Erinnert sich noch jemand an Neckermann oder Quelle? Im Gegensatz zu den gescheiterten Konkurrenten hat Otto die Internet-Revolution glänzend gemeistert, stellt sich dabei oft an die Spitze von Trends. So hatte Konzernchef Werner Otto dafür gesorgt, dass seit 2005 Öko-Textilien aus nachhaltiger Produktion in den Katalog kommen. Bereits seit 1999 verkauft Otto schadstoffarme Möbel mit dem FSC-Siegel, und schon 1991 waren Textilien mit Echtpelz aus dem Programm geflogen. Bei der Lieferung verspricht der Konzern seit einiger Zeit CO₂-Neutralität durch Einsatz von Elektro-Fahrzeugen und sogar Lastenautos.
Und nun das: Otto gendert. In einem ausführlichen Beitrag auf der Otto-Website zur geschlechtergerechten Sprache werden die Gründe für deren Verwendung gegenüber Mitarbeitern und Kunden genannt.
„Hier wird es super erklärt: https://t.co/RLofuee2kD“
— Otto (GmbH & Co KG) (@otto_de) October 30, 2021
Wörtlich heißt es dort:„ Wir bei OTTO verändern uns und unsere eigene Sprache. Wir entscheiden uns für ein *. Für die gleichberechtigte Sprache für Männer, Frauen und alle weiteren Geschlechter. Für die aktive Veränderung unserer Sprache hin zu einer Sprache für alle.“
Boykottaufruf gegen Versandhändler Otto aus der AfD
Die Verwendung des Gendersternchens spaltet die Öffentlichkeit: Viele vor allem ältere Menschen lehnen es ab, während Umfragen zufolge jüngere Menschen geschlechtergerechte Sprache mehrheitlich entweder selbst verwenden oder die Verwendung befürworten. Die Gegner geschlechtergerechter Sprache vertreten ihre Meinung mit Wut, AfD-Politiker Jörg Meuthen veröffentlichte sogar einen Boykott-Aufruf gegen das Unternehmen.
#Otto❤️ Sollte nun aber wirklich trenden. Allein schon wegen diesen Rechtsextremen.
— AfDVerdachtsfall-Keine Stimme der AfD 🍎🍎🍏 (@AfDVerdachtfall) November 3, 2021
Ich liebe OTTO! #KeineStimmeDerAfD #fckafd #OttoLiebeIch #HaltDieFresseAfD pic.twitter.com/EvnJEXNTdm
Das wiederum bewegt Gegner der rechtsextremen Partei, sich für das Hamburger Versandhaus-Unternehmen starkzumachen. Auf die Drohung, Kunden würden Otto nun den Rücken zuwenden und stattdessen woanders bestellen, reagierte das Unternehmen selbstbewusst:
Stimmt, so einfach ist das: Wir gendern. Und du musst nicht bei uns bestellen.😉
— Otto (GmbH & Co KG) (@otto_de) October 29, 2021
Der frühere Linken-Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi setzte sich mit seiner Reaktion auf die Otto-Entscheidung in die Nesseln: Denn er hält das Gendern für ein Ablenkungsmanöver, das ein aus seiner Sicht viel wichtigeres Thema überdeckt.
Die Einen finden Otto geil weil #Ottogendert („Geil, dass mein Like die Welt verändert“), die Anderen gehen steil und finden es scheisse („Ich bestell wo anders, habt Ihr ne Meise?“). Aber wenn um die Jobs bei #Otto geht ist Twitter immer still und leise! https://t.co/0LEu6NKVE2
— Fabio De Masi 🦩 (@FabioDeMasi) November 3, 2021
Dafür musste De Masi heftige Prügel einstecken, auch von Anhängern seiner eigenen Partei.
Projekt Erneuerung. Meine Zeit sei abgelaufen. Weil ich an die Interessen der Beschäftigten von #Otto erinnere. Muss ja richtig geil laufen … pic.twitter.com/5pwrnuXJbT
— Fabio De Masi 🦩 (@FabioDeMasi) November 3, 2021

