Schlechte Laune kennt Herthas Sportdirektor Benjamin Weber (43) nicht. Einige verwechselten sogar seine Höflichkeit mit Naivität. Ein großer Irrtum! Der Mann, der im Januar für den gefeuerten Manager Fredi Bobic kam, hatte schlichtweg eine brutale Hammeraufgabe. Der Kader musste im Sommer nach dem Abstieg brachial entschlackt werden, weil er zu teuer war. Ohne viele Millionen musste Weber gleichzeitig ein neues Team zusammenstellen. Spätestens nach dem 3:0 gegen Braunschweig muss jeder sehen: Bei Hertha BSC tut sich was: Tore, Tricks und ganz viel Teamgeist. Hertha ist jetzt wie Berlin: Arm, aber sexy!
Weber appellierte immer wieder an die Geduld: „Wir bekommen einen Kader zusammen, wir brauchen Zeit, diese Mannschaft muss sich entwickeln.“ Trainer Pal Dardai sagt nur: „Es wurde alles eingehalten, was besprochen wurde. So ein Abstieg ist auch die Chance zu etwas komplett Neuem. Wir wollen hier modernen Angriffsfußball spielen. Und mir macht es totalen Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.“
Aus fast Nichts ganz viel machen. Elf neue Spieler holte Weber (Fabian Reese war noch ein Transfer von Ex-Manager Fredi Bobic) für insgesamt rund 4,5 Millionen Euro, um aus einem willenlosen Trümmerhaufen wieder ein Mannschaft mit wirklichem Teamgeist zu machen. Stand jetzt: Das ist gelungen!
Die neuen Profis im Einzelcheck:
Haris Tabakovic (29)
400.000 Euro Ablöse an Austria Wien wurde für den Stürmer gezahlt. Momentan ist Haris Tabakovic mit sieben Treffern der beste Torschütze der Zweiten Liga. Aber nicht nur das! Er identifiziert sich komplett mit dem Klub und sagt: „Ich wollte unbedingt dieses blau-weiße Trikot tragen!“ Ein Teamplayer, der auch nach hinten arbeitet. Chapeau, Volltreffer!
Toni Leistner (32)

Wer als Verantwortlicher nach dem Abstieg einen Ex-Unioner holt, hat einfach Eier. Im Bewusstsein, dass es Diskussionen über diese Personalie gibt, holte Weber trotzdem Toni Leistner (33) für null Euro, weil dessen Vertrag beim belgischen Klub Saint Truiden ausgelaufen war. Der Verteidiger stabilisierte die Hintermannschaft. Nein, eigentlich das ganze Team. Nach nur ein paar Wochen war er Kapitän. Ehrlicher Kämpfer, der mit seiner Erfahrung und klaren Worten allen gut tut. Prädikat: Besonders wertvoll!
Andreas Bouchalakis (30)
Griechischer Nationalspieler, Champions-League-Spiele mit Olympiakos Piräus – für 400.000 Euro! Weber braucht keinen Kaderplaner, sondern eine funktionierende Scout-Mannschaft. „Bei Andreas Bouchalakis waren wir Wochen vorher dran, bevor er kam. Das bin nicht nur ich, wir arbeiten hier als Team“, sagt Weber. Der Mittelfeldspieler war das letzte Puzzle-Teil für eine neue funktionierende Achse. Beim 3:0 gegen Braunschweig gab er sein Startelf-Debüt. Er strahlt Ruhe aus, hat Auge und kann Spielrhythmus. Hertha machte das bisher beste Saisonspiel. Prognose: Mit Bouchalakis wird noch oft Siegtaki getanzt!
Palko Dardai (24)
Nein, es waren nicht Trainer Pal Dardai oder seine Frau Monika, die sich für eine Verpflichtung von Sohn Palko Dardai starkmachten. Weber hatte den ältesten Dardai-Spross schon vorher im Visier. Da war Dardai noch gar nicht wieder Cheftrainer. Für 300.000 Euro kam der offensive Mittelfeldspier vom ungarischen Klub Fehervar zurück zu Hertha. Leider hat er sich jetzt verletzt, fällt erst mal aus.
Jeremy Dudziak (28)

Auf den Spieler muss man erst mal kommen. Hier war wieder echte Zusammenarbeit angesagt. Teammanager Sami Allagui machte Weber auf Dudziak aufmerksam. Schließlich hatte Allagui mit ihm beim FC St. Pauli gespielt. Ein Transfer ohne Risiko, weil keine Ablöse und keine hohe Gehaltsforderung. Dudziak, der wegen des Erdbebens in der Türkei, seinen dortigen Klub Hatayspor verlassen musste, war ein halbes Jahr ohne Job. Er arbeitete hart an seiner Fitness und wird von Spiel zu Spiel immer stärker. Urteil: Noch immer von vielen ziemlich unterbewertet.
Michal Karbownik (22)
Der Pole war mit 2,5 Millionen (kam von Premier-League-Klub Brighton Hove Albion) der teuerste Transfer. Michal Karbownik ist aber auch ein Drei-in-einem-Spieler: linker Verteidiger, rechter Verteidiger, Sechser. Technisch überragend und schnell. Prognose: Der Junge wird Hertha noch viel Freude bereiten.
Billy Hussein (23)
Ein echtes Juwel für das Mittelfeld. Noch ein bisschen schmächtig, aber das wird schon. Für 675.000 Euro kam Billy Hussein vom schwedischen Klub Solna. Bisher nur Joker, aber was für einer! O-Ton Stürmer Haris Tabakovic über sein 3:0 gegen Braunschweig: „Ich habe den Ball beim Doppelpass ziemlich scheiße zu Billy gespielt, aber wie er den noch genau in meinem Lauf weitergeleitet hat, war überragend.“ Startelfeinsatz winkt schon bald!
Smail Prevljak (28)
Er ist zweiter Stürmer hinter Tabakovic. Smail Prevljak kostete nicht einen Cent. Der Bosnier wird als Joker eingesetzt. Vier Spiele, ein Tor, zwei vorbereitet. Da kann man nicht meckern.
Gustav Christensen (19)
Erst war der junge Däne nur zum Eingewöhnen für die U23 eingeplant. Aber Gustav Christensen (kam von Midtylland) ist einfach zu stark. Dreimal kam er als Joker und überzeugte auf dem linken Flügel.
Anderson Lucoqui (26)
Der Deutsch-Angolaner kam ablösefrei von Mainz. Er muss noch an seiner Fitness arbeiten. Noch ist kein Urteil über den Linksverteidiger möglich.




