Es ist schon zu einer fixen Idee des Berliner Kultursenators Joe Chialo (CDU) geworden. Sein Plan die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) künftig in das Quartier 207 an der Friedrichstraße einziehen zu lassen, im dem sich noch das französische Nobelkaufhaus Galeries Lafayette befindet. Doch Chialos Idee klingt nicht nur megagigantisch, sie ist auch megateuer. Knapp 589 Millionen Euro müsste das Land Berlin dafür ausgeben, wie am Montag bekannt wurde. Kann sich das die Stadt überhaupt leisten?
589 Millionen Euro – so viel würde der Kauf des Lafayette-Gebäudes und der Einzug der Bibliothek kosten, sagte Chialo im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. In dieser Höhe habe der Gebäudeeigentümer, die US-Firma Tishman Speyer, der Senatsverwaltung ein erstes Kaufpreisangebot unterbreitet. Es setze sich aus dem Grundstückswert, dem Gebäudewert und der Finanzierung zusammen.
„Ich betone, dass in diesem Angebot auch die Kosten für die bauliche Herrichtung zur Umnutzung des Hauses als ZLB bereits enthalten sind“, sagte der Kultursenator. Es sei ein erstes Angebot, das noch „komplett unverhandelt“ sei. Die Kaufpreisermittlung des Angebotes beruhe auf der Annahme eines Verkaufs.
Für die Zentral- und Landesbibliothek wird seit Jahren ein neuer Standort gesucht. Die beiden Standorte am Blücherplatz und in der Breiten Straße sind zu klein geworden und haben zudem dringenden Sanierungsbedarf. Chialos Ansicht nach ist das Quartier 207 an der Friedrichstraße, in dem unter anderem das Kaufhaus Galeries Lafayette untergebracht ist, am besten geeignet. Der Mietvertrag für die französische Kaufhauskette endet dem Eigentümer zufolge Ende 2024.
589 Millionen Euro für das Lafayette als Bibliothek: Experten sind begeistert

Im Kulturausschuss sprachen sich die geladenen Experten allesamt für das Projekt aus. Der Direktor der Stiftung ZLB, Volker Heller, sieht in der Gebäudeumnutzung des Quartiers 207 den Vorteil, dass es keinen Interimsstandort brauche. Sollte der Standort am Blücherplatz ausgebaut werden - so wie es zuvor diskutiert worden war - müsste der Standort der ZLB in der Zwischenzeit über Jahre schließen und ein neuer gefunden werden. Berlins Zentralbibliothek nachhaltig und schnell für die Bürgerinnen und Bürger zu realisieren, wäre auch ein Zeichen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt, so Heller.
Auch der Wissenschaftler im Bereich Bibliotheksmanagement an der Humboldt-Universität, Jonas Fansa, betonte, wie geeignet das Quartier 207 in der Friedrichstraße für die Zwecke einer Bibliothek sei. Die Räumlichkeiten wiesen eine hohe Dichte auf und böten eine hohe Transparenz, was den Lichteinfall in tiefe Räume und die Erschließbarkeit der Räume für Besucher angehe. Bibliotheken bräuchten kompakte Strukturen – welche Kaufhäuser architektonisch böten, so Fansa. Auch der Standort im Stadtraum sowie die ÖPNV-Anbindung zeige, wie geeignet das Quartier 207 als neuer Standort für die ZLB sei.
Im Kulturausschuss wurden bei meist verhaltener Zustimmung zur Idee von den meisten Fraktionen viele Nachfragen gestellt. Die meisten kritischen Nachfragen stellte der Koalitionspartner SPD - etwa zur baulichen Substanz oder zu Angeboten von anderen Akteuren. Die CDU zeigte sich positiv. Begeistert von der Idee schien die Linke.
Die kritischen Nachfragen schienen den Kultursenator nicht aus der Ruhe zu bringen. „Es ist eine tolle Idee, die die Menschen elektrisiert und auf dem Weg zur Umsetzung müssen viele Fragen beantwortet werden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Anschluss. Bis November laufe nun noch die Angebotsprüfung, bis im Dezember dann über den Haushalt entschieden werde.
Was passiert mit Galeries Lafayette?
Der Mietvertrag der Galeries Lafayette läuft offiziell noch bis Ende 2024. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit mitgeteilt, am Verbleib im Quartier 207 auch über 2024 interessiert zu sein und sich in entsprechenden Gesprächen mit dem Eigentümer zu befinden.




