Aus Wut wird Hass

Mutter von Emre Can übel beleidigt – Union-Fans benehmen sich daneben

0:3 gegen Dortmund – doch im Fokus steht der Hass auf den BVB-Profi. Beim 1. FC Union Berlin gehen die Meinungen dazu auseinander.

Author - Sebastian Schmitt
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BVB-Profi Emre Can wurde von den Fans des 1. FC Union Berlin immer wieder unter der Gürtellinie beleidigt.
BVB-Profi Emre Can wurde von den Fans des 1. FC Union Berlin immer wieder unter der Gürtellinie beleidigt.IMAGO/Bahho Kara

Es bleibt dabei. Für den 1. FC Union Berlin ist gegen den BVB in dieser Saison nichts zu holen. Nach dem 0:3 im Hinspiel kassieren die Eisernen auch in Köpenick eine 0:3 (0:1)-Niederlage. Sportlich kann Union die Pleite verkraften. Dennoch kochen die Emotionen hoch. Im Fokus steht Emre Can – zwischen Wut, Pfiffen und einer Grenze, die überschritten wird.

Can-Schubser lässt Stimmung in Köpenick kippen

Feuer war von Beginn an im Spiel, doch plötzlich wird es giftig. Nach einer Rudelbildung schubst BVB-Profi Emre Can Unions Janik Haberer zu Boden. Auf der Waldseite kippt die Stimmung. Dort, wo die eingefleischtesten Unioner stehen, hagelt es Pfiffe. Als Can wenig später am Boden liegt, mit Gesten provoziert, wird es verstörend. Schmähungen unter der Gürtellinie hallen durch die Alte Försterei – immer wieder, bis BVB-Trainer Niko Kovac den Nationalspieler in der 69. Minute vom Feld nimmt.

Dortmunds Emre Can schubst Janik Haberer zu Boden und wird danach von den Fans des 1. FC Union ausgepfiffen und derbe beleidigt.
Dortmunds Emre Can schubst Janik Haberer zu Boden und wird danach von den Fans des 1. FC Union ausgepfiffen und derbe beleidigt.TOBIAS SCHWARZ

Dabei beginnt der Abend ordentlich. Bei minus fünf Grad ist Union sofort da, läuft im 60-Jahre-Sondertrikot an. Doch das Team von Trainer Steffen Baumgart nutzt in den ersten 20 Minuten drei gute Chancen nicht – und kassiert auf der Gegenseite wegen einer Millisekunde den frühen Rückstand: Serhou Guirassy ist einen Hauch vor Frederik Rönnow am Ball, Can verwandelt den Elfmeter sicher – 0:1 (10.). Danach treffen noch Ex-Unioner Nico Schlotterbeck (54.) und Maximilian Beier (84.).

Union-Fans gehen zu weit – Ansah zieht klare Grenze

Doch nach Abpfiff geht es weniger um das Ergebnis als um den Ton. Union-Stürmer Ilyas Ansah findet klare Worte. „Unsere Fans machen eine geile Stimmung, aber es waren ein, zwei Sprüche dabei, die einfach einen Ticken zu viel sind.“ Ansah, der sich mit Can  gleich mehrere hitzige Duelle lieferte, ordnet ein: „Das waren normale Zweikämpfe. Er hat mich gefoult, ich habe ihn gefoult. Das gehört zum Fußball. Das von den Fans dann nicht.“

Union-Stürmer Ilyas Ansah lieferte sich einige intesive Zweikämpfe mit Dortmunds Emre Can. Für die Schmährufe der Union-Fans hat er wenig Verständnis.
Union-Stürmer Ilyas Ansah lieferte sich einige intesive Zweikämpfe mit Dortmunds Emre Can. Für die Schmährufe der Union-Fans hat er wenig Verständnis.IMAGO/nordphoto GmbH / Engler

An der Seitenlinie tobt Manager Horst Heldt während des Spiels und fordert Rot für Can. Steffen Baumgart bleibt gelassen. „Der Schiedsrichter hat Gelb gezeigt, dann war alles in Ordnung.“ Über die Schmährufe sagt Baumgart: „Das ist Fußball. Das sind Emotionen. Ob das immer richtig ist, ob das immer ladylike ist – keine Ahnung.“

Baumgart bleibt gelassen trotz hitziger Schmährufe

Auch nach Abpfiff ist der Schlagabtausch noch nicht vorbei. Borussia Dortmund ostet auf X ein Sieger-Selfie mit Nico Schlotterbeck, Maximilian Beier und Emre Can. Die Spitze sitzt: „POV: Deine Gäste zum 60. Geburtstag stehen vor der Tür.“ Ein klarer Seitenhieb auf die große Jubiläums-Choreo und Unions runden Geburstag unter der Woche.

Die Eisernen lassen das nicht unbeantwortet. Ebenfalls auf X posten sie dasselbe Foto – allerdings löschen sie darauf Emre Can. Dazu die trockene Antwort aus Köpenick: „Nur für geladene Gäste.“

Fußball lebt von Emotionen, nicht von Hass

Can selbst zeigt sich wegen seines Schubser nach dem Spiel bei Sky einsichtig. „Ich denke, die Gelbe Karte war verdient. Ich habe mich nur geärgert, dass mein Gegenspieler, der mir den Ball aus der Hand schlägt und noch etwas sagt, nicht auch verwarnt wird.“

Klar ist: Fußball lebt von Emotionen – Union ganz besonders. Doch wenn aus Wut Hass wird, verliert selbst die Leidenschaft ihre Grenze.