jahr seit 2016.

In Eisenhüttenstadt komme die Hälfte der Geflüchteten „über Moskau und Weißrussland“ nach Deutschland, sagt Jansen. „Die andere Hälfte über die sogenannte Balkanroute, die mittlerweile über Ungarn und die Slowakei auch durch Polen verläuft.“ Schleuser verlangten von den Menschen „3000 bis 15.000 Dollar“ (2800 bis 14.000 Euro), „je nachdem, wie komfortabel die Reise ist“.

Der Syrer Abdulhamid Asrak kam über die Balkanroute. „In Syrien herrscht Krieg, es gibt Bombardierungen und keine Sicherheit“, sagt der 34-Jährige, der nun in Deutschland Asyl beantragt. Zunächst war er in der Türkei. Doch dort gebe es „viel Rassismus“ gegen Syrer.

Eine Gruppe von 18 Männern und einer Frau, nach eigenen Angaben aus Syrien, wird nach einem Bürgerhinweis von der Bundespolizei in der Nähe der polnischen Grenze aufgegriffen. Noch vor Ort wurden Corona-Schnelltests durchgeführt.
Eine Gruppe von 18 Männern und einer Frau, nach eigenen Angaben aus Syrien, wird nach einem Bürgerhinweis von der Bundespolizei in der Nähe der polnischen Grenze aufgegriffen. Noch vor Ort wurden Corona-Schnelltests durchgeführt.Bernd Wüstneck/dpa

Für seine Flucht nach Deutschland hat Asrak Schleuser bezahlt. „Von der Türkei nach Griechenland kostete es 500 Dollar, von Griechenland nach Serbien 1000 Dollar.“ Die letzte Etappe nach Deutschland habe dann nochmals 1000 Dollar gekostet.

An der Grenze zu Belarus hat Polen eigentlich seit 2021 einen gut befestigten Grenzzaun errichtet. Schon damals warf die EU dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, bewusst eine Flüchtlingskrise auslösen zu wollen, um die Europäer unter Druck zu setzen.

Jüngst warf Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) Russland und Belarus erneut vor, Flüchtlinge zu instrumentalisieren. Demnach werden syrische Flüchtlinge aus der Türkei „organisiert“ nach Russland geflogen, um dann über Belarus und Polen nach Deutschland zu kommen.

„Wir haben immer wieder Hinweise von einzelnen Geflüchteten, dass sie ganz konkret Hilfe bei der Überwindung der relativ gut ausgebauten polnisch-belarussischen Grenzanlagen erhalten“, sagt Jansen. So erhielten sie beispielsweise Leitern und Gerät, um Löcher in den Zaun zu schneiden.

Angesichts der steigenden Ankunftszahlen hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nun mit Polen und Tschechien mehr gemeinsame Kontrollen vereinbart, um Schleuser dingfest zu machen. Jansen begrüßt das: „Jeder Schleuser, der gefasst wird, bedeutet, dass er einige Dutzend Leute nicht mehr schleusen kann.“

Überwiegend kommen Menschen aus Afghanistan, Ägypten, Syrien und dem Iran

Doch immer wieder erreichen geschleuste Flüchtlinge Deutschland.  So wollten etwa Einsatzkräfte am Sonntag einen Kleintransporter nahe Cottbus kontrollieren. Der Fahrer missachtete jedoch die Anhaltesignale und floh in Richtung Ortsteil Kiekebusch, wo er 20 syrische Staatsangehörige im Alter von 16 bis 42 Jahren absetzte. Seinen Transporter ließ er in einem Nachbardorf zurück und floh dann zu Fuß. Fahndungsmaßnahmen blieben bislang erfolglos.

Gegen die mutmaßlich Geschleusten ermittelt die Bundespolizei unter anderem wegen des Verdachts der unerlaubten Einreise. Die Betroffenen wurden nach einem Schutzersuchen in die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes weitergeleitet. Die unbegleiteten Minderjährigen wurden dem zuständigen Jugendamt übergeben.

In Frankfurt (Oder) stellten Bundespolizisten durch Kontrollen die unerlaubte Einreise von insgesamt 58 Menschen an der Frankfurter Stadtbrücke, am Bahnhof Frankfurt (Oder) und der Autobahn 12 fest. Dabei handelte es sich überwiegend um Männer im Alter zwischen 16 und 53 Jahren aus Afghanistan, Ägypten, Syrien und dem Iran.