Vergangene Woche nach dem 5:0 im Pokal in Jena gab es noch das Gefühl, dass es bei Hertha BSC langsam aufwärts geht. Seit Sonnabend ist das jetzt erst mal weg. Der HSV hat die Blau-Weißen brutal mit 3:0 vom Platz gefegt. Null Punkte, null Tore, der Fehlstart in der Zweiten Liga ist für den Bundesliga-Absteiger perfekt. Trainer Pal Dardai schlägt jetzt Alarm und sagt: „Das war ein Klassenunterschied zwischen den beiden Teams.“ Wie er das meint? Hier zählt Dardai die vier Brennpunkte auf.
Keine Robustheit
„Die Zweikämpfe, die Laufduelle. Das war ein Klassenunterschied. Das müssen wir akzeptieren. Die Zweite Liga ist anders. Daran müssen sich alle gewöhnen, auch die jungen Spieler. Das ist eine andere, eine härtere Zweikampfführung. Ich hatte schon in der Pause gesagt: Ich glaube, nächste Woche nehme ich den Jungs den Ball weg. Nur offensiv im Training zu spielen, bringt uns nicht weiter. Das Tornetz ist schon kaputt. Der Greenkeeper beschwert sich schon, dass er es immer austauschen muss.“
Keine Mittelfeldspieler
„Wenn ich ehrlich bin, es haben sechs Spieler im Mittelfeld gespielt, die nicht als Mittelfeldspieler ausgebildet sind. Sie haben es versucht, der Wille ist da. Das hat auch etwas mit Qualität zu tun.“ Schlicht und einfach: Hertha hat bis auf Suat Serdar eigentlich gar keine echten Mittelfeldspieler mehr. Innenverteidiger, Außenverteidiger, Flügelspieler besetzen gerade die zentrale Einheit des Teams. Serdar meldete sich wegen Muskelbeschwerden ab. Das ist ein absoluter Notstand. Der erhoffte Transfer von Diego Demme vom SSC Neapel muss so schnell wie möglich über die Bühne gehen. Dardai hofft, dass er bis zum Transferschluss in zwölf Tagen noch Spieler bekommt: „Wir wissen, dass der 1. September ein wichtiger, magischer Tag ist, da wird noch einiges passieren.“
Keine Torchancen

„Wir haben in der 1. Halbzeit es nicht geschafft, mal einen vernünftigen Schuss, eine vernünftige Ecke hinzubekommen. Alles was eine Woche vorher klappte, ist jetzt hier nicht gelungen. Gar nix. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass wir noch ein Tor schießen. Da muss man ehrlich sein. Und das ist seit Wochen so.“ Kein echtes Mittelfeld, keine Räume, kein Spielfluss, keine gefährlichen Pässe. Das alles überträgt sich auf die Offensivabteilung. Der neue Mittelstürmer Haris Tabakovic bekam eigentlich nie eine echte Vorlage.
Keine Nervenstärke
„Der Teamgeist ist da. Darüber bin ich sehr froh. Die Jungs haben sich gefunden, aber sie müssen sich auch auf dem Platz finden. Sie haben gezögert in den Zweikämpfen, wenn es nach vorne geht. Irgendwie unter Druck, wollen sie unbedingt. Keine Ahnung, was einen Spieler blockiert, offensiv zu spielen. Da müssen wir nichts von Verkrampfung erzählen. Wir müssen uns fokussieren, die Köpfe befreien.“




