Doppelpack beim 5:0 gegen Fürth, Doppelpack beim 4:6 gegen Magdeburg und jetzt Braunschweig mit drei Toren beim 3:0 abgeschossen. Herthas Stürmer Haris „Fluppe“ Tabakovic (29) brennt eine Tor-Show nach der anderen ab. Mit sieben Treffern ist der Schweiz-Bosnier momentan der beste Torschütze der Zweiten Liga. Fluppe hat sich von null auf hundert in die Herzen der blau-weißen Fans geschossen. Nach drei Jahren hat Hertha BSC endlich wieder einen Knipser.
Bescheiden sagt er zu seinem Torrausch: „Ich bin einfach nur dankbar, dass es so gut läuft und froh für die Mannschaft. Ich bin dankbar für jeden Ball meiner Mitspieler, denn ohne sie kann ich keine Tore schießen. Der Klub hat mich für Tore geholt. Ich habe immer gesagt, dass ich richtig Bock auf Hertha habe.“
Internet-Hype um Tabakovic

Der 1,94-Meter-Hüne macht den Fans einfach nur Spaß und er hat längst Lieblingsstatus erreicht. Fluppe wird er nur noch genannt. So schnell einen netten, flapsigen Spitznamen zu bekommen, ist in Berlin eine Auszeichnung. Ein echter Kult ist im Internet schon über den neuen Hoffnungsträger im Angriff entstanden. Die Anhänger sind kreativ. Einer machte jetzt eine Fotomontage mit einer Zigarettenschachtel: „Tabakovic“, mit dem Warnhinweis: „Tödlich für die gegnerische Abwehr.“
Trainer Pal Dardai kann den Hype um seinen neuen Torjäger verstehen: „Ein Knipser, der trifft und so viel arbeitet, wird ganz schnell von den Fans geliebt.“ Der Coach ist richtig happy mit der vorbildlichen Arbeitsmoral des Schweiz-Bosniers, der Anfang August von Austria Wien für eine Mini-Ablöse von rund 400.000 Euro kam: „Er ist ein Vollprofi. Wenn ich morgens runtergehe in die Kabine, steht er schon im Kraftraum und macht sein Programm. Am Ende des Trainings ist er wieder da und macht sein Cool-Down. Auch im Training gibt er Gas.“
Dardai spricht über die letzten drei Knipser:
Michael Preetz (56)

In den vergangenen 27 Jahren hatte Hertha eigentlich nur drei echte coole Tormaschinen. Von 1996 bis 2003 war es Michael Preetz, der mit 93 Liga-Treffern der vereinsinterne Rekordtorschütze ist. Pal Dardai sagt über ihn: „Der erfolgreichste und effektivste war Michael Preetz. Thom hat geflankt und Preetz hat getroffen, so einfach war das damals. Er hatte die Tornase. Damals brauchten alle nur im Teletext – Internet gab es ja noch nicht – schauen. Da stand immer 1:0 Hertha, Tor Preetz.“
Marko Pantelic (45)

2004 kam Marko Pantelic, der coole Serbe mit dem speziellen Humor, sorgte für glückliche blau-weiße Zeiten, Bis 2009 traf er in 114 Bundesliga-Partien 44-mal. Dardai schwärmt noch jetzt: „Marco Pantelic war ein Genie. Nach einer Balleroberung mussten wir ihm nur den Ball geben. Ein paar Haken geschlagen, gezielt und meistens waren die Bälle in der langen Ecke drin. Jeder Gegenspieler hat gewusst, was er macht. Trotzdem hat er es immer hinbekommen. Ich hatte ihm 2009 gesagt, dass er bleiben soll. Aber er wollte weg. Das war schade.“
Vedad Ibisevic (39)

Und dann gab es da ab 2015 noch den Vedator. Der Bosnier Vedad Ibisevic war ein knallharter Stürmer. Er schonte die Verteidiger nicht und traf aus allen Rohren. Er kam, als Pal Dardai zum ersten Mal Trainer war, jetzt verrät der Coach: „Vedad war der einzige Spieler damals, bei dem ich richtig Druck gemacht habe bei der Vereinsführung. Ich habe gesagt: Wenn sie ihn nicht holen, komme ich nicht mehr zum Training. Als Trainer kannst du alles machen und helfen bis zum 16er. Aber du brauchst einen Stürmer, der trifft. Damals wurde gesagt, dass er humpelt. Ich habe gesagt, dass es mir egal ist. Er macht Tore. Wir haben fünf Jahre von Vedo gelebt.“ Bis 2019 traf der Vedator 45-mal in der Bundesliga.
Tabakovic und Ibisevic, beide mit bosnischem Blut. Kann man die beiden vergleichen? Dardai: „Vedo ist ein anderer Typ wie Tabakovic. Beide sind gut, haben diesen unbedingten Siegeswillen und viel Fußballherz. Aber Tabakovic erreicht es mehr mit Fleiß. Vedo das war nur Talent, der hatte den Torriecher. Er war manchmal nicht so fair gegen die Gegner. Aber ich habe Vedad sehr genossen. Jetzt habe ich die Möglichkeit, mit Tabakovic eine schöne Zeit zu haben.“




