Montag war Prozessbeginn

Hat dieser Porno-Darsteller eine Ukrainerin vergewaltigt?

Milana U. (27) floh vor dem Krieg und schlüpfte bei Henry T. (36) in Berlin-Köpenick unter. Er sagt, der Sex war einvernehmlich

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Der Angeklagte Henry T. (36), Makler und Porno-Darsteller
Der Angeklagte Henry T. (36), Makler und Porno-DarstellerPressefoto Wagner

Die junge Ukrainerin floh vor dem Krieg. Sie wollte in Berlin in Sicherheit leben. Nun steht ein Porno-Darsteller wegen Vergewaltigung der Frau vor Gericht.

Als Beruf gab Henry T. (36) Makler und „Immobilienbereich“ an. Im Nebenjob ist er seit Jahren in der Porno-Szene aktiv – in über 100 Filmen soll er mitgespielt haben.

Henry T. (36) erwartete die Ukrainerin am Berliner Hauptbahnhof

Die Anklage lautet auf Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Er soll Milana U. (27, Name geändert) nach Ausbruch des Krieges angeboten haben, bei ihm vorübergehend zu wohnen. Beide kannten sich bereits seit zwei Jahren übers Internet, hatten sich oft geschrieben.

Am 28. Mai 2022 kam sie am Hauptbahnhof an. Henry T. erwartete sie, fuhr mit ihr Richtung Köpenick. Eine Wohnung, in der ein Flügel stand. Milana U., eine Kinderbuchautorin, war zunächst wohl angetan. Doch am nächsten Tag soll es zu ersten sexuellen Annäherungsversuchen gekommen sein.

Die Anklage: „Sie schlug mehrmals seine Hand weg.“ Sie machte ihm laut Anklage klar, dass sie für Sex nicht bereit sei, da sie sich noch nicht lange kannten. Seine Stimmung soll sich zunehmend verschlechtert haben.

Die Anklage: „Ein Abendessen bot er ihr nicht an. Er bereitete sich selbst etwas zu und aß allein im Schlafzimmer.“ Als sie kurz nach Mitternacht über Hunger klagte, habe er ihr „zur Entspannung der Situation“ eine Massage vorgeschlagen. Dann sei er sexuell gewalttätig geworden.

Sie schrie laut Anklage wiederholt „Nein“ und habe versucht, sich loszureißen. Er habe sie aufs Bett gedrückt. Als sie dann den Notruf wählte, soll er ihr das Telefon entrissen, ihr Mund und Nase zugehalten, sie gewürgt, ihr mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Sie sei auf den Balkon geflohen, er habe sie zurückgezerrt. Todesdrohungen habe er ausgestoßen. Am 30. Mai 2022 sei ihr die Flucht gelungen.

Er sei „sehr gastfreundlich“, ein Nein habe er nicht gehört

T. nun zum Richter: „Sie war auf der Suche nach einem Mann zum Heiraten. Sie hatte den Wunsch, nach Berlin zu kommen.“ Er sei „sehr gastfreundlich“. Sex sei einvernehmlich gewesen – „wir waren von Anfang an sehr vertraut, da lag was in der Luft“. Ein Nein habe er nicht gehört.

T. gab zwar zu, ihr den Mund zugehalten, sie auch geschlagen zu haben. Doch sexuelle Gewalt bestritt er: „Eine Vergewaltigung hat es nicht gegeben.“ 

Sie hätten Wein getrunken, sich massiert, dann sei es zum Sex gekommen. T.: „Plötzlich schrie sie hysterisch: Vergewaltigung. Ich hielt ihr den Mund zu“. Er habe sie auch geohrfeigt – „es tut mir leid, ich war überfordert“. Fortsetzung: Freitag.