Sachsen boomt seit Jahren

Dresden als Start-up-Hotspot: Warum die TU der Schlüssel für Gründer ist

Dresden positioniert sich als innovationsstarker Hotspot für Start-ups. Ein wichtiger Grund dabei spielt die TU.

Author - Sebastian Krause
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HolyPoly aus Dresden will mit Partnern dafür sorgen, dass mehr recycelte Materialien in Produkten verwendet werden.
HolyPoly aus Dresden will mit Partnern dafür sorgen, dass mehr recycelte Materialien in Produkten verwendet werden.HolyPoly GmbH

Es ist eine lange Liste, die Konrad Kästner vorlegt. Die TU Dresden ist besonders stark in den Bereichen Mikroelektronik, Sensorik, Robotik, Software, Künstliche Intelligenz, medizinische Diagnostik und Therapie vertreten, zählt der stellvertretende Pressesprecher der TU auf.

Sachsen ist in noch weiteren Bereichen vorn

Die TU bietet damit ideale Bedingungen zum Gründen von Start-ups. Über ganz Sachsen verteilt kommen noch Bereiche wie Informations- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologie oder Energie- und Umwelttechnologien dazu, wie es aus dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energien und Klimaschutz heißt.

Dresden nimmt in Sachsen eine besondere Rolle ein

„Dresden nimmt innerhalb dieses Ökosystems aufgrund seiner hohen Forschungsdichte, des internationalen Halbleiterstandorts und der starken Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft eine herausgehobene Rolle ein“, sagt Referent Julian Hoffmann aus dem Ministerium dem Berliner KURIER.

Matthias Röder ist Marketing-Manager bei HolyPoly
Matthias Röder ist Marketing-Manager bei HolyPolyHolyPoly GmbH

Neben Dresden würden innovative Start-ups auch in Leipzig, Chemnitz oder Freiberg entstehen, so Hoffmann weiter. Damit ist klar: „Sachsen verfügt über ein leistungsfähiges Innovations- und Gründungsökosystem, das auf einer engen Verzahnung von Wissenschaft, Forschung, Industrie und Mittelstand basiert“, sagt Hoffmann.

Gründungen in Dresden seit Jahren wieder ansteigend

Nach Angaben der TU begleitet die Einrichtung jährlich rund 100 Gründungsideen aus der Forschung und dem Hochschulumfeld. Aus diesen Ideen würden im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Unternehmensgründungen pro Jahr entstehen, erzählt Kästner dem KURIER.

Dresden nimmt innerhalb dieses Ökosystems aufgrund seiner hohen Forschungsdichte, des internationalen Halbleiterstandorts und der starken Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft eine herausgehobene Rolle ein.

Julian Hoffmann, Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energien und Klimaschutz

„Auch im laufenden Jahr bewegen sich die Zahlen auf diesem Niveau. Nach einem Rückgang während der Corona-Pandemie ist in den vergangenen Jahren wieder ein leichter Anstieg bei den Anfragen und Gründungsvorhaben zu beobachten“, sagt Kästner.

Rund 254 Start-ups am Standort in Dresden

Der vom Start-up-Verband veröffentlichte „Start-up-Monitor Sachsen 2025“ weist für Dresden sogar 254 aktive Start-ups aus. Dabei handelt es sich jedoch nicht ausschließlich um wissenschaftsbasierte Gründungen, sondern um die Gesamtheit der erfassten Start-ups am Standort.

Die TU Dresden ist in vielen Bereichen führend und bietet deshalb für Start-ups ideale Bedingungen.
Die TU Dresden ist in vielen Bereichen führend und bietet deshalb für Start-ups ideale Bedingungen.imago/Karen Oates

Ein Start-up, das diesen Weg bereits vor Jahren eingeschlagen hat, ist HolyPoly. Das Dresdner Unternehmen will mit seinen Partnern Lieferketten und Prozesse aufbauen, damit diese mehr recycelte Materialien in ihren Produkten verwenden. „Die Vision von HolyPoly ist es, dass Kunststoffrecycling zur Selbstverständlichkeit wird und nicht die Ausnahme ist“, sagt Marketing-Manager Matthias Röder dem KURIER.

TU Dresden spielt für Start-ups eine wichtige Rolle

HolyPoly wurde 2020 gegründet. Und das ganz bewusst in der sächsischen Landeshauptstadt, auch wenn Röder es anders formuliert. „Wir haben uns nicht aktiv für Dresden entschieden. Wir haben uns eher aktiv dagegen entschieden, irgendwo anders hinzugehen“, sagt er.

Eine wichtige Rolle dabei spielte die TU, die mit zahlreichen Projekten versucht, Dresden als Innovationsstandort zu stärken, um zu verhindern, dass junge Unternehmen nach Berlin oder München abwandern.

Diese Projekte gibt es an der TU Dresden

Eines dieser Projekte ist der TUD Innovation Hub. Dort entstehen unter anderem in Kooperation mit dem Technologiezentrum spezialisierte Werkstatt- und Laborflächen für technologieorientierte Start-ups.

Zudem entstand mit dem ExciteLAB ein Hightech-Start-up-Accelerator, der junge Unternehmen aus den Bereichen Robotik, Sensorik, Internet of Things, Halbleiter und Quantentechnologien in der Wachstumsphase begleitet. Eine zentrale Rolle übernahm dabei die TU bei der Beschaffung von Fördermitteln für die Start-up-Factory BoOst, ein überregionales Innovationszentrum.

Das sind die Pläne für die Zukunft

Darüber hinaus arbeitet die TU am Aufbau neuer Innovationsstrukturen, wie dem TUD InnoX-Campus in der Gläsernen Manufaktur. Dort soll ab 2027 ein zentraler Innovationscampus entstehen, wo Forscher, Startups und Unternehmen aus den Bereichen KI, Robotik und Mikroelektronik zusammenarbeiten.

„In puncto Digitalisierung hat sich in den letzten Jahren viel in die richtige Richtung entwickelt“, sagt Röder.

Sehr erfolgreiche Start-ups sind in Dresden entstanden

HolyPoly ist nur eines von vielen Beispielen aus Dresden. Zu den erfolgreichen Gründungen aus der TU zählen unter anderem Seamless Therapeutics, SpiNNcloud Systems, Morpheus Space und Watttron.

Aus den recycelten Gegenständen stellt HolyPoly Granulat für neue Produkte her.
Aus den recycelten Gegenständen stellt HolyPoly Granulat für neue Produkte her.HolyPoly GmbH

Während Seamless Therapeutics, SpiNNcloud Systems und Morpheus Space früh internationale Aufmerksamkeit erregten und umfangreiche Finanzierungsrunden einwarben, steht Watttron beispielhaft für den erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Forschung in die industrielle Anwendung.

Seamless Therapeutics arbeitet an Genom-Editierung

Seamless Therapeutics (gegründet 2022) entwickelt eine neue Methode der Genom-Editierung, mit der genetische Veränderungen besonders präzise korrigiert werden können. Mithilfe programmierbarer Rekombinasen lassen sich gezielt DNA-Abschnitte im menschlichen Genom einfügen oder entfernen, ohne unerwünschte Mutationen zu verursachen.

Ziel ist, genetische Krankheiten direkt an ihrer Ursache zu behandeln. Das Potenzial der Technologie zeigt die 2026 geschlossene milliardenschwere Forschungskooperation mit dem Pharmaunternehmen Eli Lilly. Im Rahmen dessen arbeitet Steamless an Therapien gegen genetisch bedingten Hörverlust.

SpiNNcloud will Energiebedarf von KI-Systemen senken

SpiNNcloud Systems (gegründet 2021) entwickelt Computersysteme, die nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns arbeiten und komplexe KI-Anwendungen besonders energieeffizient verarbeiten können. Die neuromorphe Hardware, die die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachahmt, bietet eine Alternative zu herkömmlichen Hochleistungsrechnern und könnte dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf von KI-Systemen zu reduzieren.

Bereits 2023 erhielt SpiNNcloud rund 2,5 Millionen Euro Fördermittel. 2025 folgten weitere 10 Millionen Euro.

Morpheus Space kämpft gegen Weltraumschrott

Morpheus Space (gegründet 2018) entwickelt miniaturisierte elektrische Ionenantriebe. Sie beschleunigen elektrisch geladene Teilchen (Ionen) oder flüssige Metalle. Damit sollen Satelliten ihre Position im All gezielt verändern, Kollisionen vermeiden und am Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert verglühen können. Damit will das Unternehmen das Problem von Weltraumschrott lösen.

Zudem ist die Technologie eine zentrale Voraussetzung für den nachhaltigen Betrieb großer Satellitenkonstellationen. 2024 eröffnete Morpheus Space in Dresden eine Fabrik, in der pro Jahr 100 Einheiten des modularen Antriebssystems hergestellt werden können. Mit einer Finanzierungsrunde von 13 Millionen US-Dollar im Februar 2026 soll die Anlage nun für die Massenproduktion ausgebaut werden.

Watttron will das Heizen nachhaltig verändern

Watttron (gegründet 2016) entwickelt intelligente digitale Heizsysteme, mit denen Oberflächen punktgenau und individuell beheizt werden können. Die Technologie ermöglicht es, Material- und Energieeinsatz in industriellen Fertigungsprozessen deutlich zu reduzieren und trägt zu nachhaltigeren Produktionsverfahren bei.

Für seine Technologie wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (2020) sowie dem International FoodTec Award in Gold (2024). 2024 sicherte sich Watttron eine Finanzierung von 12 Millionen Euro für die weitere Unternehmensentwicklung.

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