0:1 gegen Real Madrid

In der Nachspielzeit verlässt der Fußballgott den 1. FC Union

Eiserne schlagen eine unglaubliche Abwehrschlacht, aber Sekunden fehlen zur Sensation.

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Viel beschäftigt: Unions Torhüter Frederik Ronnow in Aktion.
Viel beschäftigt: Unions Torhüter Frederik Ronnow in Aktion.Manu Fernandez/AP/dpa

Sekunden nur sind es! Eine klitzekleine Winzigkeit nur fehlt den eisernen Fußball-Götter zur Sensation, dann stolpern sie doch noch. Bis weit in die Nachspielzeit, bis zur vierten Minute über die 90. hinaus halten sie die Null. Mit Glück zwar, aber sie steht.

Das 0:0, der erste Punkt beim Königsklasse-Debüt gerade bei Rekordsieger Real Madrid, ist zum Greifen nah. Dann aber passiert es doch. Jude Bellingham, vor Saisonbeginn für 103 Millionen Euro von Borussia Dortmund gekommen, reißt den 1. FC Union mit seinem 1:0 im allerletzten Moment aus allen Träumen.

Natürlich hat Real Vorteile. Von Anfang an. Alles andere wäre noch weniger normal als dass der 1. FC Union überhaupt in diesen Kreis vorgestoßen ist. Es bleibt eine kleine Randnotiz, dass das weiße Ballett nach eigenem Anstoß 37 Sekunden braucht, um durch Luka Modric in Unions Hälfte zu kommen.

Willkommen gegen die Königlichen in der Königsklasse!

Dass der Kroate, einer der beweglichsten Spieler auf dem Platz, auch mit 38 Jahren das Zeug dazu hat, den Takt anzugeben, wird allein da schon deutlich. Dass Lucas Tousart schon bei diesem ersten Zweikampf Gelb kassiert, ist weniger schön. Willkommen gegen die Königlichen in der Königsklasse …

Mut hat Urs Fischer von seinem Team gefordert, aber auch Zutrauen. Beides ist da, aber eben nur in Ansätzen. Bald schon zeigen die Eisernen, wie es gehen kann: mit einer B-B-B-Kombination. Über Leonardo Bonucci, der sein Debüt gibt und den erkrankten Robin Knoche als Abwehrchef ersetzt, geht es rechts nach vorn, Sheraldo Becker bringt den Ball nach innen, wo Kevin Behrens lauert. Nur ist Antonio Rüdiger, der Deutsche in Reals Abwehrzentrum, eher am Ball (3.).

Real fühlt sich angestachelt, antwortet nur Sekunden später mit einem Kopfball von Joselu. Frederik Rönnow ist da, fischt die Kugel weg. Der Spanier wirbelt auf dem rechten Flügel, ist leichtfüßig unterwegs, setzt einen zweiten Kopfball aber links vorbei (6.), wie auch Behrens in seiner Kernkompetenz, dem Kopfballspiel, den Kasten von Real-Keeper Kepa verfehlt (9.).

Das 1:0 für Real Madrid in der letzten Minute der Verlängerung erzielt Jude Bellingham.
Das 1:0 für Real Madrid in der letzten Minute der Verlängerung erzielt Jude Bellingham.AP Photo/Manu Fernandez)

Was dann kommt, spielt den Eisernen von Union in die Karten

Was dann kommt, spielt den Eisernen ein wenig in die Karten, ist zugleich aber ein Tanz auf dem Seil. Deutlicher Ballbesitz, zur Halbzeit sind es 73 Prozent, zeigt, in welche Richtung es vornehmlich geht. So flink Joselu sich auch bewegt, David Alaba auf Reals linker Angriffsseite immer wieder nach vorn stößt und Modric mit der einen oder anderen Idee und ziemlich feinen Zuspielen besticht, kreuzgefährlich wird es vor Rönnow jedoch nicht. Real, mit fünf Siegen aus fünf Spielen Tabellenführer in Spaniens La Liga, zeigt noch nicht den Biss, in die Tiefe zu gehen oder noch stärker aufs Tempo zu drücken.

Völlig untypisch versuchen es die Gastgeber mit Weitschüssen, die von Nacho (34.) und Aurelien Tchouameni (40.) im Obergeschoss landen. Das liegt vor allem auch an Alex Kral, der vor der Abwehr pendelt und ständig auf Achse und einer der Auffälligsten der Eisernen ist.

Die Eisernen verlieren viel zu schnell den Ball

Klar ist aber auch: So sympathisch das 0:0 zur Pause ist, die Eisernen verlieren, wenn sie ihn denn haben, viel zu schnell den Ball. Gezielte Angriffe oder Mut zum Dribbling, wie ihn Aissa Laidouni gleich zu Anfang gegen drei Gegenspieler mal hatte, werden immer seltener. Erst mit Wiederbeginn geht es wieder öfter in die Real-Hälfte, und Robin Gosens gelingt gar ein Abschluss ans Außennetz (49.).

Längst aber haben die Weißen einen Zahn zugelegt. Jetzt wird es ungemütlich vor Rönnow. Rodrygo, der Brasilianer, scheitert am Dänen im Union-Kasten, knallt den nächsten Versuch an den Pfosten (51.). Danach macht Joselu Druck, ist nur schwer zu halten. Einen weiteren Kopfball von ihm hechtet Rönnow an den Pfosten (63.), auch hat der Keeper beim Knaller von Modric (69.) die Hand am Ball, ebenso klärt Bonucci in höchster Not vor Real-Joker Fran Garcia (74.). Nun brennt es – und mit Toni Kroos ist längst ein weiterer Hochkaräter im Spiel der Königlichen.

Der Gegentreffer liegt förmlich in der Luft. Fällt aber nur fast, weil Joselu hauchdünn scheitert (83.). Er fällt dann aber doch, weil Bellingham bei der wirklich allerletzten Aktion goldrichtig steht …