Heftige Kritik an Berlin und dem Bezirk Mitte! Auf der Webseite des Bezirksamtes Mitte stand jahrelang ein vermeintliches Kinderbuch mit dem Namen „Rosi sucht Geld“. Damit sollte schon Sechsjährigen erklärt werden, was ein Straßenstrich ist!
Als ob das noch nicht genug ist, waren in dem Buch bereits anzügliche Abbildungen zu sehen, die unter anderem eine Prostituierte mit Brüsten und einem deutlich sichtbaren Schambereich um die Vagina zeigten.
Berliner Kinderbuch soll Sechsjährigen Straßenstrich erklären
Das Kinderbuch, welches für Kinder ab sechs Jahren gedacht war, sollte des Kindern das Leben der Prostituierten auf dem Straßenstrich in Tiergarten und Schöneberg näherbringen. In dem Buch erklärt die Sexarbeiterin Rosi den beiden Kindern Maryam und Martin, was eigentlich ihr Job ist. Rosi ist demnach Bulgarin und ernährt ihre Kinder in ihrer Heimat mit ihrem Job.
Vor allem zwei Stellen stießen in dem Buch übel auf: „Die Männer wollen ihren Penis in meine Vagina stecken. Ein paar Mal rein und ein paar Mal raus und fertig. Mehr ist da gar nicht dran“, erklärt Rosi im Buch über ihre Tätigkeit. Weiter heißt es: „Die Männer, zu denen sie ins Auto steigt, nennt man Freier. Ansonsten sind sie Väter, Nachbarn oder Kollegen“. Es gehe dabei nicht um Liebe, sondern um „Sex wie im Fernsehen“.
Explizite Illustrationen zeigen Paare beim Sex und beim Schauen von Pornos
Statt einer Einordnung sind explizite Darstellungen der Künstlerin zu sehen. Dabei ist zu erkennen, wie ein Mann mit seinem Penis in eine Frau eindringt. Auf einer anderen Illustration schaut ein Paar gemeinsam Pornos.
Zunächst war das Werk im Podcast „Die Podcastin“ von Isabel Rohner und Regula Staempfli kritisiert worden. Die Frauen bemängelten unter anderem, dass das Buch die teils brutale Lebenswelt des Straßenstrichs verharmlose und nannten es „Prostitutionspropaganda für Sechsjährige“. Immer wieder gibt es Berichte über die Verstrickungen zwischen dem Straßenstrich und Menschenhändlerringen sowie Drogengeschäften.
Später Shitstorm für gut gemeintes Projekt
Es folgte dementsprechend ein heftiger Shitstorm in den sozialen Netzen. Dabei war das Buch eigentlich gut gemeint. Es entstand als Zusammenarbeit des Vereins Gangway für Straßensozialarbeit mit der Künstlerin Anita Staud. Kiezbewohner sollen sich den Angaben des Bezirksamtes nach dafür eingesetzt haben, weil diese nicht wussten, wie sie dies ihren Kindern erklären sollten. Das Buchprojekt wurde daher bereits vor zehn Jahren mit Mitteln aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwirklicht.
Der Bezirk sah sich durch den öffentlichen Druck nun zu einer Stellungnahme genötigt. „Seit zehn Jahren gab es keinerlei Reaktionen auf das Buch, obwohl es nach seinem Erscheinen aktiv beworben worden war“, heißt es von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Bündnis 90/Die Grünen). „Es wurde ausschließlich an Erwachsene ausgegeben, die selbst entschieden, wie und ob sie es verwenden wollen.“



