Berichte aus Frankreich

Ekel-Alarm in Kinos und Zügen: Kommt die Bettwanzen-Plage auch zu uns?

Frankreich wird von einer Bettwanzen-Panik erfasst. Viele Franzosen jagen und melden die kleinen Biester. Droht das auch Deutschland?

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Bettwanzen sind klein und rotbraun. Sie nisten sich meist in Unterkünften ein und kommen dann raus, um Blut zu saugen. (Archivbild)
Bettwanzen sind klein und rotbraun. Sie nisten sich meist in Unterkünften ein und kommen dann raus, um Blut zu saugen. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Absoluter Ekel-Horror in Frankreich! Nachdem eine Frau nach einem Kinobesuch in Paris Dutzende Bisse von Bettwanzen am Körper hatte, erfasst eine irre Panik vor Bettwanzen die Bevölkerung. Sichtungen der fiesen kleinen Blutsauger werden nun aus dem ganzen Land gemeldet.

Vorfälle soll es nun neben dem Kino auch in der Pariser Metro und sogar im Flaggschiff der französischen Staatsbahn, dem Hochgeschwindigkeitszug TGV, gegeben haben. 

Kinobesucherin wurde von Bettwanzen zerbissen

Zunächst hatte eine Besucherin der Zeitung Le Parisien im Sommer geschildert, wie sie mit dem Rücken voller Bisse aus einem Kinosaal kam. Die Kinokette UGC sah sich sogar zu einer Entschuldigung veranlasst. Die Wanzen kämen überall vor, wo sich Menschen aufhielten, und man bekämpfe sie. Heißer Wasserdampf werde eingesetzt, ein auf die Insekten spezialisierter Hund inspiziere im Anschluss die Säle, hieß es.

Ob das allein gegen die Biester reicht, ist jedoch strittig. Mittlerweile melden immer mehr Franzosen Bettwanzen-Funde in den sozialen Medien, wackelige Videobilder inklusive. „Zehn oder 15 Minuten vor der Ankunft in Lille-Flandres bemerkte ich einen kleinen Käfer, der ein wenig auf dem Sitz herumlief“, schilderte die Passagierin Irina dem Sender BFMTV ihre Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug TGV. „Ich fragte mich, ob es vielleicht eine Bettwanze war. Ich habe es gefilmt und an zwei Freunde geschickt, die mir das bestätigt haben.“ Auch aus einem Zug von Marseille nach Paris postete ein junger Passagier das Bild einer mutmaßlichen Wanze.

Pariser schlagen Alarm: Bettwanzen sogar in der Metro

Die millionenfach angeklickten Wanzen-Videos haben die Staatsbahn SNCF auf den Plan gerufen. In den letzten Monaten habe es keine bestätigte Präsenz von Bettwanzen in den TGV-Zügen gegeben, hieß es. „Dies ist ein Risiko, bei dem wir besonders wachsam sind, wir nehmen jede Meldung ernst und es wird kein Risiko eingegangen“, teilte die SNCF mit. Die Züge würden mit Blick auf Insekten konsequent desinfiziert.

Am vergangenen Mittwoch dann gab es eine Wanzen-Meldung quasi aus der Herzkammer des Hauptstadtlebens, der Pariser Metro. Ein Fahrer der Linie 8 war sich sicher, einen der Parasiten in der Fahrerkabine entdeckt zu haben. Die Verkehrsbetriebe RATP meldeten, die Bahn sei außer Betrieb genommen worden, weder in dem Zug noch in anderen Verkehrsmitteln habe man aber tatsächlich eine Wanze ausfindig gemacht. Längst aber hatten sich die Stadtverwaltung, die Gewerkschaft und Politiker eingeschaltet.

„Der Staat muss dringend alle betroffenen Akteure zusammenbringen, um einen Aktionsplan zu entfalten, der dieser Plage gewachsen ist, während sich ganz Frankreich darauf vorbereitet, 2024 die Olympischen und Paralympischen Spiele auszurichten“, schrieb der erste Stellvertreter der Pariser Bürgermeisterin, Emmanuel Grégoire, an Premierministerin Élisabeth Borne. Angesichts der Wanzen brauche man nicht in eine Psychose zu verfallen, man müsse sich dem Problem aber stellen, sagte der Lokalpolitiker in einem TV-Interview.

Auch in Deutschland könnte es jederzeit zu einer Bettwanzen-Plage kommen

Auch in Deutschland sind die vor Jahrzehnten noch quasi verschwundenen Bettwanzen wieder ein Thema, unter anderem durch mehr Mobilität und das viele Reisen. In Kiel brach Ende August ein Vater zusammen, als er versuchte, Bettwanzen in der Wohnung zu bekämpfen, und sich dabei vergiftete. In Berlin müssen immer wieder Hotels schließen, um einer Bettwanzen-Plage Herr zu werden. Viele kämpfen mit Hundekontrollen und anderen Maßnahmen dagegen an. Ganz verhindern lässt sich ein möglicher Befall aber nicht. Er kommt auch in blitzsauberen Privatwohnungen vor. Hier erklären wir übrigens, woran man einen Befall mit Bettwanzen erkennt.

Die Wanzen saugen Blut und leben in bewohnten, geschlossenen Räumen. Sie verstecken sich etwa in Betten, in Möbelfugen oder Ritzen. Sie werden zum Beispiel im Gepäck an andere Orte gebracht, aber auch durch getragene Kleidung. Ihr Biss kann starken Juckreiz verursachen. Experten empfehlen, in Hotelbetten vorab nach Wanzen Ausschau zu halten und Gepäck und Kleidung bei der Rückkehr zu Hause in der Dusche auszuschütteln.