Ein weiteres Mal steht die Stadt still: Seit Freitagmorgen läuft in Berlin der inzwischen zweite Streik bei der BVG in diesem Jahr. Anfang Januar dauerte der Arbeitskampf, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, noch 24 Stunden, jetzt sind es schon 48. Es wird um bessere Arbeitsbedingungen gekämpft – und das auf dem Rücken der Berlinerinnen und Berliner. Und die sind mehr als genervt!
Für 48 Stunden stehen die Öffis in Berlin still
Auch die dritte Runde der Tarifverhandlungen zwischen BVG und Verdi verlief ohne nennenswertes Ergebnis – die Gewerkschaft rief deshalb für Freitag und Samstag zum Streik auf. Ab dem frühen Morgen legten die Angestellten der BVG die Arbeit nieder, Berlin kam ein weiteres Mal zum Stillstand. Es fahren keine U-Bahnen, keine Straßenbahnen, keine Busse, nur ausgewählte Linien sind aktiv.
Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um geregelte Pausenzeiten, um Schichtlängen von maximal 12 Stunden und Wendezeiten von mindestens sechs Minuten am Ende einer Strecke, damit die Toilette besucht werden kann. „Dass wir im Jahr 2026 ernsthaft darüber verhandeln müssen, dass nur 12 Stunden zwischen Anfang und Ende einer Schicht liegen dürfen und Beschäftigte vor der nächsten Schicht 11 Stunden durchatmen können, ist skurril“, sagte Verhandlungsführer Serat Canyurt.

Bei den Wendezeiten gehe es um Gesundheitsschutz und Würde. „Alle wissen, wie belastend es ist, bei einer vollen Blase nicht aufs Klo gehen zu können. Solche Situationen zu vermeiden, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die BVG will darüber nicht einmal verhandeln“, so Canyurt. Er hatte bereits im Vorfeld mit weiteren Streiks gedroht. Als die BVG kein Angebot vorlegte, sagte er, dass das die dringend benötigte Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr gefährde.
Berliner sind genervt vom Streik bei der BVG
Für viele Berlinerinnen und Berliner heißt es nun: Ein weiteres Mal müssen sie ertragen, dass weite Teile der Stadt zum Stillstand gekommen sind. Und davon sind viele sehr genervt. Auf die Berichte im KURIER gab es zahlreiche Leserbriefe, in denen die Menschen in der Stadt ihrer Wut Luft machten. „Es ist einfach unzumutbar... Diese ewigen Streiks! Betroffen ist überwiegend die arbeitende Bevölkerung, die dann zusehen kann, wie sie zur Arbeit und nach Hause kommt“, schreibt ein Leser. Er selbst sei Rentner – und habe zum Streiken keine Möglichkeit. „Wir müssen zusehen, wie wir hinkommen, alles wird teurer, jeder will mehr Geld.“

Ein anderer schreibt: „Verdi hat sich inzwischen weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernt, als die Erde von der Sonne entfernt ist. Sollen sie streiken, bis die Kasse leer ist. Die Forderungen sind unverschämt und unannehmbar.“ Eine Leserin ist wütend, weil sie nicht versteht, um was hier gekämpft wird. „Auch wir anderen Arbeitnehmer finanzieren mit unseren Fahrkosten die Löhne. Es ist unfassbar, dass die Ruhepausen via Streik verhandelt werden sollen. Die Busse fahren eh los, wie sie wollen. Und das jeden Tag. Es kommt ständig zu Verspätungen. Und das schon bei der End- bzw. Abfahrtsstelle! Daran könnte gearbeitet werden.“
BVG-Mitarbeiter verdienen mehr Geld als viele andere
Auch eine andere Frau hat kein Verständnis für die Streiks. „So schlecht verdienen die Menschen bei der BVG gar nicht“, schreibt sie. Sie selbst habe einige Freunde, die beim Unternehmen arbeiten. „Jedenfalls bedeutend besser als manch andere, die aber auf die BVG angewiesen sind.“ Noch dazu werden mit jeder Lohnerhöhung die Fahrpreise erhöht. „113 Euro für die Monatskarte im AB-Bereich in Berlin ist schon mehr als heftig. Und nicht jeder kann ein Abo abschließen.“

Streik ist für Berliner mehr als unangemessen
Ein Mann schreibt, er finde den Streik mehr als unangemessen. Die Probleme werden auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung und der Schüler ausgetragen. Die Mitarbeiter der BVG kämen ihrer Transportverpflichtung nicht nach, sondern würden dafür sorgen, „dass Menschen nicht zu ihrem Arbeitsplatz kommen“. Das sei der falsche Weg. „Erst recht, wenn man bedenkt, dass diese BVG- Mitarbeiter gegenüber der restlichen Bevölkerungsgruppe ein mehr als fürstliches Gehalt mit Zuschlägen bekommen, das dem normalen Arbeitnehmer nicht vergönnt ist.“




