Berlins Busse sollen schneller werden. Ein seit vielen Jahren angestrebtes Ziel, das immer wieder verfehlt wurde. Außerdem sollen Radfahrer sicherer durch die Stadt kommen.
Deshalb steht im rot-grün-roten Koalitionsvertrag Berlins: „Der Busverkehr soll für Linien im Vorrangnetz bis 2026 durch Sonderfahrstreifen und Busschleusen weiter beschleunigt werden.“ Und: „Bis zum Jahr 2026 soll die Realisierung des Vorrangnetzes und geschützter Radinfrastruktur an Hauptstraßen erfolgen.“ Wenn man aber beides gleichzeitig an der selben Stelle tut, kann es Probleme geben, wie ein Beispiel aus Steglitz zeigt.
Neue Rad-und-Bus-Spur entstand binnen weniger Tage
Im März war binnen weniger Tage auf rund 700 Metern ein Radweg auf die Straße Unter den Eichen gemalt worden, auf dem auch BVG-Busse fahren dürfen: Vor dem Botanischen Garten zwischen Am Fichtenberg und Willdenowstraße in Richtung Zehlendorf. Auf der Bundesstraße 1, einer wichtigen Verbindung zur Avus und gen Potsdam, gibt es stadtauswärts nur noch eine Spur für Autos und Lkw.
Bevor die Rad- und Busspur beginnt, ist die rechte Spur mit drei Warnbaken abgesperrt, Kraftfahrzeuge müssen sich – idealerweise im Reißverschlusssystem – einfädeln. Weil allerdings im Berufsverkehr vom kaum 500 Meter entfernten Autobahn-Ende am Steglitzer Kreisel und von der Schloßstraße viel Verkehr auf die Engstelle zuströmt, gibt es dann regelmäßig einen Stau.
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Und wer steht drin? Die BVG-Busse. Der mutmaßliche Zeitgewinn durch die neue Sonderspur geht mindestens im Berufsverkehr verloren. Wenn dann noch die Bedarfsampel am Begonienplatz vor dem Eingang zum Botanischen Garten Rot zeigt, geht es auch nach der Verengung nicht recht weiter.
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Betroffen sind die BVG-Buslinien M48 und 188. Montags bis freitags sind sie zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr im Zehn-Minuten-Takt unterwegs: Pro Stunde können also bis zu zwölf Busse pro Stunde in dem Stau festhängen.

Seit die Rad-und-Bus-Spur angelegt ist, stellt die BVG „leichte Verzögerungen“ fest
Die BVG formuliert auf Anfrage vorsichtig: „Aktuell stellen wir in diesem Bereich leichte Verzögerungen fest.“ Ob die „Radverkehrsanlage“ die alleinige Ursache sei? Da heißt es, es könnten im Umfeld auch einige Baustellen Einfluss haben. Allerdings: „Eine genaue Fahrtanalyse vor Ort soll dazu in den nächsten Wochen Aufschluss geben.“
Von der Senatsverwaltung für Mobilität von Bettina Jarasch (Grüne) war zu erfahren: „Die Anordnung des Radstreifens auf der Fahrbahn ist vor allem eine Notmaßnahme zur Herstellung von Verkehrssicherheit für Radfahrende, weil der bauliche Hochbord-Radweg daneben (bisher benutzungspflichtig) durch Wurzelaufbrüche zerstört und damit nicht mehr nutzbar war. Er entspricht ohnehin nicht den im Radverkehrsplan geltenden Maßen, weswegen eine Sanierung im Bestand – abgesehen vom langen Planungsvorlauf – nicht zielführend wäre. Ob Anpassungen im Busfahrplan nötig werden oder nicht, wird derzeit untersucht.“


