Am Donnerstag erscheint mit „Der war’s“ Juli Zehs sechstes Kinderbuch. Das Buch ist nicht nur spannend für Kinder, sondern verpackt auch witzig eine durchaus ernst gemeinte Kritik am deutschen Bildungssystem. Diese Missstände sind in den Schusslicht-Ländern Berlin und Brandenburg besonders oft zu spüren. Die Autorin spricht aus eigener Erfahrung.
Auf die Frage, wie sie dazu kam, auch für Kinder zu schreiben, antwortet Zeh, es liege für sie nahe. Als Kind habe sie gern gelesen und den Kinderbüchern von damals eine Menge zu verdanken. Seit sie selbst Mutter ist – Zeh hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in Brandenburg –, sei es für sie noch logischer.
Und so taucht in der Geschichte um Gerechtigkeit in einer Schulklasse auch der in Berlin bekannte, gravierende Lehrermangel auf. Ebenso Unterrichtsausfall und Technik-Defizite. In der 6a fällt etwa der Mathe-Unterricht aus, weil die Vertretung des Vertretungslehrers nicht da ist. Dafür übernimmt die Fußpflegerin Frau Lukadu, die seit einigen Wochen an der Schule als Biologielehrerin tätig ist. Das klingt absurd.
Eltern von Schulkindern aber kennen den großen Verschiebebahnhof, der täglich an den Schulen der Stadt stattfindet. Lücken stopfen ist Alltag. Wie auch der tägliche Kampf mit der Technik. Im Buch ist zum Beispiel an einer Schule seit Wochen das Smartboard kaputt oder es fehlt ein Laptopkabel, statt Unterricht zu machen, zeigt der Lehrer Filme.
Heuchelei: Kinder hochloben, aber keine Bildung finanzieren
Bei der Entwicklung von Geschichte und Figuren hätten sie und ihre Freundin sich daran orientiert, was sie selbst erfahren, erklärt Zeh. Ihre Kinder gehen auf die Grundschule, Hovens Mann unterrichtet an einem Gymnasium. „Wir hatten eine Fülle von absurden Episoden zur Verfügung, die wir auf witzige Weise verwenden können.“
Ihre Kritik richte sich nicht gegen die Arbeit von Lehrern, betont Zeh. „Wir nehmen eher eine Gesellschaft aufs Korn, die ständig das Wohl des Kindes in den Himmel lobt, aber dann nicht bereit ist, das Bildungssystem zu finanzieren.“ Sie empfinde das als „schlimme Heuchelei“ und „politischen Kardinalfehler“.

Nicht umsonst hatte das Bündnis Bildungswende jetzt! am Samstag in vielen Städten Deutschlands zu Demonstrationen aufgerufen. Gewerkschaften, Bildungsverbände, Eltern und Schülern unterstützen den Protest und die Forderung nach mehr Geld für Bildung: „Die Bildung ist in der Krise, Schulen und Kitas fallen auseinander. Es braucht mehr Investitionen in der Bildung. Wenn wir 100 Milliarden für Kriegsrüstung und Panzer haben, dann haben wir auch 100 Milliarden für das Bildungswesen“, hatte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW, gefordert.



