Der Tag der Deutschen Einheit steht bevor. Und ich befürchte, dass die Menschen in diesem Land nicht gerade in der Stimmung sind, in diesem Jahr den 3. Oktober richtig zu feiern. Für viele wird es einfach nur ein freier Tag sein, mehr nicht. Zu groß ist immer noch die Kluft der Unzufriedenheit zwischen Ost- und Westdeutschen. Noch immer halten sich beide Seiten vor, wie blöd der jeweils andere ist. Ich finde es schade. Meiner Meinung nach könnten die Deutschen in Ost und West eigentlich ganz gut gemeinsam auskommen, wenn sie nur wollten.
Dass das geht, davon möchte ich Ihnen heute berichten. Genauer gesagt will ich Ihnen von Regina Pröhm und Michael Schrottmeyer (beide 58) erzählen. Einem Ehepaar aus Wien, das seit 24 Jahren fast immer am 3. Oktober mit seinem traditionellen Einheitströdelmarkt in Berlin beweist, dass Ossis und Wessis beim Finden, Feilschen und Kaufen von Dingen aus unserer Vergangenheit durchaus sehr gut miteinander auskommen. Man muss einfach nur Interesse haben, das Leben des jeweils anderen zu entdecken und zu akzeptieren.

Berliner Einheitströdelmarkt vereint Ossis und Wessis
Auf dem Einheitsmarkt der beiden Wiener ist das so, der einst am Ostbahnhof stattfand und nun seit 2019 auf der Trabrennbahn Karlshorst zu finden ist. Dorthin kommen am 3. Oktober stets begeisterte Menschen aus Hamburg, Bayern, Leipzig oder Dresden. Und auch die Berliner sind aus beiden Teilen der Stadt dabei, um sich an Sachen aus alten Zeiten zu erfreuen und um Rares zu entdecken, das dort von Händlern aus Ost und West für Bares angeboten wird. Über 500 Händler werden auf dem Einheitsmarkt in diesem Jahr in Karlshorst erwartet, der diesmal sogar an drei Tagen stattfindet.

Bei einem früheren Marktbesuch erlebte ich, wie sich die Besucher aus Ost und West über antike Uhren, Skulpturen, Kerzenleuchter, Porzellan, Schallplatten, Rockstars-Poster aus alten Bravo-Heften aus dem Westen genauso freuten wie über Mitropa-Geschirr, Sandmann-Figuren oder Haushaltsgeräte aus der DDR. Beim Austauschen von Vergangenem – auf dem Einheitströdelmarkt von Regina Pröhm und Michael Schrottmeyer werden Ost- und Westdeutsche wirklich eins.

Das Ehepaar aus Wien: 1992 kamen sie als junge Studenten nach Berlin. Sie zogen ganz bewusst in den Ostteil nach Friedrichshagen. „Wir waren neugierig auf den für uns unbekannten Osten“, erzählen sie mir. „Wir wollten damals miterleben, wie das gerade frisch wiedervereinte Deutschland zusammenwächst.“

Als Erstes fiel ihnen aber auf, wie die Ost-Berliner plötzlich viele Sachen aus ihrem DDR-Leben einfach in Container warfen, die auf der Straße standen. Haushaltsgegenstände, vor allem wertvolle Bücher: „So etwas ist doch Kulturgut, das nicht einfach auf dem Müllhaufen der Geschichte landen darf“, sagt Regina Pröhm.

Um dies zu retten, hatte das Paar die zündende Idee: Sie organsierten vor 30 Jahren in Friedrichshagen ihren ersten Flohmarkt in Berlin. Daraus sind nun mehrere geworden – wie der monatliche Antikflohmarkt und der Einheitsmarkt in Karlshorst, die die Menschen aus allen Teilen des Landes begeistern. Daher schlage ich vor: Wir im Osten sollten mit denen aus dem Westen viel öfter einmal zum Trödeln gehen, damit doch noch zusammenwächst, was zusammengehört!
Der Einheitsmarkt auf der Trabrennbahn Karlshorst findet vom 1. bis 3. Oktober (9 bis 17 Uhr) statt. Eintritt frei. Bei der zeitgleichen Möbel-Design-Börse (in der Tribünenhalle) kostet der Eintritt 5 Euro.



