Das Hostel Happy Go Lucky am Stuttgarter Platz ist für die einen Kult und für die anderen ein Schandfleck. Die Fassade ist über und über mit Street-Art des irischen Künstlers Dom Browne bemalt – leuchtendes Orange und Smileys stechen ins Auge. Genau hier liegt das Problem: Die Stadt Berlin sagt, das Gebäude sei zu bunt. Eigentlich hat der Eigentümer Alexander Skora den Rechtsstreit dazu auch schon verloren. Bis zum 1. Oktober sollte er die Fassade in einem neutralen Grau überstreichen. Doch der Besitzer hat die Frist jetzt auslaufen lassen!
Kommt jetzt die Zwangsvollstreckung?
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf drohte mit einer Zwangsvollstreckung, sollte der Eigentümer die bunte Fassade nicht bis zum 1. Oktober verschwinden lassen – oder wohl eher mit einer Zwangsstreichung des Gebäudes auf Kosten von Skora. Doch die XXL-Street-Art ist noch da! Was passiert jetzt also?
Dem Bezirksamt liegen nach wie vor keine Absichtsbekundungen vor, wonach der Besitzer selbst „die Fassadenbemalung entfernen wird beziehungsweise entfernen lassen wird“. Das teilte das Amt dem RBB in der Woche vor dem Ende der Frist auf Nachfrage mit. Das Bezirksamt werde daher „nach Fristablauf voraussichtlich ein Unternehmen mit der Ersatzvornahme beauftragen müssen“, hieß es weiter. Ein konkreter Ausführungsbeginn stehe noch nicht fest.
Passiert ist bis zum Auslaufen der Frist also vorerst nichts, gearbeitet wird an der Fassade aktuell auch nicht. Der Streit um das bunte Hostel spitzt sich aber weiter zu.

Hostel-Besitzer droht mit Klage!
Statt klein beizugeben und sich dem Urteil zu fügen, schlägt Skora jetzt zurück! Laut RBB wurde eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, die dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf rechtliche Schritte angedroht hat, sollte es die Fassade überstreichen lassen. Genauer gesagt, handelt die Kanzlei im Auftrag des Street-Art-Künstlers Browne und des Unternehmers Alan Wolan, dem die Rechte an dem Kunstwerk gehören.
„Sollte das Kunstwerk (z.B. durch Übermalen) zerstört werden, so stehen Schadensersatz-, Schmerzensgeld- und Restitutionsansprüche des Künstlers sowie der Sleep Cheap Hotels Investment GmbH und Herrn Wolans im Raum“, heißt es in dem Anwaltsschreiben, das auch an die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Kristin Bauch (Grüne), adressiert ist. Der Bezirk hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Schreiben und zu möglichen Konsequenzen daraus geäußert.
Wie das Ganze am Ende wohl ausgehen wird? Es bleibt auf jeden Fall spannend – und das Hostel bleibt wohl vorerst bunt.


