Verbale Klatsche

Im Wahlkampf: Hallervorden wirbt für CDU-Mann – aber nicht für Merz

Dieter Hallervorden unterstützt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze. Gegen Friedrich Merz teilt der Schauspieler deutlich aus.

Author - Mariella Mandurino
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Dieter Hallervorden (r.) rechnet mit Bundeskanzler Friedrich Merz ab.
Dieter Hallervorden (r.) rechnet mit Bundeskanzler Friedrich Merz ab.dts/Future Image/Imago

Diese verbale Klatsche hat gesessen. Schauspieler Dieter Hallervorden macht bei seinen Wahlkampfauftritten in Sachsen-Anhalt unmissverständlich klar, wem seine Unterstützung gilt. Den Bundeskanzler spart der 90-Jährige dabei nicht nur aus, sondern kritisiert ihn sogar heftig.

Dieter Hallervorden ist kein Merz-Fan

Bei einer CDU-Veranstaltung am Dienstag in Halle sorgt der Schauspieler zunächst mit einer musikalischen Einlage für Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit seinem Pianisten singt er eine umgedichtete Version von „Bella Ciao“ gegen Krieg und Aufrüstung. Auf einer Leinwand sind währenddessen Bilder von Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu sehen. Die Moderatorin stellt anschließend sofort klar, dass das Lied keine Position der CDU widerspiegele.

Dieter Hallervorden am Dienstag beim Auftakt der Gesprächsreihe „Kunst braucht Freiheit“ im Capitol in Halle
Dieter Hallervorden am Dienstag beim Auftakt der Gesprächsreihe „Kunst braucht Freiheit“ im Capitol in HalleRolf-Peter Stoffels/Imago

Hallervorden selbst nimmt aber kein Blatt vor den Mund. Er positioniert sich klar – und zwar gegen Merz. Er wettert in Richtung des Kanzlers: „Für Merz würde ich keine Werbung machen, bei Sven ist es was anderes.“ Gemeint ist Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze.

Trotz Merz-Kritik kommt für die CDU diese prominente Unterstützung dennoch gelegen. In den Umfragen liegt die Partei derzeit hinter der AfD. Nach Angaben der CDU war es der TV-Star, der auf die Partei zuging. Gemeinsam mit Schulze sind noch mehrere weitere Veranstaltungen geplant.

Dieter Hallervorden hat einen anderen CDU-Verbündeten gefunden: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze.
Dieter Hallervorden hat einen anderen CDU-Verbündeten gefunden: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze.Rolf-Peter Stoffels/Imago

Ministerpräsident schweigt zu Merz-Abrechnung

Dass sich der Landtagswahlkampf bewusst von der Bundespolitik absetzen soll, wird mehrfach deutlich. Mit Blick auf Wahlplakate mit Bundespolitikern sagt die Moderatorin: „Die stehen hier nicht zur Wahl.“ Dann zeigt sie auf Schulze und ergänzt: „Aber dieser Herr, der steht hier schon zur Wahl.“

Auch Schulze hält sich mit Rückendeckung für den Kanzler auffällig zurück. Als Hallervorden seine Kritik an Merz äußert, sitzt der Ministerpräsident noch im Publikum und schweigt. Ist das schon eine Form der Bestätigung, oder will sich Schulze bewusst zurückhalten? Später diskutieren beide auf der Bühne über den Ukraine-Krieg und mögliche Wege zum Frieden.

Hallervorden nutzt den Abend außerdem für eine grundsätzliche politische Botschaft. Er wirbt nicht ausschließlich für die CDU, sondern fordert, demokratische Parteien insgesamt zu stärken. Die CDU müsse stark genug sein, um ein Gegengewicht zur AfD zu bilden. Gleichzeitig dürften aber auch kleinere Parteien wie SPD, Grüne oder „meinetwegen auch die FDP“ nicht an der Fünfprozenthürde scheitern. Sein Antrieb sei es, die AfD von einer Regierungsbeteiligung fernzuhalten, auch mit Blick auf die Kunstfreiheit.

Was halten Sie von Dieter Hallervordens Kritik an Friedrich Merz? Sollte ein Künstler im Wahlkampf so deutlich Position beziehen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com