Der Sommer dreht voll auf! Wer bei diesen höllischen Temperaturen draußen arbeiten muss – auf dem Baugerüst steht, Straßenbelag verlegt, Mülltonnen abholt, Pakete ausliefert –, der hat kaum eine Chance, der Hitze zu entkommen. Sich jetzt einfach mal kurz in einen Kühlschrank setzen: Das wär's! Die Vorstellung ist gar nicht so abwegig. In Japan gibt es ihn nämlich schon – den Kühlschrank für Menschen.
So funktioniert der Kühlschrank für Menschen
Das Gerät heißt „Do Hiemon Box" und sieht von außen aus wie ein Getränkeautomat. In Japan stehen die an vielen Straßenecken. Da liegt es nahe, dass ein Automatenhersteller, die Firma SDRS, den „Menschenkühlschrank“ entwickelt hat – gemeinsam mit dem Werkzeug-Großhändler Trusco Nakayama, der die Kabine unter eigener Marke vertreibt.
Die Edelstahlkabine ist gut zwei Meter hoch und erinnert an eine Telefonzelle. Man öffnet die Tür, setzt sich auf die Sitzbank, macht zu – und wird gekühlt. In der Kabine herrschen 15 Grad. Zusätzlich pusten Düsen fünf Grad kalte Luft in den Nacken. Temperatur und Luftmenge lassen sich in drei Stufen regeln.
Nach zwanzig Minuten schaltet sich der Kühlschrank für Menschen automatisch ab – es soll sich ja keiner eine Erkältung holen. Ausgelegt ist XXL-Kühlbox für Personen bis zu 150 Kilo.

Die Kühl-Box kann an jeder Baustelle aufgestellt werden
Der Kühlschrank kann an eine normale Steckdose angeschlossen werden und verbraucht laut Hersteller etwa halb so viel Strom wie eine vergleichbare mobile Klimaanlage. Und wo überhaupt keine Steckdose ist, etwa im Rohbau, gibt es die Box im Set mit einer tragbaren Powerstation: rund drei Stunden Betrieb ohne Netzanschluss.
Billig ist die Abkühlung in der Box allerdings nicht. Umgerechnet gut 8000 Euro kostet der Kühlschrank - also wohl nichts für den Privatgebrauch. Verkauft wird er an Firmen und Behörden – für Baustellen, Fabrikhallen, Logistikzentren, die Landwirtschaft, Golfplätze und Sportveranstaltungen. Erste Geräte stehen inzwischen in Japan, ein Patent ist angemeldet. Ob es die Kabine irgendwann auch in Europa gibt, ist offen.
Mehr Hitzetag führte zur Idee mit der XXL-Kühl-Box
Die Idee mit dem „Menschenkühlschrank“ scheint skurril, hat aber einen ernsten Hintergrund. Auch Japans Bevölkerung hat mit zunehmenden Hitzetagen zu kämpfen. Im vergangenen Sommer kletterte das Thermometer in der Stadt Isesaki auf 41,8 Grad – der höchste Wert, der in Japan je gemessen wurde. Mit gravierenden Folgen auch für Berufstätige: Mehr als 1800 Menschen erlitten 2025 an ihrem Arbeitsplatz einen Hitzschlag – ein Rekord. 19 von ihnen starben.
Der eigentliche Auslöser für die Entwicklung der Kühlbox für Menschen war aber ein Gesetz: Seit Juni 2025 sind Arbeitgeber in Japan verpflichtet, ihre Leute vor Hitzschlag zu schützen. Trusco gibt genau das als Grund an– man wollte Menschen auf Baustellen, in Fabriken und bei Freiluft-Veranstaltungen aus der Gefahrenzone holen.
Wie sind in Deutschland Berufstätige vor Hitze geschützt?
Die Zahl der heißen Tage über 30 Grad hat sich in Deutschland seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht bis vervierfacht. Hitzefrei gibt es für Arbeiter und Angestellte trotzdem nicht. In Innenräumen gilt: Ab 26 Grad muss der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen prüfen, ab 30 Grad wirksam handeln und Trinkwasser bereitstellen, ab 35 Grad ist ein Raum ohne zusätzliche Maßnahmen kein Arbeitsplatz mehr.
Eine Baustelle allerdings kann man nicht klimatisieren. Zwar gibt es auch dort Schutzmaßnahmen wie Wetterschutzzelte und Sonnensegel – die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft empfiehlt sogar ausdrücklich gekühlte Pausenbereiche. So eine Kühlbox, die man einfach zur Baustelle schiebt, in eine Steckdose steckt und sich darin runterkühlt ... das wäre doch eine coole Sache.




