Nach eingestürzter Carolabrücke

Dresden in Sorge: Brücke an der Budapester Straße droht einzustürzen – die Stadt reagiert

Eine der wichtigsten Verkehrsadern Dresdens steht vor dem Kollaps. Neue Schäden, gerissene Spanndrähte, Sperrungen – und die Zeit läuft der Stadt davon.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Dresden: Ein Schild mit der Aufschrift <sub>«Brücke Budapester Straße gesperrt»</sub> steht auf einem Brückenabschnitt auf der Budapester Straße.
Dresden: Ein Schild mit der Aufschrift «Brücke Budapester Straße gesperrt» steht auf einem Brückenabschnitt auf der Budapester Straße.Sebastian Kahnert

In Dresden spitzt sich die Lage an der Budapester Straße dramatisch zu: Eine zentrale Verkehrsbrücke steht kurz vor dem Einsturz. Seit dem 14. Mai 2026 ist das Altstädter Brückenende vollständig gesperrt, nachdem schwere Schäden entdeckt wurden. Trotz der Sperrung verschlechtert sich der Zustand weiter – neue Risse, neue Warnmeldungen, steigende Einsturzgefahr. Die Stadt arbeitet unter Hochdruck an einer „Not‑Notsicherung“, um ein mögliches Unglück zu verhindern. Doch die Zeit läuft davon.

Neue Schäden trotz Sperrung: Die Lage verschärft sich

Auch Wochen nach der Vollsperrung bleibt die Brücke instabil. Neue Defekte tauchen auf, obwohl keinerlei Verkehr mehr darüber rollt. Simone Prüfer, Leiterin des Straßen‑ und Tiefbauamts, machte im Bauausschuss deutlich: Die geplante Notsicherung reicht nicht mehr aus – zusätzliche Maßnahmen sind zwingend notwendig.

Konstruktionsproblem wie bei der Carolabrücke

Die Brücke wurde nach demselben Prinzip gebaut wie die Carolabrücke, die 2024 einstürzte. Stahlseile im Beton sollten Stabilität bringen – doch Korrosion hat bereits rund 160 der über 1000 Spanndrähte zerstört. Ein Warnsignal, das Experten sehr ernst nehmen.

Eingestürzte Carola-Brücke in Dresden.
Eingestürzte Carola-Brücke in Dresden.Odd ANDERSEN/AFP

Professor Steffen Marx von der TU Dresden bestätigt: Nur noch rund 16 Drähte dienen als Sicherheitsreserve. Doch selbst ohne Verkehr reißen weitere Drähte – sechs allein seit der Sperrung. Die Statik rutscht gefährlich nahe an die Belastungsgrenze.

Not‑Notsicherung: Stadt versucht, die Brücke zu stabilisieren

„Die Brücke kämpft mit ihrem eigenen Gewicht“, sagt Prüfer. Marx ergänzt: „Wir kämpfen gegen die Zeit.“ Die Stadt plant zusätzliche Stützen, um das Bauwerk für etwa zehn Jahre zu sichern – genug Zeit für die Planung eines Neubaus. 

Vier massive Stützen sollen tief im Boden verankert werden. Dafür müssen auf der Ammonstraße zwei von vier Fahrspuren gesperrt werden. Ein einfaches Aufstellen auf der Straße wäre zu unsicher.

Die Stadträte forderten nun den Bürgermeister der Sadt Dresden auf,  zeitnah mit den Planungen für eine neue Brücke zu beginnen. Mit Blick auf die unter der Brücke befindlichen Eisenbahnhauptlinien sei erfahrungsgemäß von langjährigen Abstimmungsprozessen mit der Bahn auszugehen, erklärte Veit Böhm, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Radio Dresden.

„Ausgehend von den Erfahrungen mit dem Einsturz der Carolabrücke, welche gleicher Bauart war, ist, unabhängig von den aktuellen Notsicherungsmaßnahmen, aufgrund der an der Brücke Budapester Straße ebenfalls festgestellten Spanndrahtbrüchen, jederzeit mit einer dauerhaften Außerbetriebsetzung zu rechnen“, so Böhm.

Zeitplan: Was bis Juli und September passieren soll

Bis Ende Juli soll die Not‑Notsicherung stehen, bis Ende September die langfristige Stabilisierung. Danach könnte die Brücke wieder befahrbar sein – allerdings nur für Fahrzeuge unter 7,5 Tonnen. Ob Busse weiterhin fahren dürfen, wird geprüft.

Im Gegensatz zur Carolabrücke wurden die Schäden diesmal rechtzeitig erkannt. Ein modernes Sensorsystem registriert jeden Drahtbruch und löste mehrfach Alarm aus – schließlich folgte die Sperrung.

Sperrungen und Verkehrschaos: Auswirkungen auf die Innenstadt

Die Budapester Straße verbindet den Dresdner Süden mit der Altstadt. Zehntausende Fahrzeuge nutzen die Strecke täglich. Die Sperrung sorgt für Staus, Umleitungen und massive Belastungen im gesamten Stadtgebiet. 

Die Stadt steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Sicherungsmaßnahmen ausreichen, um die Brücke stabil zu halten – und ob Dresden ein weiteres Brücken‑Drama erspart bleibt.

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