Der Pharmakologe Roland Seifert hat sich vorgenommen, zu untersuchen, wie im „Tatort“ Medikamente verabreicht und auch dargestellt werden. Die Idee entstand in der Corona-Zeit. Damals hatte er nur ein Bauchgefühl, dass im Sonntagskrimi manchmal etwas nicht stimmt. Inzwischen kann der Hochschulprofessor am Sonntagabend nicht mehr unbefangen vor dem Fernseher sitzen.
„Tatort“ gucken als Beruf – Roland Seifert geht der Serie auf die Spur
„Ehrlich gesagt hatte ich schon immer mal den Verdacht, dass da an manchen Stellen etwas nicht ganz stimmt“, erzählt Roland Seifert dem Evangelischen Pressedienst (epd). Als dann in einem Dresdner „Tatort“ bei einem allergischen Schock ein offensichtlicher Behandlungsfehler gezeigt wurde, sei sein Forscherehrgeiz geweckt worden. „Da wurde ohne Not etwas falsch dargestellt. Der Fehler hätte vermieden werden müssen.“
„Tatort“ macht gefährliche Aussagen zu Psychopharmaka
Zwar sei es denkbar, über unkritische Fehler hinwegzusehen, betonte Seifert. „Aber gefährlich wird es, wenn etwas grob falsch dargestellt wird.“ So gebe es eine Reihe von Fällen, bei denen Psychopharmaka im „Tatort“ eine Rolle spielten. „Da heißt es dann, derjenige, der das nimmt, wird zum Zombie, oder man erkennt schon auf den ersten Blick, dass jemand durch ein Mittel regelrecht auf Drogen gesetzt wirkt.“ Durch solche Darstellungen würden die Mittel und alles, was mit ihrer Verabreichung zu tun habe, in einen falschen Zusammenhang gebracht.
SO falsch stellt der „Tatort“ ADHS dar
Auch pauschale Aussagen zu Wirkweisen sind ihm negativ aufgefallen. „Nehmen wir das Beispiel von ADHS. Da wird in einer ‚Tatort‘-Folge Ritalin als Medikament zur Leistungssteigerung regelrecht glorifiziert. Es sorgt für einen Leistungs-Boost und verbessert das Wohlbefinden. Die Negativseite, dass Menschen durch die häufige Einnahme von Ritalin eben auch in ein tiefes Loch fallen können, wird nicht gezeigt oder auch nur thematisiert.“

„Tatort“ kann auch „positiven Lerneffekt“ haben, sagt Pharmakologe
Es gehe ihm mit der Analyse keinesfalls darum, den „Tatort“ schlechtzureden, sagte der Pharmakologe. Und tatsächlich gebe es auch positive Darstellungen. „Wenn dort gezeigt wird, wie eine homöopathische Behandlung bei der Versorgung einer bakteriellen Infektion an ihre Grenzen stößt, dann hat das vielleicht einen positiven Lerneffekt. Genau diese Effekte würde ich mir von der richtigen Darstellung von Wirkweisen erhoffen.“
Medikamente im „Tatort“: Die Redaktion weiß Bescheid
Die Doktorarbeiten seien den „Tatort“-Redaktionen bekannt, sagte Seifert. „Ob aber zukünftig mehr darauf geachtet wird, wie Medikamente im ‚Tatort‘ präsentiert werden, wissen wir nicht.“ Ihn selbst habe „noch niemand angerufen und gefragt, ob bestimmte Szenen in geplanten Krimis pharmakologisch stimmig sind“.




