Mittes Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne) ist sauer. „Wir waren uns mit dem Bundestag bereits einig“, sagt sie. „Als Ausgleich für den Eingriff in den Großen Tiergarten, den der Bau des BIZ darstellt, sollten wir eine bundeseigene Fläche an der Scharnhorststraße 29/30 erhalten.“ Dort befand sich früher das sogenannte Grabfeld I, das zum Invalidenfriedhof gehörte. Die Fläche dient heute als Parkplatz und ist komplett betoniert. „Wir wollten die Parkplatzfläche renaturieren und mit dem angrenzenden Invalidenfriedhof verbinden“, sagt Weißler. Zugleich sollte die neu gewonnene Fläche als Verbindung zum nahegelegenen Panke-Grünzug dienen.
Jetzt wollten das Finanzministerium und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von der Einigung aber nichts mehr wissen, obwohl diese mit dem Haushaltsgesetz 2020 vom Bundestag bereits beschlossen worden sei. Auf einem Drittel des Grundstücks an der Scharnhorststraße solle ein Neubau für das Wirtschaftsministerium entstehen. Dieser würde das Grundstück zur Straße hin abriegeln, kritisiert Weißler.
Unterstützung erhält die Stadträtin von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), dem Chef der Baukommission. Es gebe eine „klare Beschlusslage“ des Bundestages. „An diese hat sich die Bundesregierung zu halten“, sagt Kubicki. Er habe zwar „vollstes Verständnis“ für den geplanten Erweiterungsbau des Wirtschaftsministeriums. Es sei aber Aufgabe der BImA alternative Flächen für diesen zu finden, so Kubicki. Wenn es nach dem Bezirk Mitte geht, ist ein Ausweich-Standort für den Neubau schon gefunden. Neben dem Hauptsitz des Wirtschaftsministeriums befinde sich ein anderer Parkplatz, der dafür genutzt werden könnte. Kubicki unterstützt die Idee.
Mittes Umweltstadträtin will sich nicht abspeisen lassen
Das Finanzministerium äußert sich nicht in dem Streit, sondern verweist auf die BImA. Diese verteidigt die Pläne. Mit dem Land Berlin sei Einvernehmen erzielt worden, „dass ein Drittel der Fläche des Grundstückes Scharnhorststraße 29/30 mit einem Bürogebäude für Zwecke des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bebaut“ werde. Zwei Drittel des Areals würden als Ausgleichsfläche bereit gestellt und den Berlinern als innerstädtische Erholungsfläche dienen. Darüber hinaus solle eine „baumgesäumte Promenade entlang der John-Foster-Dulles-Allee“ entstehen. Zum Vorschlag des Bezirks, besser den Parkplatz neben dem Ministerium zu bebauen, laufen laut BImA derzeit Abstimmungen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Allerdings nicht mit dem Ziel, auf eine Bebauung des Areals an der Scharnhorststraße 29/30 zu verzichten. Um den Raumbedarf des Wirtschaftsministeriums zu decken, würden nämlich beide Grundstücke als Neubau-Flächen benötigt.
