Gestorben mit 76 Jahren

Ruth Fuchs: „Die Frau mit dem eisernen Arm“ ist tot

Sie war die erste Olympiasiegerin im Bundestag. Sie ging offen mit ihrer Dopingvergangenheit um.  

Author - Michael Heun
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Die ehemalige Speerwerferin Ruth Fuchs ist im Alter von 76 Jahren gestorben. 
Die ehemalige Speerwerferin Ruth Fuchs ist im Alter von 76 Jahren gestorben. picture alliance/dpa

Doppelte Speerwurf-Olympiasiegerin, Politikerin, Inhaberin eines Modegeschäfts: Nach einem abwechslungsreichen Leben ist die ehemalige Thüringer Weltklasse-Athletin Ruth Fuchs im Alter von 76 Jahren in Jena gestorben. 

Die in Egeln bei Magdeburg geborene Fuchs war die erste Frau, die einen Speer über 60 Meter geworfen hatte. Zum Ende ihrer zwischen 1967 und 1980 dauernden Karriere im Leistungssport scheiterte die weltbeste Speerwerferin mit dem sechsten und letzten Weltrekord um vier Zentimeter an der 70-Meter-Marke. „Schon damals hatte es mich kurz geärgert, dass vier Zentimeter an den 70 Meter fehlten. Insgesamt ist das eine wunderschöne Zeit gewesen. Auf meine Leistungen bin ich stolz“, sagte Fuchs einmal.

Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs steht bei der Siegerehrung mit ihrer Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal auf dem Podium.
Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs steht bei der Siegerehrung mit ihrer Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal auf dem Podium.dpa

DDR-Meisterin und Olympiasiegerin

1967 holte sie ihren ersten von insgesamt elf DDR-Meistertiteln. Neben den Olympiasiegen in München 1972 und vier Jahre später in Montreal siegte die Athletin des SC Motor Jena auch zweimal bei Europameisterschaften, mehrmals beim Europacup sowie beim 1977 erstmals ausgetragenen Weltcup. Angesichts ihrer Erfolge wurde die nur drei Mal bezwungene Fuchs auch als die „Frau mit dem eisernen Arm“ genannt.

Neben dem Sport studierte Fuchs an der DHfK in Leipzig und promovierte 1984. Nach der Wende zog Fuchs, die seit 1971 der SED angehörte, bei der letzten Volkskammerwahl für die PDS in das Parlament der DDR ein und war anschließend die erste Olympiasiegerin im Deutschen Bundestag. 1994 gab sie die Einnahme von Dopingmitteln zu. Ihr zweiter Mann und Trainer Karl Hellmann galt in der DDR als Dopingspezialist.

Ruth Fuchs: „Ich kann in den Spiegel schauen“

Zum Umgang mit ihrer Dopingvergangenheit sagte sie einmal der „Sächsischen Zeitung“: „Ich kann in den Spiegel schauen - bei einigen anderen frage ich mich, ob sie ihren Spiegel im Keller haben.“ Ihrer Auffassung nach bestand der Unterschied im Doping zwischen Ost und West nur darin, dass es in der DDR staatlich organisiert gewesen sei und im Westen jeder gemacht habe, was er wollte.

Die frühere Speerwerferin Ruth Fuchs sitzt in ihrem Wohnzimmer in Bucha.
Die frühere Speerwerferin Ruth Fuchs sitzt in ihrem Wohnzimmer in Bucha.Martin Schutt/dpa

Ruth Fuchs - „von vielen Seiten angespuckt“

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag saß Fuchs noch bis 2009 im Thüringer Landtag. „Ein starkes Herz hat aufgehört zu schlagen“, kommentierte Ministerpräsident Bodo Ramelow auf der Plattform X, vormals Twitter. An Fuchs gerichtet schrieb er, „manchmal warst du mir zu hart und manchmal zu kompliziert, aber immer warst du klar“.

Nach der politischen Karriere führte Fuchs ein Modegeschäft in Jena. „Ich bin meinen Grundprinzipien immer treu geblieben, auch wenn ich dafür von vielen Seiten angespuckt wurde. Das war sehr lehr- und erlebnisreich“, sagte Fuchs vor ihrem 70. Geburtstag. Noch bis in hohe Alter erreichten sie viele Autogrammwünsche.